Augsburg | 28.07.2009
Das schwäbische Handwerk profitiert vor allem im Bau- und Ausbaubereich von einer kräftigen saisonalen Belebung und zeigt sich trotz anhaltender Wirtschaftskrise weitgehend robust. Quer über alle Branchen beurteilen rund drei Viertel der befragten Unternehmen ihre eigene wirtschaftliche Lage als zufriedenstellend. Nicht ganz so positiv ist die Lage im Metall- und Zuliefererbereich, der weiterhin mit schwachen Umsätzen zu kämpfen hat.
Handwerk als stabiler Anker der Konjunktur
Die Stimmung unter den schwäbischen Handwerksunternehmen hat sich im zweiten Quartal deutlich verbessert. Gegenüber dem ersten Quartal sind die Zufriedenheitswerte um satte 15 Prozentpunkte gestiegen. 77 % der Unternehmen bewerten das abgelaufene zweite Quartal als gut oder befriedigend, nur 23 % als schlecht. Allerdings wird das Niveau des Vorjahres (81 % positive Stimmen) nicht ganz erreicht. „Damit das Handwerk weiter als stabilisierender Faktor in der gegenwärtige Krise wirken kann, braucht es politischen Flankenschutz“, fordert Ulrich Wagner, der Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben. „Konkret fordern wir eine Reform der Einkommenssteuer, die die handwerklichen Leistungsträger entlastet, die Einführung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für arbeitsintensive Dienstleistungen und den Ausbau des Steuerbonus auf Handwerksarbeiten“, so Wagner.
Insbesondere in den Bau- und Ausbauhandwerken, die zusammen knapp die Hälfte aller Betriebe im Handwerk stellen, laufen die Geschäfte gut. Speziell die Ausbaufirmen spüren die gestiegene Bereitschaft von Privatkunden, in energetische Gebäudesanierungen zu investieren. Die gewerblichen Metall- und Zulieferer sind weiter von der Krise der Exportwirtschaft und im Maschinenbau betroffen. Die Lage hat sich gegenüber Vorquartal jedoch etwas verbessert. So liegt der Anteil an Betrieben mit zufriedenstellender Geschäftslage im zweiten Quartal bei 69 %, im Vorquartal waren es nur 61 %. Die konsumnahen Handwerkszweige (Nahrungsmittel, persönliche Dienstleistungen) melden ebenfalls weitgehend positive Zahlen.
Auftragssituation verbessert
Das zweite Quartal hat den schwäbischen Handwerksbetrieben wieder bessere Umsätze beschert. Rund ein Viertel aller befragten Betriebe verzeichnete ein Umsatzplus. Das sind viermal so viele Unternehmen wie noch vor drei Monaten (7 %). Besonders im Bauhauptgewerbe lief es gut, knapp jeder zweite Betrieb verzeichnete Zuwächse. Quer über alle Branchen hat sich der Anteil der Firmen mit rückläufigen Umsätzen auf knapp 30 % halbiert. Bei den gewerblichen Zulieferern verlief die Entwicklung weniger positiv. 40 % mussten ein Minus verkraften. Bei den Auftragseingängen ist die Bilanz ebenfalls erfreulich.
In jedem vierten Unternehmen gibt es ein Plus an Neuaufträgen. Im Vorquartal waren es nur halb so viele (12 %). Die Auftragspolster der Unternehmen sind daher gut gefüllt. Der durchschnittliche Auftragsbestand ist auf 5,4 Wochen gestiegen, das ist gut eine halbe Woche mehr als im Vorquartal (4,8 Wochen). Der Wert des Vorjahres (5,7 Wochen) wird damit nur knapp verfehlt.
Aufschwung am Arbeitsmarkt bleibt aus
Der handwerkliche Arbeitsmarkt bleibt von der Wirtschaftskrise nicht unberührt. Entlassungen im größeren Stil gibt es erfreulicherweise nicht. Die Zahl der Beschäftigten ist im zweiten Quartal dennoch leicht rückläufig, das Minus beträgt 0,3 %. Gleichwohl gibt es erfolgreiche Firmen, die zusätzliche Stellen geschaffen haben. 11 % der Betriebe haben Mitarbeiter eingestellt, in 9 % der Unternehmen ist der Personalstand dagegen gesunken.
Investitionsbereitschaft gering
Nach wie vor schwach ist die Investitionsneigung der handwerklichen Unternehmen. Der Anteil investierender Firmen verharrt bei niedrigen 23 %. Erweiterungsinvestitionen werden nur in Einzelfällen getätigt, Ersatzinvestitionen werden häufig zeitlich gestreckt. Die schwierige Versorgung mit Krediten erweist sich wegen der bestehenden Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung als Hemmnis für Investitionen. Dazu Ulrich Wagner: „Unternehmen, die wegen fehlender Aufträge in Schieflage geraten sind, müssen mittlerweile hohe Sicherheiten bieten um Kredite zu bekommen. Wir appellieren an die Banken, bei der Kreditvergabe sachgerecht zu entscheiden und keine überzogenen Hürden aufzubauen“.
Verhaltene Zukunftserwartungen
Die befragten Handwerksunternehmen bleiben zuversichtlich gestimmt. Drei Viertel der Betriebe erwarten für die kommenden Monate eine zufriedenstellende Geschäftsentwicklung. Dass sich die positive Umsatz- und Auftragsentwicklung im zweiten Quartal so fortsetzt, glauben dagegen nur wenige. Lediglich 13 % rechnen mit einer Umsatzsteigerung, doppelt so viele erwarten rückläufige Zahlen. Ähnlich skeptisch wird die Auftragslage gesehen. Nur eine Minderheit von 8 % erwartet ein Plus an Aufträgen. Trotz durchaus skeptischer Einschätzungen wollen die meisten Betriebe (84 %) ihr Personal halten. Immerhin 6 % der Betriebe planen Neueinstellungen.
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