Karstadt

Das Karstadt-Drama hat ein Ende

Augsburg | 03.09.2010

Das Drama um Karstadt hat ein Ende Das Drama um Karstadt hat ein Ende

25.000 Menschen deutschlandweit können aufatmen. Davon rund 200 in Augsburg. Der Insolvenzplan von Investor Nicolas Berggruen und somit die Übernahme der Karstadt-Warenhauskette wurden vom Amtsgericht Essen gebilligt.

Schlussverkauf bei Karstadt: Gestern wurden die letzten Hürden zur Rettung der Karstadt-Warenhausgruppe genommen. Investor Nicolas Berggruen hat sich mit dem Karstadt-Vermieterkonsortium Highstreet, dem 86 der 120 Karstadt-Warenhäuser gehören, geeinigt. Nun ist die Rettung der Warenhauskette auch formell besiegelt. Nach einer mehr als zwölf Monaten andauernden Zitterpartie freuen sich die Karstadt-Mitarbeiter nun über die Zustimmung des Essener Amtsgerichts zum Kaufvertrag des Investors Nicolas Berggruen. Die Schreckensvorstellung einer Zerschlagung der Warenhauskette ist damit vom Tisch.

Was noch fehlt zur Karstadt-Rettung

Nach der gestrigen erfolgreich verlaufenen Sitzung fehlten noch zwei wichtige Handlungen, um alles endgültig in trockenen Tüchern zu bringen: zum einen die Unterschriften aller Beteiligten unter den Kaufvertrag. Die Frist, die die Gläubiger Berggruen zur Fertigstellung des Kaufvertrages gestellt hatten, war eigentlich heute um 10 Uhr gewesen. Da in der gestrige Verhandlung, der Abschluss monatelanger zäher Verhandlungen, manche Entscheidungen jedoch sehr spät getroffen worden waren, war die Frist auf 12 Uhr verlängert worden. Die zweite wichtige Voraussetzung zum Abschluss der Transaktion war die Zustimmung des Amtsgerichts in Essen gewesen. Dort ist auch der Hauptsitz von Karstadt. Das Amtsgericht Essen entschied darüber, ob der Kaufvertrag rechtsgültig ist. Der Gerichtstermin war bereits mehrfach verschoben worden. Die neueste Frist für diese Entscheidung lag ebenfalls bei 10 Uhr am heutigen Freitag. Sie war jedoch bis 14 Uhr verschoben worden.

Zähe Verhandlungen seit Monaten

Der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen hatte seit Monaten mit Highstreet gerungen. Grund: Berggruen hatte niedrigere Mieten gefordert. Bis zuletzt war offen gewesen, ob Highstreet auf diese Forderungen eingehen würden.

Gläubiger machen mit dem VertragZugeständnisse an Berggruen

Hinter dem Immobilienkonsortium stehen unter anderem die Banken Goldman Sachs (USA) und die Deutsche Bank. Das Konsortium hatte sich Geld bei Kapitalgebern geliehen, um einen Großteil der Karstadt-Warenhäuser zu erwerben und diese dann an Karstadt zurückzuvermieten. Die nun mit Nicolas Berggruen ausgehandelten Verträge bedeuten für diese Gläubiger eine geringere Rendite aufgrund der im Vertrag beschlossenen niedrigeren Mieten.

Nötige Unterschriften unter dem Karstadt-Kaufvertrag fehlen noch

Dies ist gestern schließlich gelungen. Alle Highstreet-Gläubiger gaben ihre Zustimmung zu den geforderten Mietsenkungen. Kurs vor Sitzungsende habe man sich im Vermieter-Konsortium Highstreet mit einer letzten Gruppe seiner Geldgeber über seine Umschuldung geeinigt. Tagelang war erbittert darum gerungen worden. Alle nötigen Unterschriften wurden am Donnerstagabend jedoch nicht mehr getätigt.

Nicolas Berggruen: Milliardär und Idealist

Für die Karstadt-Mitarbeiter, darunter 200 aus Augsburg, ist der Ausgang des spannenden Dramas ein Segen: Milliardär Nicolas Berggruen ist der einzige Bewerber, der ausdrücklich betont hat, dass er die 25.000 Angestellten schonen möchte.