Kernkraftwerk Gundremmingen

Kernkraftwerk Gundremmingen: Erste große Modernisierungsrevision

Günzburg | 08.07.2010

Kernkraftwerk Gundremmingen
Reaktordruckbehälter von Block B des Kernkraftwerks Gundremmingen

Um die Zukunft des Kernkraftwerks zu sichern, investiert das Unternehmen 50 Mio. €. Diese sollen aber nicht nur für Leistungsoptimierung sorgen, sondern auch für größere Akzeptanz.

In einem Informationsgespräch berichtet Dr. Bläsig, seinerseits technischer Geschäftsführer, von der Modernisierung im Kernkraftwerk Gundremmingen. Die Maßnahmen zur Modernisierung in Block B betont Bläsig aber nicht nur wegen des finanziellen Aufwands von 50 Mio. €: „Die deutsche Sicherheitsphilosophie zum Betreiben kerntechnischer Anlagen gilt weltweit als beispielhaft“. Aus diesem Grund wurde die Anlage Gundremmingen kontinuierlich der Technik angepasst und vorausschauend instandgehalten.

Gerüstet für die Zukunft

Besonders wichtig im Rahmen der Modernisierung ist ganz klar das Umrüsten auf digitale Technik. Das Ziel dieser Maßnahmen ist es, das Kraftwerk für die Zukunft fit zu machen. Bläsig rechnet damit, dass die Anlage auch noch längerfristig einen umweltfreundlichen Beitrag zur Stromversorgung leisten wird. Oberste Priorität ist hierbei die Versorgungssicherheit. Überstürzt wird im Kraftwerk Gundremmingen aber dennoch nichts: „Grundlegende technische Veränderungen in der Anlage [werden] natürlich erst nach gutachterlicher und aufsichtsbehördlicher Zustimmung [realisiert].“

Block B als Vorreiter im Kraftwerk

Für Block B im Kraftwerk Gundremmingen bedeuten die Modernisierungsmaßnahmen derzeit nicht nur die üblichen Instandhaltungs-, Inspektions-, Prüf- und Reparaturarbeiten. Es fallen zusätzliche Modernisierungsprojekte an, „die sich als Piloten im kommenden Zyklus bewähren sollen“. Nach erfolgreicher Durchführung sollen die Maßnahmen auf Block C übertragen werden. Aber auch hier gilt: „Sicherheit [hat] wie immer Vorrang vor Schnelligkeit.“

Der Betrieb in Block B

Im vergangenen Betriebszyklus war Block B zwischen 24. Juli 2009 und 27. Juni 2010 über 48 Wochen in Betrieb. Dabei wurden mehr als 10,9 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Die erzeugte Strommenge entspricht dem Jahresbedarf von über drei Mio. Haushalten. Und das bei einem Durchschnittsstromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden pro Jahr. Der Betrieb von Block B hat im abgelaufenen Betriebszyklus der Atmosphäre rund 11 Mio. Tonnen Kohlendioxid erspart. Um einen ähnlichen Effekt zu erzielen, müssten alle etwa 7 Mio. PKW in Bayern für acht Monate abgestellt werden.

Akzeptanz und Vertrauen

Das Ziel des auf mehrere Jahre angelegten Modernisierungs-Programms ist aber nicht nur eine Leistungssteigerung. Voraussetzung für einen längerfristigen Betrieb ist auch die Akzeptanz und das Vertrauen in die Anlage. Die Sicherheit des Kernkraftwerks soll zu jedem Zeitpunkt außer Frage stehen. Die zentralen Projekte, die aktuell in Arbeit sind umfassen: Die Modernisierung und Erneuerung der Kondensatreinigungsstraßen, das Umrüsten von Steuerelementen auf neue Leittechniken, und die digitale Motorsteuerung für die Hauptkühlmittelumwälzpumpen. Die regulären Arbeiten umfassen unter anderem den Austausch der Brennelemente und Arbeiten im Maschinenhaus. Das jährliche Prüfungsprogramm umfasst hierbei rund 8.000 Einzelprüfungen. Sie sollen den vorgeschriebenen Soll-Zustand und die uneingeschränkte Funktionsfähigkeit der Anlagenteile und Systeme nachweisen. Aber auch eventuelle Abweichungen können so festgestellt werden. Prüfungen von sicherheitstechnisch wichtigen Anlagenteilen werden von über 40 unabhängigen Sachverständigen im Auftrag der Aufsichtsbehörde begleitet.

Der Mensch im Mittelpunkt der Modernisierung

Um derartig umfassende Modernisierungen durchführen zu können sind zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen worden: Im neuen Verwaltungsgebäude sind 26 Arbeitsplätze entstanden. Zusätzlich entstand ein Containerdorf mit rund 60 Containern, die neben den Büroplätzen vor allem Umkleide- und Sanitärmöglichkeiten für einen Teil der 1.650 Arbeiter bietet. Diese rund 1.650 Angestellten werden in den kommenden Wochen bei der Erledigung der über 5.500 Arbeitsaufträge das Kernkraftwerk unterstützen. Während dieser Zeit sollen sie natürlich optimal versorgt sein und die sprichwörtliche schwäbische Sauberkeit muss gerade auch im Kontrollbereich im Rahmen des Strahlenschutzes gewährleistet sein. Jeder, der im Kontrollbereich arbeitet, bekommt bis hin zur Unterwäsche eine Komplettausstattung an Extra-Kleidung.

Dr. Bläsigs Fazit

„Kernenergie muss nach unserer Ansicht weiterhin einen festen Platz im deutschen Energiemix haben, will man die Klimaschutzziele tatsächlich erreichen.“ Die beiden Kraftwerksblöcke in Gundremmingen sind, so Bläsig, tragende Säulen bei der Sicherung einer bezahlbaren, klimaschonenden und sicheren Stromversorgung. Das Kernkraftwerk hat in Bezug auf Technik und Sicherheit seine Hausaufgaben gemacht. Aber auch bei der Schaffung eines optimalen Arbeitsumfeldes ist das Unternehmen gut dabei.

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