Kaufbeuren/Ostallgäu | 21.02.2012

Passanten verfolgten interessiert das Training der Wasserwacht, Foto: Agentur Claus Tenambergen
Wenn ein Mensch vom Tod durch Ertrinken bedroht ist, ist immer Eile geboten. Noch dramatischer wird die Situation jedoch im Winter. Auch für die Rettungskräfte bieten sich während der kalten Jahreszeit erschwerte Bedingungen. Aus diesem Grund trafen sich kürzlich die Ostallgäuer Wasserwacht-Ortsgruppen aus Buchloe, Marktoberdorf, Kaufbeuren und Obergünzburg zur alljährlichen Übungseinheit am Bärensee.
Zwar war vom „Eis“ an diesem Wochenende nicht viel zu entdecken. Das Thermometer zeigte jedoch Temperaturen weit unter Null und somit konnten die routinierten Einsatzkräfte von zwei getrennten Tauchplätzen aus zumindest das Retten in extrem kaltem Wasser trainieren. Bei ihrem Trainingseinsatz begleitet wurden die Teams von vielen Schaulustigen, die den Samstagvormittag trotz des trüben und kalten Wetters für einen Spaziergang am See genutzt hatten. Vor allem die anwesenden Kinder zeigten sich schwer beeindruckt vom Können der Wasserwacht.
Retten per „Scheibenwischer-Methode“
Die größte Schwierigkeit bei der Suche nach einem Verunglückten in einem winterlichen See sei die begrenzte Sichtweite, wie Tauchausbilder Karl Schied von der Kreiswasserwacht Ostallgäu erklärt. Nur drei bis fünf Meter weit kann der Taucher in der eisigen Tiefe sehen. In großen Gewässern sei sogar manchmal die Hand vor den Augen nicht zu erkennen. Die Retter bedienen sich daher der sogenannten „Scheibenwischer-Methode“, bei der der gesamte Grund in systematischen Hin- und Her-Bewegungen abgetastet wird. Der Leinenradius von der Station am Ufer oder auf dem Boot beträgt dabei rund 50 Meter.
Regelmäßiges Training ist unerlässlich
Um diese Suchmethode in möglichst kurzer Zeit und flächendeckend durchführen zu können, ist regelmäßiges Training unerlässlich. Auch muss sich der Taucher zu einhundert Prozent auf seinen Leinenführer verlassen können, denn dieser stellt die Verbindung zum Ufer dar. Über den Zug der Leine kann er zuvor festgelegte Signale an den Kollegen unter Wasser geben. „Ohne Leinenführung wäre der Taucher unter einer Eisdecke absolut orientierungslos und würde den Weg an die Oberfläche kaum mehr wiederfinden. Das Üben der Leinenführung ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Eistaucher-Übung“, so Karl Schied. Denn routiniertes Verhalten spart Zeit, die im Ernstfall Leben rettet.
Spenden helfen Leben retten
Aber auch die Taucher selbst dürfen, je nach vorhandener Ausrüstung, nur eine bestimmte Zeit im Wasser bleiben. Da die Wasserwachts-Mitglieder ihre Tauchanzüge fast ausschließlich aus eigenen Mitteln bereitstellen müssen, verfügt nicht jeder Taucher über einen sogenannten Trocken-Anzug, der das eisige Wasser nicht an die Haut lässt. Im Einsatz war bei der Eistaucher-Übung am Bärensee jedoch ein spezieller Anzug mit Vollgesichts-Maske, der einen Funkkontakt zwischen Taucher und Leinenführer ermöglicht. „Der Taucher kann die Töne dabei über eine Vorrichtung empfangen, die die Schallwellen über den Schädelknochen leitet und damit 'hörbar' macht“, beschreibt Edgar Gailhofer, technischer Leiter der Kreiswasserwacht, das hochwertige System. Dieses hat zwar durchaus Vorteile für die Retter, erfordert jedoch auch zusätzliche Übung. Deswegen ist die Wasserwacht im Ostallgäu stets dankbar für Spenden, von denen sich weitere Vollgesichts-Masken finanzieren ließen. Zuletzt hatte die Kaufbeurer Firma Wepro Spendengelder für die vorhandene Vollgesichts-Maske zur Verfügung gestellt.
Weitere Informationen unter www.brk-ostallgaeu.de

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