Augsburg | 28.06.2009
Die aktuelle Tourismusumfrage der IHK Schwaben bei 219 Unternehmen der Tourismus- und Freizeitbranche zeigt: Der allgemeine Abschwung ist leider auch in Schwaben angekommen.
Selbst wenn der Abschwung in der Tourismusbranche mit etwas Verzögerung im Vergleich zu anderen Branchen eingetroffen ist, blickt der Großteil der Betriebe eher skeptisch in die nun angelaufene Sommersaison, informiert die IHK Schwaben zusammen mit dem Tourismusverband Allgäu/Schwaben und dem Schwäbischem Bezirk des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes.
Die konjunkturelle Negativentwicklung macht auch vor der Tourismuswirtschaft in diesem Frühjahr keinen Halt, wie die aktuellen Ergebnisse der Konjunkturumfrage bei den schwäbischen Tourismus- und Freizeitunternehmen zeigen. Der Urlaub, der Freizeitausflug oder auch das Essengehen stehen nach wir vor hoch im Kurs bei den Konsumenten, allerdings hat sich das Ausgabeverhalten verändert und somit sind die finanziellen Einbußen in der Tourismusbranche doch unmittelbar spürbar, bedauert Robert Frank, Regional-Vizepräsident der IHK Schwaben die momentane Entwicklung. Während im Frühjahr des Jahres 2008 noch 42% der Betriebe die Geschäftslage als gut eingeschätzt haben, hat sich dieser Anteil in diesem Frühsommer halbiert. Aktuell berichten 40% von einer negativen Entwicklung. Analog dazu stagnieren auch die Umsätze: Die Mehrzahl der Betriebe (60%) hatte in diesem Frühjahr gesunkene Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu beklagen. Die Umsätze in der Gastronomie und der Reisebranche waren noch etwas stärker rückläufig als in den Beherbergungsbetrieben.
Städte vom nachlassendem Geschäftsreiseverkehr betroffen
Die Hauptursache für diesen Umsatzeinbruch, so Alfons Zeller, Vorsitzender des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch Schwaben sind die stark zurückgegangenen Ausgaben der Konsumenten. Bedingt durch den konjunkturellen Abschwung in anderen Wirtschaftszweigen, erläutert Zeller, ließ spürbar der Geschäftsreisetourismus nach, was v.a. die Städte in Schwaben zu spüren bekommen, sowie die Anbieter im Seminar- und Tagungswesen. In den Beherbergungsbetrieben, hier v.a. im Allgäu, kam die Krise mit einer gewissen Verzögerung an. Bedingt durch sehr gute Schneeverhältnisse in den Allgäuer Alpen und den bereits getätigten Buchungen der Vormonate ging die tatsächliche Auslastung der Gästebetten zumindest in den Wintermonaten noch nicht so deutlich zurück. Dennoch berichten schon einige Betriebe von einem Rückgang bei der Zimmerauslastung.
Tourismusbranche hofft auf Lichtblicke
am trüben Konjunkturhimmel
Vor dem Hintergrund der schleppenden Tourismuskonjunktur sind die Aussichten für die nähere Zukunft eher trüb. Eine schnelle Besserung der Geschäftslage halten nur wenige Unternehmer für realistisch: Die Hälfte der Betriebe befürchtet eine abermalige Verschlechterung der Geschäftslage. Immerhin sind 40% verhalten optimistisch und erwarten, dass die Sommersaison zumindest keinen weiteren Einbruch mit sich bringen wird. Dennoch hoffen die Tourismusbetriebe, dass der Sommer einige Lichtblicke durch gutes Wetter mit sich bringen wird und dadurch zumindest kurzfristige Buchungen in heimischen Gefilden eine gewisse Verbesserung der Geschäftslage mit sich bringen wird. Ebenso gilt dies für die Gastronomen mit Biergartenbetrieb, sowie die Campingplatzbetreiber.
Positive Aussichten für Konsumenten: Preise bleiben stabil
Freuen können sich die Konsumenten: Für über 70% der Betriebe sind Preissteigerungen in der kommen Saison nicht vorgesehen, berichtet Johann Britsch, Vorsitzender des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Bezirk Schwaben. Weitere 20% aller Betriebe werden die Verzehr- und Übernachtungspreise nach unten korrigieren, um für neue Kunden verstärkt attraktiv zu sein und im harten Wettbewerb bestehen zu können.
Erfreulicherweise werden sich die geschäftlichen Entwicklungen nicht unmittelbar negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken. Die personelle Ausstattung der Tourismusbetriebe ist zumeist auf den Normalbetrieb optimiert und in Spitzenzeiten um Aushilfen ergänzt. Ein Beschäftigungsabbau bei den Vollzeitkräften könnte aber die Service-Qualität in den Betrieben unmittelbar negativ beeinflussen. Wenn es in der kommenden Saison zu einem Abbau an Beschäftigung kommt, dann in findet dieser in größeren Betrieben des Gastgewerbes statt, welche mit Ihrem Umsatz die Millionengrenze überschreiten. Laut IHK-Umfrage werden jedoch nahezu 60% aller Betriebe keine Arbeitsplätze abbauen.
Mehrwertsteuerreduzierung kann Investitionsbremse lockern
Ebenfalls interessant für Zulieferer und Lieferanten dürfte sein, dass das Investitionsverhalten der Tourismusbetriebe sich nicht schlagartig verändern wird. Denn fast ein Drittel aller Betriebe plant momentan noch keine Kürzungen bei den geplanten Investitionen, da dringende Maßnahmen zur Rationalisierung und Modernisierung durchgeführt werden müssen. Doch zahlreiche Unternehmen blicken weiter nach vorne: da aufgrund der momentan kritischen Lage kaum Rücklagen gebildet werden können, werden, werden Investitionsvorhaben, die aktuell nicht mehr umgesetzt werden können, wohl auf die lange Bank geschoben, erläutert Robert Frank die Sachlage. Die beiden Verbände und die Kammer sind sich einig, dass die Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent darum eines der wichtigsten Instrumente für die Beseitigung der Wettbewerbsverzerrungen gegenüber unseren Nachbarländern ist. So würde sowohl der Konsument durch bezahlbare Preise profitieren, als auch der Unternehmer, der dann mehr Rücklagen bilden könnte.
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