Augsburg | 17.02.2011

Firmenkonkurse in Westeuropa nur leicht gesunken_Quelle Creditreform
Die aktuelle Untersuchung der Creditreform zeigt: der Wirtschafts-Aufschwung wirkt zunehmend positiv auf das europäische Insolvenzgeschehen.
Der Wirtschafts-Aufschwung wirkt zunehmend positiv auf das europäische Insolvenz-Geschehen. Zu einem merklichen Rückgang der Insolvenz-Zahlen ist es 2010 aber nicht gekommen – das zeigt die aktuelle Studie der Creditreform Pforzheim zur Entwicklung der Insolvenz-Zahlen in Europa. In den EU-15 staaten plus Norwegen und der Schweiz wurden im vergangenen Jahr 175.677 Firmenkonkurse registriert - 1,4 Prozent weniger als 2009. In den Staaten Mittel- und Osteuropas erhöhte sich die Zahl der insolventen Unternehmen um 14,1 Prozent.
Europa der zwei Geschwindigkeiten
Innerhalb Europas zeigten sich 2010 unterschiedliche Trends im Insolvenz-Geschehen. Sieben Staaten mit Zuwächsen stehen zehn Ländern mit Rückgängen bzw. einer Stagnation gegenüber. Den größten prozentualen Insolvenz-Anstieg der westeuropäischen Staaten verzeichnet Luxemburg mit plus 31,5 Prozent, gefolgt von Italien und der Schweiz.
In Deutschland kam im vergangenen Jahr für 32.100 Unternehmen das insolvenz-bedingte Aus – ein Minus von 2,5 Prozent gegenüber 2009. Damit zählt die Bundesrepublik neben Frankreich und Großbritannien aber zu den drei europäischen Staaten mit der höchsten absoluten Zahl an Firmenpleiten.
Erholung in der Industrie – weniger Arbeitsplätze gefährdet
In Westeuropa mussten im vergangenen Jahr rund 19.100 Betriebe aus dem Verarbeitenden Gewerbe Insolvenz anmelden. Das entspricht einem Rückgang um 5,7 Prozent gegenüber 2009. Verringert haben sich die gemeldeten Insolvenz-Verfahren auch in den übrigen Hauptwirtschafts-Bereichen: im Baugewerbe, im Handel und Gastgewerbe und im Dienstleistungs-Sektor um. Mit etwa 66.000 Insolvenzen kamen aus dem Dienstleistungs-Gewerbe die meisten Firmen-Zusammenbrüche. Die Verlagerung des Insolvenz-Geschehens auf den Dienstleistungs-Sektor und eher kleinere Unternehmen führte zu einer Verringerung der insolvenz-bedingten Arbeitsplatz-Verluste.
Privatinsolvenzen steigen weiter
Im Gegensatz zum Trend bei den Firmen-Insolvenzen ist die Zahl der Privatkonkurse 2010 nochmals gestiegen. Dieser Anstieg geht weitgehend auf die Entwicklungen in Schweden, in den Niederlanden, in Frankreich und in Deutschland zurück. Unter dem europäischen Durchschnitt blieb der Anstieg in Großbritannien, das aber erneut die meisten Privatinsolvenzen zählt, sowie in der Schweiz und in Österreich.
Der krisenbedingte Anstieg der Arbeitslosigkeit und die seit Ende der 90er Jahre stark gestiegene private Verschuldung der Europäer birgt für immer mehr Menschen die Gefahr der Zahlungs-Unfähigkeit. So dürfte die Zahl der Privat-Insolvenzen auch im laufenden Jahr auf einem hohen Niveau verharren.
Kapitalschwäche macht Unternehmen anfällig
Die Ertragskraft der westeuropäischen Unternehmen ist 2009 stark unter Druck gekommen. Mehr als jedes vierte Unternehmen schrieb Verluste. Mittlerweile weist jedes vierte Unternehmen in Europa eine Eigenkapital-Quote von weniger als zehn Prozent (im Verhältnis zur Bilanz-Summe) auf. Entsprechend hoch sind hier der schuldenfinanzierte Teil der Vermögenswerte und die Abhängigkeit von externen Fremdkapitalgebern. Überdurchschnittlich viele eigenkapitalschwache Unternehmen sind in den südeuropäischen Staaten zu finden sowie in Irland und Großbritannien. Weniger anfällig scheinen die Unternehmen in den skandinavischen Ländern zu sein.
Krisenfolgen in Osteuropa
Osteuropa war auch 2010 von den Folgen der Wirtschaftskrise betroffen. Die Zahl der Firmen-Insolvenzen erhöhte sich noch einmal um 14,1 Prozent. Den stärksten Anstieg weisen Litauen, Kroatien sowie Slowenien auf. Ein Rückgang wurde in Estland, in Polen und in der Slowakei registriert.
Weitere Informationen unter www.creditreform-pforzheim.de
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