Kaufbeuren/Ostallgäu | 21.01.2010
Am 12. Januar wurde Haiti von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,0 erschüttert. Hilfsorganisationen sind vor Ort und arbeiten bis zur Erschöpfung. Darunter befindet sich auch die Ostallgäuer Organisation humedica mit drei Teams.
Das Ausmaß der Schäden ist riesig und es wird mit einer hohen Zahl von Opfern gerechnet. Im Großraum der Hauptstadt Port-au-Prince sind viele Gebäude zerstört bzw. beschädigt worden, darunter auch Regierungsgebäude sowie Einrichtungen des öffentlichen Lebens (z.B. Krankenhäuser). Das derzeitige Bild in Haiti ist furchterregend.
Neben dem Koordinatoren Dieter Schmidt (Nesselwang) ist Simone Winneg (Kaufbeuren) die zweite Koordinationskraft, die humedica mit den ersten beiden Ärzteteams in den Einsatz geschickt hat: "Die Eindrücke der letzten zwei bis drei Tage waren so überwältigend, einerseits so schlimm, andererseits aber so ermutigend“, sagte Winneg über die ersten Tage im Krisengebiet.
Die Zerstörung in Port-au-Prince sei erschreckend: “Ganze Straßenzüge exisitieren im westlichen Teil der Stadt nicht mehr, Hochhäuser, Hotels und Supermärkte sind zusammengefallen wie Kartenhäuser. Unsere Arbeit im Krankenhaus „Espoir“ (dt: Hoffnung) ist seit Tagen in vollem Gange. Das humedica-Ärzteteam leistet hier wirklich Außerordentliches.”
Krankenhaus in Betrieb
Die humedica Teams haben einen richtigen kleinen Krankenhausbetrieb aufgenommen - mit stationären Patienten, mit Visite und mit Operationen. Aber schon nach drei Tagen stießen die Helfer rund um Simone Winneg an ihre Grenzen: “Im Krankenhaus sind nicht genügend Betten, nicht genügend Matratzen, um alle Leute unterzubringen. Wieder ist improvisieren angesagt: Alle Räume werden geräumt, Matratzen aus allen möglichen Räumen heraus gesucht und trotzdem müssen viele Patienten leider mit dem Boden Vorlieb nehmen, weil einfach kein Platz mehr da ist, aber die Fälle reißen nicht ab.”
Neben dem vielen Leid hat Simone Winneg aber auch etwas Positives zu berichten: „Die kleine Sulvana ist eineinhalb Jahre alt und kuriert in unserer Klinik ihren Oberschenkelbruch aus. Es geht ihr bedeutend besser und sie kann wieder lachen und singen. Sie zu sehen und wie es ihr immer wieder geht, gibt uns Hoffnung und motiviert ungemein.“ Winneg weiter: „Wir sind alle super froh, dass wir die Möglichkeit haben, das zu tun, was wir tun. Wir sind glücklich, dass wir humedica auf der Fahne stehen haben und uns ein so super engagiertes Team im Headquarter unterstützt.“
Starkes Nachbeben verursachte massive Schäden an Klinik
Aufgrund des starken Nachbebens mussten alle stationär aufgenommenen Patienten der "Klinik der Hoffnung" mittlerweile evakuiert werden und befinden sich nun zum Teil in Zelten, zum Teil unter freiem Himmel. Die Situation hat sich seither dramatisch verschärft. "Wir wurden sehr unsanft geweckt", erzählte die Koordinatorin Simone Winneg am Satellitentelefon. "Die Erde bebte sehr stark, aber glücklicherweise waren wir alle schnell genug im Freien." Das Ausmaß des Nachbebens für das "Krankenhaus der Hoffnung“ konnte die Koordinatorin zu diesem Zeitpunkt nicht abschätzten, da die Einsatzkräfte in einer nahe gelegenen Schule untergebracht sind.
Fest steht nun, dass die Klinik teilweise zerstört ist, in jedem Fall aber durch die neuerlichen, massiven Erschütterungen stark Einsturz gefährdet ist. Dieses Nachbeben mit der Stärke 6.1 auf der Richterskala hat die Situation im Einsatzbereich der Teams massiv verschärft und nach ersten allgemeinen Rückmeldungen wohl auch in Port-au-Prince für weitere Zerstörungen gesorgt.
Immerhin hat das 16 medizinische Einsatzkräfte umfassende, dritte Team von humedica nach einigen Verzögerungen Port-au-Prince erreicht. Aktuell gibt es ein Zusammentreffen aller Helfer.
Erfahren Sie mehr dazu unter http://www.humedica.org/
Katastrophenexperte Wolfgang Stahl reist in das Krisengebiet
Auch die Johanniter werden jetzt ein Hilfsteam mit Allgäuer Beteiligung nach Haiti senden. Heute ist der Kemptener Wolfgang Stahl als Leiter eines medizinischen Teams planmäßig vom Kölner Flughafen in die Karibik gestartet.
Stahl, der sowohl Vorsitzender des Aktionsbündnisses Allgäu und ein ausgebildeter Katastrophenexperte der EU ist, war bereits am vergangenen Nachmittag nach Köln gereist. Dort hatte das Team aus zwei Ärzten, vier Rettungsassistenen und einem Seelsorger die Abschlussbesprechung. 50 bis 200 Verletzte will das Hilfsteam pro Tag behandeln. Die Johanniter-Helfer haben Zelte und Generatoren dabei, um unabhängig arbeiten zu können.
Über humedica
Wolfgang Groß und sein Bruder Dieter gründeten 1979 den Verein "humedica e.V." aufgrund persönlicher Erfahrungen der Not in der "Dritten Welt". Mittlerweile hat der Verein 16 Vollzeit-, 4 Teilzeitmitarbeiter und 2 Auszubildende. Damals und heute wird eine effektive Hilfe aber nur möglich durch einen unermüdlichen Einsatz ehrenamtlicher Helfer aus allen möglichen Berufen und Altersschichten. Seit vielen Jahren sind die humedica- Mitarbeiter mit nichts anderem beschäftigt, als Transporte mit Hilfsgütern zusammenzustellen und sie bis zur Endverteilung in die zahllosen Katastrophengebiete rund um den Erdball zu begleiten.
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