Landkreis Dillingen

Engagement für "Fachkräftesicherung"

Dillingen | 03.08.2010

Die Wirtschaftsmacht von nebenan
Kampagnenstand IHM 2010

Die Fachkräftesicherung ist ein wichtiges Thema für die Wirtschaft in Schwaben. Daher arbeiten viele Akteure engagiert an der Initiative "Fachkräftesicherung". Handwerkskammern, Landräte und die Agentur für Arbeit sind initiatoren des Projekts.

"Qualifizierte Fachkräfte sind unser Zukunftspotenzial. Ohne sie wird es schwer werden, auf Dauer Deutschland als export- und wettbewerbsstarken Standort halten zu können." Bereits im April warnte die vbw: Im Jahr 2015 werden rund 520.000 Fachkräfte allein in Bayern fehlen. Aktuell sind in Deutschland rund 35.000 Ingenieurstellen unbesetzt.

"Fachkräftesicherung" seit zwei Jahren

Darum und aufgrund des demografischen Wandels wurde vor knapp zwei Jahren die Initiative „Fachkräftesicherung“ gestartet. Sie ist initiiert von den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen a. d. Donau. Außerdem beteiligt sind dier Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK) und der Handwerkskammer für Schwaben (HWK). Desweiteren ist die Agentur für Arbeit beteiligt.

Nordschwaben stärker vom Fachkräftemangel betroffen

Im Jahr 2008 war die Phase I des Projektes. Damals haben die Kammern damals in ganz Schwaben über 1.300 Unternehmen befragt, wie sie den künftigen Bedarf an Fachkräften sehen. Die Auswertung hat ergeben, dass der Wirtschaftsraum Nordschwaben überdurchschnittlich vom Fachkräftemangel betroffen ist. Auf Seiten des Handwerks wird beim Ausbauhandwerk und beim Handwerk für gewerblichen Bedarf in der Fachkräftesicherung eine große Bedeutung gesehen. Daneben ist in den Branchen Elektrotechnik, Metallerzeugung und -bearbeitung sowie Maschinenbau ein Fachkräftebedarf sichtbar geworden.

Phase II: Regionalphase in Nordschwaben

Auf dieser Grundlage haben die Landräte Stefan Rößle und Leo Schrell vor einem Jahr Phase II (Regionalphase) gestartet. Prof. Dr. Markus Glück arbeitet am Technologie Centrum Westbayern / Hochschule Augsburg. Er befragte in Phase II in Nordschwaben Unternehmen zu ihrem künftigen Fachkräftebedarf und dem regionalen Bildungsangebot.

92 Unternehmen aus Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistung haben sich beteiligt. 56 davon sind aus dem Landkreis Donau-Ries und 36 aus dem Landkreis Dillingen.

Workshop mit allen maßgeblichen Akteuren

Die dabei gewonnenen Erkenntnisse bildeten die Arbeitsgrundlage für einen Workshop am 26. Juli 2010. Vertreter von Industrie, Handel, Handwerk, Dienstleistung, Behörden, Agentur für Arbeit und von Bildungseinrichtungen nahmen daran teil. Ziel war, Strategien zur Fachkräftesicherung und zur Weiterentwicklung der Bildungsangebote im Wirtschaftsraum Nordschwaben zu entwickeln.

Ergebnis der Unternehmensbefragung durch Prof. Glück

Rund 65 Prozent der befragten Unternehmen befinden Bewerber für ungeeignet qualifiziert. Dies sei die Ursache dafür, dass offene Stellen nicht besetzt werden können. 57 Prozent sehen den ländlichen Raum als negativen Faktor für die Fachkräftesituation.

Bildungseinrichtungen und Schulkooperationen ausbauen

Landrat Stefan Rößle will Bildungseinrichtungen auszubauen. Vor allem müssten die Kooperationen mit Hochschulen und Fachschulen verbessert werden. Es müsse verhindert werden, dass Absolventen mangels Fachschul- und Studienangeboten die Region verlassen. Rößle regte an, die im Landkreis Donau-Ries bestehende Hochschulinitiative auf dem Gebiet der Mechatronik auszuweiten. In enger Abstimmung mit dem Landkreis Dillingen und dem Bildungszentrum Lauingen bietet sich das Gebiet der Umwelttechnik an.

Der Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Dillingen ist Dr. Harald Westheide, Geschäftsführer der Fa. Gartner Extrusion. Er beklagte ebenfalls das fehlende Hochschulangebot in Nordschwaben. Insbesondere müssten die Bemühungen beim Ausbau dualer Studiengänge in Nordschwaben verbessert werden. Fortbildungsstrukturen sowie Kursangebote müssten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst werden.

Handwerksberufe in den Fokus der Schulen rücken

Kreishandwerksmeister Karl Kratochvil findet, dass Handwerksberufe stärker in den Fokus der Schulen gerückt werden müssten. Möglichst frühzeitig müsse in den Schulen über die Möglichkeiten der dualen Ausbildung im Handwerk informiert werden. Dabei dürfen die Zielgruppe Eltern nicht vergessen werden. Das Handwerk bietet eine Vielzahl an Berufen mit qualifizierten Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Es müsse künftig neben den Hauptschülern auch den Realschülern und Gymnasiasten als interessante Perspektive vermittelt werden. Vor allem müsse dabei auf die Durchlässigkeit des Bildungssystems verwiesen werden.

Die frühzeitige Qualifizierung von Schülern sei eine entscheidende Grundlage für eine erfolgreiche und qualifizierte Berufsausbildung. Das findet die Leiterin der Agentur für Arbeit, Claudia Wolfinger. So müssten die Schulen die Berufsorientierung forcieren. Dabei könnte der Ausbau der Ganztagesbetreuung hilfreich sein.
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