
Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK
Die erste Quartalsumfrage im schwäbischen Handwerk zeigt: Die Stimmung ist noch verhalten, doch man blickt den kommenden Monaten zuversichtlich entgegen.
Im ersten Quartal war die Stimmung aufgrund der geringen wirtschaftlichen Dynamik gedämpft: 71 Prozent der handwerklichen Betriebe, drei Prozent weniger als noch vor drei Monaten, beurteilen ihre geschäftliche Situation als gut oder befriedigend. Im Gegensatz zum Vorjahr (62 Prozent) ist dies aber eine deutliche Steigerung.
Auftragsbestände: größere Reichweite
Im Schnitt gibt es Aufträge für 6,2 Wochen - das sind rund eineinhalb Wochen mehr als im Jahr zuvor. Bei den Auftragseingängen ist ebenfalls ein Aufwärtstrend zu erkennen: 22 Prozent der befragten Unternehmen meldeten ein Plus. Damit fällt die Bilanz positiver aus als noch vor drei Monaten (16 Prozent mit Zuwächsen). Jeder dritte Betrieb aus dem Bauhauptgewerbe berichtete über Zuwächse. Zufriedenstellend ist die Auftragslage auch im Ausbaugewerbe und zunehmend bei den Handwerksbetrieben, die für die Industrie zuliefern.
Klimaschutz als treibende Kraft
Die Bau- und Ausbauhandwerke, knapp die Hälfte aller Betriebe im Handwerk, profitieren zum einen von den öffentlichen Investitionen des zweiten Konjunkturpakets. Zum anderen erhalten sie zahlreiche Aufträge aus dem privaten Sektor, da Verbraucher momentan verstärkt in Sachwerte investieren und ihr Haus oder ihre Wohnung sanieren und modernisieren. „Der Klimaschutz ist wichtiger Konjunkturmotor für die Bau- und Ausbauhandwerke“, freut sich Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben.
Privater Konsum muss gestärkt werden
Konsumnahe Handwerke, wie die Nahrungsmittelhandwerke, Friseure, Uhrmacher oder etwa die Gesundheitshandwerke blicken dagegen skeptischer in die Zukunft. Ulrich Wagner fordert: „Der private Konsum muss auf breiter Front gestärkt werden, dass er mit zur tragenden Säule des Aufschwungs werden kann.“ Eine Kaufkraftstärkung würde die Situation der konsumorientierten Gewerke und der Kfz-Handwerke verbessern, die wie der Einzelhandel die Konsumzurückhaltung des privaten Sektors spüren.
Zuversichtlicher Blick in die Zukunft
Im schwäbischen Handwerk herrscht ein breiter Zukunftsoptimismus. Während im vergangenen Quartal lediglich zwei Drittel aller befragten Betriebe eine zufriedenstellende Geschäftsentwicklung erwarteten, sind es jetzt 83 %. Für die kommenden Monate rechnen die handwerklichen Unternehmen mit einem positiven Konjunkturverlauf. Jeweils rund ein Viertel der Handwerkbetriebe rechnet mit steigenden Umsätzen und einem Auftragsplus. Nachdem 15 % der Betriebe Personal abbauen mussten, plant jetzt jedes elfte Unternehmen, neue Stellen zu schaffen.
Finanzbedarf der Firmen wird steigen
Bislang haben die Betriebe nur in überschaubarem Umfang Investitionen getätigt. Größere Investitionen sind eher selten, Kleininvestitionen dominieren. Doch mit dem zunehmenden Auftragsvolumen steigt auch der Finanzbedarf der Firmen. Ulrich Wagner: „Wir müssen aufpassen, dass es nicht zu Finanzierungsengpässen kommt. Eine wesentliche Voraussetzung für den Aufschwung ist, dass geplante und erforderliche betriebliche Investitionen realisiert werden können. Unsere Handwerksbetriebe brauchen daher ausreichend Kredite, und zwar zu bezahlbaren und fairen Konditionen. Ungeklärte Finanzierungsprobleme und eine restriktive Kreditvergabe dürfen nicht zur Wachstumsbremse werden.“
Genauere Informationen zur Konjunktur im ersten Quartal 2010 unter
www.hwk-schwaben.de.
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