Augsburg | 21.10.2009
Die Stimmung im schwäbischen Handwerk ist weiter optimistisch. Im Branchendurchschnitt beurteilen 82 % aller befragten Betriebe die eigene Lage als gut oder befriedigend, im Vorquartal waren es 77 %.
Getragen wird diese positive Entwicklung durch die sehr gute Auftragslage im Bauhauptgewerbe und in den Ausbauhandwerken. Dagegen laufen die Geschäfte bei den Metall- und Zuliefererbetrieben und – nach dem Auslaufen der Abwrackprämie - im Kfz-Handwerk weniger gut. Die Daten der Konjunkturumfrage zeigen, dass die wirtschaftliche Dynamik nachlässt. Die Prognosen für die kommenden Monate sind entsprechend vorsichtig.
Positive Stimmung hält an
Die Einschätzung der Geschäftslage hat sich vom zweiten zum dritten Quartal nochmals gebessert. Vier von fünf Handwerksunternehmen bewerten ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend, nur 18 % als schlecht. Gegenüber dem zweiten Quartal sind die Zufriedenheitswerte nochmals um 5 Prozentpunkte gestiegen. Der Wert des Vorjahres (79 %) wird ebenfalls leicht übertroffen. Ausgesprochen gut laufen die Geschäfte im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe. In beiden Branchen sind rund 50 % aller schwäbischen Handwerksbetriebe tätig. Über 90 % dieser Unternehmen sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden. In den konsumorientierten Handwerken (Nahrungsmittelhandwerk, Dienstleister wie Friseure u.a.) ist die Stimmung ebenfalls gut, wenn auch nicht ganz so positiv wie im Bau- und Ausbauhandwerk.
Kfz-Gewerbe und Zulieferer spüren Krise
Sorgenkinder in den handwerklichen Branchen sind die Kfz-Handwerke sowie die Metall- und Zuliefererbetriebe. Das Kfz-Gewerbe (67 % mit guter oder befriedigender Geschäftslage) spürt ganz deutlich das Auslaufen der Abwrackprämie. Knapp 60 % mussten im abgelaufenen dritten Quartal ein Umsatzminus verkraften. Die Lage bei den handwerklichen Metall- und Zuliefererbetrieben ist weiter angespannt, hat sich aber gegenüber dem zweiten Quartal 2009 wenigstens nicht weiter verschlechtert (68 % mit guter oder befriedigender Geschäftslage).
Stellenplus im Handwerk
Der handwerkliche Arbeitsmarkt zeigt sich positiv. Während im ersten und zweiten Quartal 2009 die Zahl der Beschäftigten zurückgegangen ist, gibt es im dritten Quartal ein Stellenplus von rund 1000 neuen Stellen. 12 % der Firmen haben zusätzlich eingestellt. Trotz des generell erfreulichen Abschneidens geht die Krise nicht spurlos am Handwerk vorüber. So sind die Auftragsbücher nicht mehr ganz so voll. Die Aufträge reichen im Schnitt für 5,2 Wochen. Das sind 0,2 Wochen weniger als noch im Vorquartal. Zudem hat die Umsatzentwicklung an Dynamik eingebüßt. 22 % der Firmen melden im dritten Quartal ein Umsatzplus – im Vorquartal waren es noch 28 %. Im Branchenvergleich behauptet sich das Bauhauptgewerbe bei der Umsatzentwicklung besonders gut, jedoch ebenfalls mit nachlassender Dynamik. Unverändert niedrig ist die Investitionsquote. Lediglich jedes vierte Unternehmen hat investiert.
HWK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner fordert: „Die neue Regierung muss jetzt mutig die politischen Weichen pro Handwerk und Mittelstand stellen. Dies geht nur über eine leistungsfördernde Steuerreform, die die Unternehmer und Arbeitnehmer entlastet. Damit werden der private Konsum und gewerbliche Investitionen angeregt.“
Prognosen für die kommenden Monate vorsichtig
Von ihrer Grundhaltung her sind die schwäbischen Handwerks-unternehmen weiterhin optimistisch gestimmt. In puncto Auftrags- und Umsatzentwicklung äußern sich die Unternehmen hingegen vorsichtig und prognostizieren eine Abschwächung. 15 % der Unternehmen rechnen mit steigenden Umsätzen, fast doppelt so viele gehen von Rückgängen aus. Gleiches gilt für die Auftragsentwicklung.
Hauptgeschäftsführer Wagner: „Vorraussetzung für eine positive Wirtschaftsentwicklung unserer handwerklichen Unternehmen ist die Sicherstellung ihrer Liquidität. Eine generelle Kreditklemme gibt es zwar nicht, aber die Bedingungen für die Kreditvergabe müssen ebenso verbessert werden wie die Abschreibungsmöglichkeiten.“ Konkret fordert Wagner eine Anhebung der Abschreibungsgrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter. Hoffnungsvoll stimmt Wagner, dass trotz verhaltener Einschätzung die meisten Firmen (84%) ihr Personal halten wollen. Auch wenn 12 % der Firmen befürchten, sich von Mitarbeitern trennen zu müssen.
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