Augsburg | 19.05.2010
Was seit Langem abzusehen war, ist nun eingetroffen: Die Wanderer Werke, Hauptaktionär von Böwe Systec, sind insolvent. Bei der ehemaligen Tochter Böwe Systec in Augsburg macht man sich Sorgen.
Als Ende 2009 die Unvermeidbarkeit einer Insolvenz der Wanderer Werke immer deutlicher wurde, übernahm eine Treuhandgesellschaft deren Anteil an Böwe Systec. Einer der Beweggründe dafür war, den Augsburger Hersteller von Kuvertiermaschinen Böwe Systec vor der drohenden Insolvenz der Mutter abzuschirmen.
Wanderer: Insolvenz nach 125 Jahren
Claus Gerckens, ehemaliger Vorstandschef sowohl der Wanderer Werke als auch von Böwe Systec, wird vielfach als Verantwortlicher der Situation beider Unternehmen genannt. Über 20 Jahre lang prägte Gerckens den Charakter beider Unternehmen entscheidend – am Ende zum Negativen. Er habe sich an der Übernahme des einstigen Böwe Systec Konkurrenten Bell&Howell übernommen, heißt es, und somit den Niedergang der Wanderer Werke nach einer 125-jährigen Firmengeschichte eingeläutet.
Auch habe unter Gerckes Führung Böwe Systec den Wanderer Werken mehrfach Darlehen gewährt, ohne dafür ausreichende Sicherheiten vom Mutterkonzern zu haben. Allein 2008 seien das Gelder in Höhe von 15 Millionen Euro gewesen.
Gerckens: patriarchaler Führugnsstil
Oliver Bialowons, seit 2009 Vorstandschef bei Böwe Systec, hat einen harten Sparkurs verordnet. Selbst aus dem Vorstand der Wanderer Werke kommend, soll er Böwe Systec aus der Finanzkrise hinausführen. Im Gegensatz zu seinem umstrittenen Vorgänger, der, so Bialowons, einen eher patriarchalischen Führungsstil pflegte, setzt der neue Vorstandsvorsitzende auf Transparenz und Kommunikation. Ein massiver Sparkurs ist außerdem nach wie vor das Programm: es herrscht immer noch Kurzarbeit bei Böwe. Es wurden auch Stellen abgebaut.
Kunden sind zaghaft
All das liegt auch daran, dass die potentiellen Käufer von Kuvertier- und Sortiermaschinen immer noch sehr vorsichtig und zaghaft handeln. Die Leidtragenden sind die Mitarbeiter. Durch die finanzielle Isolation von der Mutter, die Ende letzten Jahres stattfand, bedeutet die Insolvenz der Wanderer Werke für Böwe Systec zwar offiziell keine Gefahr. Man macht sich dennoch Sorgen. IG-Metall-Chef Jürgen Kerner rät der Augsburger Allgemeinen zufolge zu „absoluter Wachsamkeit".
Lebhafter Wechsel im Management
Nachdem Oliver Bialowons Ende 2009 die Führung bei Böwe Systec übernahm, hat das Management des Unternehmens einige Wechsel durchlebt: So wurde Finanzvorstand Harald Nippel Anfang Februar durch Klaus Wendlandt ersetzt. Peter Goebel, der Anfang 2009 als Vorstand für Service, Vertrieb und Entwicklung von Japan nach Augsburg kam, trat bereits im November zurück. Seit dem ersten März hat Heiner Kudrus den Posten inne. Bereits Anfang 2009 hatten Claus Gerckens selbst, sein Stellvertreter Michael Mayer und der Aufsichtsratschef Johannes Beelen ihre Posten überraschend geräumt.
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