Augsburg | 11.08.2009
Bayerns Mittelstand setzt auf Schwarz-Gelb Aktuelle Umfrage des BVMW Bayern zur Bundestagswahl misst verhalten positive Wirtschaftsaussichten und beschreibt klare Forderungen an die Politik
München –Für den Mittelstand in Bayern kommt derzeit nur eine Regierungskoalition in Frage: Schwarz- Gelb. Rund 69 Prozent der über 400 Unternehmen, die in den vergangenen Tagen an der Bundestags- Umfrage des BVMW teilnahmen, erwarten von einer Koalition aus CSD/CSU und FDP die mittelstandsfreundlichste Politik. Weit abgeschlagen mit Werten von unter 10 Prozent befinden sich hingegen alle anderen denkbaren Regierungskonstellationen. Mit einer Zustimmung von über 71 Prozent
punktet die schwarz-gelbe Regierungsvariante im Norden Bayerns dabei noch deutlicher als in den südlichen Regierungsbezirken.
Entsprechend seiner bundesweiten Popularität erhält Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auch aus Bayern sehr gute Noten für seine Arbeit: 80 Prozent der Umfrageteilnehmer vergaben die Note 1 oder 2. Wesentlich weniger Ansehen genießt hingegen die zweite CSU-Ministerin im derzeitigen Bundeskabinett: Knapp die Hälfte der Unternehmer bewerten die Arbeit von Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gerade einmal mit der Note 3 („befriedigend“).
Mittelstand erwartet Wirtschaftsaufschwung ohne Konjunkturprogramme
Die weitere wirtschaftliche Entwicklung schätzen Bayerns Mittelständler zurzeit verhalten positiv ein. So liegt die Bewertung des momentanen Wirtschaftsklimas bei einem Notenwert von 2,9, der sich in der Prognose für die kommenden 12 Monate zumindest geringfügig auf 2,7 verbessert. Überraschender Weise sind es dabei nicht die Konjunkturprogramme der Bundesregierung, die von den Unternehmern als aussichtsreiche Instrumente für eine Verbesserung des Geschäftsklimas angesehen werden. Gerade einmal 8 Prozent der Unternehmer geben an, von diesen Programmen bisher direkt profitiert zu haben und nur 13 Prozent rechnen sich daraus zukünftige Vorteile aus. Für mittelständische Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern fallen die Werte sogar noch schlechter aus. Hauptinstrument zur Stärkung des Eigenkapitals liegt für 81 Prozent der Befragten statt dessen im Erwirtschaften von eigenen Gewinnen,
gefolgt von Beteiligungen durch Gesellschaftereinlagen (49 Prozent der Antworten). Diese Einschätzung ist weitgehend branchenunabhängig. Ganz klare Vorstellungen hat der bayerische Mittelstand von den derzeit notwendigen steuerpolitischen Maßnahmen: Steuerfreistellungen für re-investierte Gewinne und der Verzicht auf eine Besteuerung gewinnunabhängiger Elemente bei der Gewerbesteuer stehen an der Spitze der Forderungen. Dabei lassen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen beobachten. Unternehmen aller Branchen mit Ausnahme des Einzelhandels halten „Steuerfreistellung für re-investierte Gewinne“ für sehr wichtig bis wichtig (Note 1,7). Baugewerbe und Einzelhandel beurteilen hingegen die Heraufsetzung der Zinsschranke auf 3 Mio. Euro weniger wichtig als die restlichen Branchen.
Auch zu den kommenden haushaltspolitischen Prioriäten der bayerischen Landesregierung haben die Befragten eine klare Meinung: Konjunkturstimulierung durch Steuersenkungen betrachten fast 50 Prozent der Unternehmer als die wichtigste Aufgabe für Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und seinem Kabinett, gefolgt von der Forderung nach Schuldenabbau durch Haushaltskürzungen (36 Prozent der Antworten).
Kreditsituation im Freistaat derzeit nicht beunruhigend
Leichte Entwarnung gibt die BVMW-Umfrage zum stark strapazierten Thema Kreditklemme: Die meisten Kreditinstitute haben ihre Kreditkonditionen für die befragten Unternehmen nicht geändert (58% der Antworten). Nur 31 Prozent der Unternehmer geben an, dass sie mit schlechteren Konditionen rechnen müssen; 12 Prozent bekommen trotz der Krise sogar bessere Konditionen. Dabei besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Veränderung von Kreditkonditionen und der Veränderung der Liquidität im Vergleich zum Vorjahr. Unternehmen mit einer besseren Liquiditätssituation empfinden ihre Kreditkonditionen als besser, Unternehmen mit einer schlechteren Situation bekommen von ihren Banken auch schlechtere Kreditkonditionen.
Die Wahlumfrage des BVMW Bayern sah auch die freie Nennung von Themen vor, die vom Mittelstand derzeit als bedeutsam beurteilt werden. Die Top-3-Themen, die Unternehmer derzeit am meisten beschäftigen, lauten:
Nach Ansicht von Volker Knittel, Landesbeauftragter des BVMW Bayern, lassen sich aus den Ergebnissen klare Handlungsanweisungen für die Politik ableiten: „Es gilt, für die mittelständischen Unternehmen die substanzverzehrenden Abgaben abzuschaffen und dadurch mehr finanziellen Spielraum zu ermöglichen. Denn nur Unternehmensgewinne schaffen und erhalten Arbeitsplätze.“ Für die Bundestagswahl-Umfrage des BVMW Bayern wurden über 6.000 Unternehmen im gesamten Freistaat im Zeitraum vom 29. Juli bis zum 5. August um ihre Online-Teilnahme gebeten. Rund 88 Prozent der Umfrageteilnehmer kommen aus den Regierungsbezirken Mittelfranken, Oberbayern und Schwaben. Die statistische Auswertung erfolgte mit freundlicher Unterstützung des Münchener Unternehmens STATUP.
Über den BVMW:
Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) vertritt zusammen mit den 40 angeschlossenen Fachund Branchenverbänden 150.000 Mitgliedsbetriebe, die 4,3 Millionen Arbeitnehmer beschäftigen. Damit ist der BVMW die größte freiwillig organisierte Kraft des deutschen Mittelstandes. Zu seinen Aufgaben gehört die politische Interessenvertretung des Mittelstands. In Bayern ist der BVMW mit 12 Kreisgeschäftsstellen in den Regionen präsent.
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