Amazon FC Graben GmbH / Gewerkschaft ver.di

Graben: Warum Amazon-Pakete trotz Streik pünktlich sind

Augsburg | 22.06.2015

 Premiere: Amazon-Besucherprogramm startet in Graben. Foto: B4B SCHWABEN
Das Amazon Logistikzentrum in Graben. Foto: B4B SCHWABEN

Nicht nur die Post, sondern auch die Amazon-Mitarbeiter in Graben wurden von der Gewerkschaft verdi zum Streik aufgerufen. Amazon selbst gibt jedoch Entwarnung: Nach Angaben des Unternehmens streikt nur eine kleine Minderheit. Tatsächlich sähen viele Mitarbeiter ihren Arbeitgeber von der Gewerkschaft falsch dargestellt.

von Kathrin Lüders, Online Redaktion

Erneut erhebt die Gewerkschaft schwere Anschuldigungen gegen den Logistikriesen Amazon: „Gesundheitsgefährdender Leistungsdruck, wenig Respekt, vielfach schlechte Führung und Arbeitsplatzunsicherheit zeichnen leider immer noch die Arbeitsbedingungen bei Amazon aus. Tarifbindung durch faire Tarifverträge ist ein wesentlicher Schritt zur Verbesserung der Situation“, so die Erklärung von Thomas Gürlebeck, ver.di Streikleiter in Graben. Er spricht außerdem von einer "dauerkranken Belegschaft und einer handlungsunfähigen Geschäftsführung. 

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Amazon: Nur eine Minderheit der Mitarbeiter beteiligt sich am verdi-Streik

Stefan Rupp, Public Relations Manager Operations bei Amazon, bezog gegenüber der B4B SCHWABEN-Redaktion Stellung. Den Vorwürfen der Gewerkschaft kann er nicht zustimmen: "Wir bezahlen am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist. Wir haben an allen deutschen Logistik-Standorten Betriebsräte, mit denen wir eng kooperieren. Daneben haben wir mehrere Kanäle etabliert, über die wir mit unseren Mitarbeitern kommunizieren. Wir investieren fortwährend in die Entwicklung unser Mitarbeiter und schaffen Aufstiegs-Chancen".

Mitarbeiter initiieren "Pro-Amazon-Kampagne"

Dies sei auch der Grund, warum immer weniger Amazon-Mitarbeitern den Streik-Aufrufen der Gewerkschaft folgen würden. "Die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet normal. In der heutigen Frühschicht haben deutschlandweit weniger als 830 Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt. Es gibt gute Gründe, warum nur eine kleine Minderheit streikt, während mehr als 1.000 Mitarbeiter eine Pro-Amazon-Kampagne gestartet haben: Sie sind der Meinung, dass ihr Arbeitgeber von ver.di falsch dargestellt wird." Weil sich nur wenige Mitarbeiter an der Streikaktion beteiligen, könne Amazon sein Kundenversprechen halten und alle Pakete würden trotz Streik pünktlich die Logistikzentren verlassen.

Amazon: "Um ein fairer Arbeitgeber zu sein, braucht man keinen Tarifvertrag"

Die Gewerkschaft ver.di kämpft fortwährend um einen Tarifvertrag. Stefan Rupp von Amazon dazu: "Laut einer aktuellen Studie vom ifo-Institut und der Bertelsmann-Stiftung unterliegen nur 35 Prozent der Unternehmen in Deutschland einem Tarifvertrag. Sicher sind die anderen zwei Drittel keine schlechten Arbeitgeber – und das sind wir auch nicht! Wir beweisen jeden Tag, dass man ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber auch ohne Tarifvertrag sein kann. In unserer sehr offenen Unternehmenskultur kommunizieren wir ständig direkt mit unseren Mitarbeitern und Betriebsräten. Wir haben immer wieder gezeigt, dass dies am besten für unsere Mitarbeiter und für unsere Kunden ist."

Die Beschäftigten wurden von ver.di ab 5.45 Uhr in den Ausstand aufgerufen. Ab 14.30 Uhr wird die zweite Schicht in den Streik gerufen.

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