
Wirtschaftsauskünfte
Die Bürgel Studie 2010 eröffnet: Im Vergleich zum Vorjahr steigt die Zahl der Firmeninsolvenzen um 4,5 Prozent – die Prognose für das Gesamtjahr fällt jedoch moderat aus.
Im ersten Halbjahr 2010 wurden 17.178 Unternehmen zahlungsunfähig. Damit steigen die Insolvenzfallzahlen um 4,48 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Da lag die Zahl bei 16.441 Unternehmen. Dennoch fällt die Pleitestatistik für das laufende Jahr moderater aus als befürchtet: Die Hamburger Wirtschaftsinformationen Bürgel gehen in ihrer aktuellen Studie für 2010 von einem leichten Anstieg von drei bis vier Prozent aus. Sie prognostiziert bis zu 35.000 Fälle. „Dennoch müssen immer noch mehr Unternehmen ein Insolvenzverfahren eröffnen als zum Zeitpunkt der Finanzkrise. Noch ist kein wirtschaftliches Gleichgewicht erreicht“, betont Bürgel-Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin.
Gewerbebetriebe sind die Hauptgeschädigten
Am stärksten berühren die Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr 6.977 Gewerbebetriebe. Das entspricht einem Anteil von 41 Prozent an allen im Untersuchungszeitraum gemeldeten Firmeninsolvenzen. 35 Prozent aller Pleiten gehen unterdessen auf das Konto der Rechtsform GmbH. Hier wurden im Untersuchungszeitraum 5.982 Unternehmen zahlungsunfähig. Hinsichtlich des Firmenalters mussten vor allem Unternehmen, die erst seit zwei Jahren am Markt agieren, beachtlich Federn lassen: Mit einem Anteil von 18 Prozent an der Insolvenzstatistik. Am glimpflichsten kamen indes die Firmen davon, die bereits mehr als 50 Jahre existieren.
Die Erkenntnisse der Bürgel
Studie Spitzenreiter bei den Firmeninsolvenzen auf Länderebene ist im ersten Halbjahr bei den absoluten Zahlen Nordrhein-Westfalen (3.305 Fälle). Auf den folgenden Plätzen rangieren Bayern mit 2.258 Pleiten, Baden-Württemberg (1.863) und Niedersachsen (1.781). Wirtschaftsauskunft Bürgel bringt die Statistik in Beziehung zur Firmendichte in den jeweiligen Ländern. Dabei zeigten sich in Hamburg mit 29 Fällen pro 10.000 Firmen am wenigsten Firmeninsolvenzen. Auch in Bayern (38), Baden-Württemberg, dem Saarland und Thüringen (je 40 Fälle) sind die Fallzahlen vergleichsweise niedrig. Diese Länder liegen unterhalb des Bundesdurchschnitts mit 46 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen. Den schlechtesten Wert verzeichnet – weit abgeschlagen – Bremen mit 80 Insolvenzen/10.000 Firmen. Aber auch in Sachsen-Anhalt (67 Fälle je 10.000 Unternehmen), Schleswig-Holstein (62) und in Berlin (59) zeigen sich erhöhte Werte. Den stärksten Anstieg bei den Insolvenzzahlen um 25,3 Prozent auf 1.316 Fälle meldet im ersten Halbjahr 2010 Hessen. Aber auch in Bayern (plus 22,66 Prozent; 1. Halbjahr 2010: 2.258) und Niedersachsen (plus 21,65 Prozent; 1. Halbjahr 2010: 1.781) ereignen sich zunehmend viele Pleiten. Unterdessen ist die Insolvenzstatistik im Saarland mit minus 29,79 Prozent rückläufig – ebenso in Nordrhein-Westfalen (minus 22,36 Prozent), Thüringen (minus 17,99 Prozent) und Hamburg (minus 8,20 Prozent).
Die Hauptursachen der Firmenpleiten
Auch wenn die Fallzahlen geringer als erwartet und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen günstig ausfallen ist die Entwicklung im ersten Halbjahr für die deutsche Wirtschaft nicht zu unterschätzen: Die vier Hauptursachen der Firmenpleiten sind das Ausbleiben neuer bzw. die Stornierung oder die Verschiebung bereits erteilter Aufträge. Zudem sorgen Dominoeffekte dafür, dass zahlungsunfähige Firmen weitere Unternehmen mit in die Insolvenz reißen. Außerdem ist die restriktive Kreditvergabe der Banken mitverantwortlich am Pleitetrend auf weiterhin hohem Niveau. Und viele Unternehmen haben auch innerbetriebliche Fehler begangen: bei der Führung, durch fehlende Kontrollen und die mangelnde strukturelle Anpassung sowie veraltete Technologien.
Die ganze Übersicht der Studie:
http://www.buergel.de/presse/studien-analysen/460-firmeninsolvenzen-1-halbjahr-2010.html zurück drucken versenden verlinkenArtikel verlinken
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