Augsburg | 03.11.2009
Aktuell wird die Frage einer möglichen Kreditklemme in der Bundesrepublik, die Risiken für die weitere konjunkturelle Entwicklung beinhaltet, sehr intensiv diskutiert.
Vor diesem Hintergrund hat die IHK Schwaben einmal mehr versucht, in einer Umfrage bei ihren Mitgliedsunternehmen mögliche Finanzierungsprobleme herauszufinden. Die Ergebnisse bestätigen, dass insgesamt von einer Kreditklemme derzeit nicht gesprochen werden kann, wenn auch Branchen und Unternehmensgrößen unterschiedlich betroffen sind und teilweise deutliche Nachteile spüren können.
Etwas mehr Unternehmen als im Frühjahr berichten von verschlechterten Kreditkonditionen, wie die Umfrage unter einer repräsentativen Auswahl von Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammer Schwaben ergibt. So berichten insgesamt 26 Prozent der befragten Unternehmen von verschlechterten Finanzierungsbedingungen. Dies sind zwei Prozentpunkte mehr als im Frühjahr. Kredite nicht verlängert oder abgelehnt wurden bei zwei Prozent, was sogar eine leichte Besserung zum Frühjahr darstellt. Dem stehen 11 Prozent gegenüber, welche von einer Verbesserung, und 63 Prozent, welche von gleich gebliebenen Finanzierungskonditionen berichten können. Der Saldo aus verbesserten bzw. verschlechterten Anteilen liegt derzeit bei minus 15. Dies stellt zwar eine Verschärfung gegenüber der vorherigen Umfrage dar, liegt jedoch über dem deutschlandweiten Ergebnis (- 20) als auch über dem Wert von 2004 (-22 Prozentpunkte).
Die schwäbischen Umfrageergebnisse bestätigen damit die allgemeine Auffassung, dass das Kreditangebot der Banken weitestgehend nicht durch bankseitige Restriktionen eingeschränkt ist, wie etwa durch eine verschlechterte Eigenkapitalausstattung der Banken. Allerdings ist diese Situation keineswegs als dauerhaft stabil einzustufen, zumal die Risiken durch einen weiteren Abschreibungsbedarf bei den Banken in nächster Zukunft als durchaus groß anzusehen sind.
Das Kreditangebot kann jedoch durchaus aufgrund nachfragebedingter Hindernisse eingeschränkt sein, wenn z.B. die Kreditwürdigkeit der Gläubiger sinkt.
Vor allem höhere RisikoaufschlägeBemerkbar machen sich die verschärften Finanzierungsbedingungen vor allem bei den Zinsen. Zwei Drittel der Unternehmen, die verschlechterte Kreditkonditionen haben, berichten in der Umfrage von solchen Problemen, das sind rund neun Prozentpunkte mehr als noch vor wenigen Monaten. Hier scheint sich wiederzuspiegeln, dass die Banken mit erhöhten Risikoaufschlägen bei der Kreditaufnahme reagieren, wenn die Bonität von Unternehmen geringer eingestuft wird. Gleichzeitig berichten die betroffenen Unternehmen auch von gestiegenen Anforderungen an Sicherheiten, wobei dieser Wert von 65 auf 59 Prozent der Unternehmen zurückgegangen ist. Beide Gründe für verschlechterte Kreditkonditionen – gestiegene Sicherheiten und höhere Zinsen – deuten jedenfalls daraufhin, dass die Auftragseinbrüche und infolgedessen die verschlechterten Ratings für die Unternehmen sich auf die Finanzierungsfrage durchschlagen.
Zukunftsfähigkeit des Unternehmens wichtig
Es ist durchaus zu erwarten, dass auf Grund noch vorzulegender Bilanzen sich die Finanzierungsrestriktionen noch verschärfen können. Dies ist insbesondere dann bedauerlich, wenn sich Unternehmen für Investitionen entscheiden möchten, um ihren Betrieb zukunftsfähig zu machen. Von Problemen bei ihrer Investitionsfinanzierung berichten immerhin über die Hälfte der Unternehmen, welche sich verschlechterten Konditionen gegenübersehen. Positive Zukunftsplanungen der Unternehmen als auch wieder steigende Auftragseingänge werden wohl momentan noch zu wenig bei Kreditverhandlungen berücksichtigt. Dies wäre aber gerade in der momentanen Lage wichtig, um einen Aufschwung nicht durch fehlende Finanzierungsmöglichkeiten zu bremsen.
Mehr Probleme bei ExportfinanzierungEin Hemmschuh für den Auftrieb können auch die Finanzierungsprobleme im Exportgeschäft werden. Immerhin vermeldet fast jeder fünfte schwäbische Industriebetrieb in der Umfrage, sich gerade im Exportgeschäft verschlechterten Kreditkonditionen ausgesetzt zu sehen. Dieser Wert ist nicht nur weit höher als der deutschlandweite Wert mit 11 Prozent, sondern betrifft die exportstarke schwäbische Industrie ganz besonders.
Schwierigkeiten bei Vorfinanzierung von Aufträgen
Kritisch könnte sich auch die Restriktion bei Betriebsmittelkrediten auswirken. Durch die teilweise erheblichen Umsatzeinbrüche der letzten Monate versuchen zahlreiche Unternehmen neue Aufträge durch Betriebsmittelkredite vorzufinanzieren. Aber gerade hier berichten 71 Prozent der befragten Unternehmen, welche schlechtere Konditionen aufweisen, von Problemen. Um hier Liquiditätsengpässe zu vermeiden, könnten die verbesserten Geschäftsperspektiven von Unternehmen durchaus ein positiver Aspekt der Kreditvergabe sein.
Ein weiteres Instrument zur Vorfinanzierung von Aufträgen sind Kreditversicherungen. Auch hier verzeichnen die Betriebe eine Verschlechterung. Für 29 Prozent der Unternehmen mit verschlechterten Kreditbedingungen sind Kreditversicherungen der Hauptgrund für die Verschlechterung. Dies sind fünf Prozentpunkte mehr als noch vor wenigen Monaten und sogar neun Prozentpunkte mehr als in der deutschlandweiten Stichprobe. Für die schwäbische Exportindustrie könnte gerade dieser Punkt zu einem echten Hindernis werden.
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