
Energetische Sanierung im Pappenheimer Schloss
Das Schloss in Wertingen wird aktuell saniert. Hier wird künftig fast wie bei den alten Römern geheizt. Die Sanierung kann sogar als Referenzprojekt bei der Sanierung von historischen Gebäuden fungieren.
Kalendarisch haben wir Sommer. Doch im Wertinger Schloss wird seit Ende Mai auf Hochtouren gearbeitet, damit dort in Zukunft die Wärmeerzeugung für kalte Tage auf dem neuesten Stand ist.
Und die erinnert an die Heizung der alten Römer, das so genannte Hypokaust. Damals wurden heiße Abgase einer Feuerstelle unter Steinplatten geführt und sorgten für Strahlungswärme: Beispielsweise am Boden oder an der Wand. Ein Prinzip, das ähnlich ab sofort auch im Wertinger Schloss Anwendung findet. Allerdings von oben - und anstelle von Rauch wird warmes Wasser verwendet.
Die "Fußboden-Heizung" an der Decke
"Es handelt sich hier um eine so genannte Strahlungsdecke. Wir erzeugen Strahlungswärme mit einem Aggregat, und setzen hier auf zwei Wärmepumpen und als Unterstützung auf einen Gaskessel." So erklärt Energiemanager Bernd Beier das Prinzip der Heizung. Im neuen Kesselhaus unter dem Dach wird warmes Wasser mit geringer Temperatur produziert. Dieses wird dann, ähnlich einer Fußbodenheizung, durch Heizleiter geführt. Doch diese befinden sich nicht am Fußboden, sondern an der Decke. Montiert auf Wärmeleitflächen, den Klimadecken, strahlt dann die Wärme nach unten in den jeweiligen Raum.
Heizungssystem im Schloss Wertingen wurde drei Monate lang getestet
"Bevor wir uns für diese Art der Heizung entschieden haben, haben wir im letzten Winter das System in zwei Proberäumen ein Viertel Jahr lang getestet." Zwischen 20 und 23 Grad, ein optimales Raumklima, wird somit auf den Büroraum verteilt. Es gibt im Schloss allerdings auch einige Räumen mit geringer Raumhöhe: Die Kämmerei oder der Festsaal mit seiner Akustikdecke, der Sitzungssaal und der Schlosskeller mit der Gewölbedecke. Hier wird eine konventionelle Fußbodenheizung ebenfalls auf Warmwasserbasis zum Einsatz kommen.
Neue Heizung im Schloss Wertingen hat viele Vorteile
"Wir sind in der Lage, im Winter mit sehr wenig Wassertemperatur zu heizen. Wir benötigen maximal zwischen 35 und 40 Grad. Bisher gab es im Schloss nur Elektro-Heizdrähte in den Fußböden, die in der Nacht zu bestimmten Zeiten mit Spannung versorgt wurden und den Aufheizprozess in Gang setzen." Diese Elektrospeicherheizung hatte den Nachteil, dass morgens eine hohe Raumtemperatur herrschte. Diese wurde im Laufe des Arbeitstages immer niedriger. Mit der neuen Heizung ist die Wärmeerzeugung über den ganzen Tag gewährleistet. Und trotzdem wird Energie gespart.
Urlaubsplan für Heizung spart Energie
"Außerdem können wir jetzt sogar ein Urlaubs- und Krankheitsmanagement in puncto Heizung verwirklichen. Mit Änderung der Nutzergewohnheiten kann sehr viel Energie gespart werden. Mit einer elektronischen Mess-Steueregel-Anlage können wir in unbenutzten Räumen die Raumtemperatur absenken."
Zusätzlich wird der Energieverbrauch im Schloss durch eine neue Verglasung eingedämmt. Desweiteren gibt es jetzt zusätzliche Dichtungen in den Fenstern, sowie einer Isolierung in der letzten Geschossebene. "Wir haben dem Schloss einfach eine Art Wollkappe verpasst," sagt Beier.
Künftig wird etwa ein Drittel gespart
Ein gutes Drittel im Verbrauch, schätzt Bernd Beier, wird künftig gespart: "Gemäß der Situation am Energiemarkt - wir haben ja die Möglichkeit, Gas oder Strom einzusetzen - müssen wir uns von Fall zu Fall entscheiden, was am wirtschaftlichsten ist." Daher kann zu einer konkreten Geldersparnis nichts gesagt werden. In jedem Fall jedoch ist die Sanierung energetisch eine wichtige Maßnahme. Sie dient sogar als Referenzprojekt bei der Sanierung von historischen Gebäuden. Näheres zum neuen Heizsystem erklären die angehängten Zeichnungen.
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Wärmepumpe mit Gastherme
Maßnahme: Dämmung der letzten Geschossdecke
Maßnahme: Wärmeerzeuger Wärmepumpe
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