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Bei der Mietsituation in deutschen Groß- und Universitätsstädten zeichnet sich eine Entwicklung hin zur Wohnungsnot ab. Dies berichtet der Deutsche Mieterbund (DMB) und verweist deutschlandweit auf bereits 250.000 fehlende Mietwohnungen. Auch Augsburg als Universitätsstadt ist von dem Trend betroffen. „Die Lage am Markt ist im unteren Segment angespannt, im oberen Wohnungsmarkt besteht verstärkt mehr Nachfrage“, weiß Edgar Mathe, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Augsburg (WBG) und der Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung und Immobilienbetreuung (AGS). „In Augsburg herrscht aber keine Wohnungsnot“, betont der WBG-Geschäftsführer.
In Augsburg herrscht keine Wohnungsnot
Zwar ist der Wohnungsmarkt in Augsburg von den allgemeinen Entwicklungen betroffen, dennoch können sich die Bewohner ihre Wohnungen nach wie vor leisten: „Es gibt in der Tat einen Anstieg der Mieten, diese basieren aber auch darauf, dass viele Wohnungen saniert werden. Die Qualität steigt, dadurch steigen die Mietpreise“, weiß WBG-Geschäftsführer Edgar Mathe. Rund 30 Prozent des Haushaltseinkommens geben die Augsburger nach Angaben Mathes für ihre Miete aus. Der deutsche Durchschnitt beträgt 34,1 Prozent. Drastisch steigende Mieten werden gemäß DMB als Zeichen drohender Wohnungsnot gewertet.
Haushaltszahl wächst –Wohnraum wächst nicht mit
Als Grund für die Negativ-Entwicklung auf dem deutschen Mietermarkt nennt der DMB mitunter die wachsende Zahl der Haushalte: Zwischen 2002 und 2010 ist die Haushaltsanzahl in Deutschland von 38,7 auf 40,3 Millionen gestiegen. Nach Einschätzungen der Bundesregierung wird die Zahl bis 2025 auf 41,1 Millionen anwachsen. Das Angebot an Wohnraum hingegen entwickelt sich nicht entsprechend der wachsenden Nachfrage – zwischen 2008 und 2011 ist sogar von einem historischen Tiefstand der Fertigstellungszahlen von Wohnraum die Rede. Unter 1 Prozent liegt die deutschlandweite Leerstandsquote von Mietwohnungen, Thomas Weiand, Vorstandsvorsitzender des Mietervereins Augsburg und Umgebung, berichtet von einem Leerstand in Augsburg von etwa 0,2 Prozent. Laut DMB sind jedoch rund 3 Prozent Leerstand als Fluktuationsreserve notwendig.
Zugezogene Münchnen-Pendler für den Mietanstieg mit verantwortlich
Auch Weiand stellt in Augsburg eine Umschichtung auf dem Mietmarkt fest: „Bezahlbarer Wohnraum wird knapper, exklusiver und teurer Wohnraum hingegen mehr.“ Mitunter treibe der Zuzug aus München den Trend des überteuerten Wohnraums mit voran, der den örtlichen Mietpreis insgesamt in die Höhe hebt. Auch WBG-Geschäftsführer Edgar Mathe stellt einen verstärkten Zuzug vor allem durch München-Pendler im Gebiet des Augsburger Hauptbahnhofs und jenseits fest. „Die München-Pendler mieten aber eher die teuren Wohnungen als die billigen, weil sie meist gut verdienen. München-Pendler haben in Augsburg zum Preis „Miete+Bahn/Fahrtkosten“ = „Miete München“ mehr Lebensqualität“, erklärt Mathe. Der günstige Wohnraum wird den Augsburgern von den Münchnern also nicht genommen, dennoch treiben die zugezogenen München-Pendler den Mietpreis sowie den Ausbau exklusiver Wohnungen in Augsburg mit in die Höhe.
Durchschnittsmietpreis in Augsburg wächst in die Höhe
„In den vergangenen Jahren ist der Mietpreis in Augsburg um etwa 15 Prozent angestiegen“, so Weiand weiter. Die Durchschnittsmiete in Augsburg liege derzeit bei 7 bis 7,50 Euro pro Quadratmeter, wobei sich hier die Tendenz in Richtung 7,50 Euro bewege. Neuvermietungen lägen oftmals schon im Bereich zwischen 8 und 8,50 Euro. „Teilweise werden exklusive Lofts oder ähnliches auch über 10 Euro pro Quadratmeter vermietet“, weiß der Vorstandsvorsitzende des Mietervereins Augsburg und Umgebung. Besonders betroffen von den hohen Mietpreisen sind das Textilviertel, die Innenstadt, die Gegend um die City Galerie, das Hasenbräu Gelände und traditionell wohlhabendere Stadtteile wie Göggingen und Spickel.
Weniger bezahlbarer Mietraum in Augsburg – dafür mehr exklusive Lofts
Mitunter rührt die Teuerung des Augsburger Wohnungsmarkts vom Verkauf zahlreicher Mietwohnungen von Bahn, Bundeswehr und ähnlichen Einrichtungen. Durch den Verkauf befinden sich diese in Privatbesitz und es gibt weniger günstige – dafür viele teure Mietwohnungen. So kommt der hohe Durchschnittspreis zustande. Weiand fordert hier mehr Engagement von den Kommunen, aber auch von der Wirtschaft. „Man kann sich hier in Augsburg nicht länger nur auf die WBG verlassen“, betont er. „Es darf nicht zu einer Abspaltung von Reichenghettos wie beispielsweise in Amerika kommen.“
Kommunales Engagement am Mietmarkt als potenzielle Fachkräftesicherung
Eine Deckelung der Mieterhöhung könne allerdings nur die Bundesregierung durchsetzen. Kommunen könnten Abhilfe schaffen, indem sie für bezahlbaren Wohnraum sorgen. „Eine kommunale Kappungsgrenze von 15 Prozent ist ein erster Schritt zur Bekämpfung steigender Mietpreise, auf lange Sicht muss allerdings noch viel mehr getan werden“, so Weiand.
Fachkräftesicherung auf den Spuren Jakob Fuggers
Eine besondere Vision schwebt Weiand vor: Ein Zusammenschluss hiesiger Unternehmen nach dem Vorbild Jakob Fuggers oder der Textilindustrie für günstigen Wohnraum für ihre Mitarbeiter. Dies könne beispielsweise über einen gemeinsamen Fonds erfolgen, auch gemeinsam mit Firmen aus der Augsburger Umgebung. Nicht zuletzt bedeutet bezahlbarer Wohnraum auch einen Standortvorteil und kann sich positiv auf die regionale Fachkräftesicherung auswirken.