Augsburg | 22.01.2010
"Bilanz ist mehr als zufriedenstellend." "Unternehmen reagierten besonnen." "Kurzarbeit verhinderte massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit."
„Das Jahr 2009 begann aufgrund der im Herbst 2008 ausgebrochenen Finanz- und Wirtschaftskrise
mit der großen Frage: ‘Welche Auswirkungen könnten auf den Arbeitsmarkt zukommen?'. Es war nicht klar, wie die Unternehmen auf die Vorboten des Abschwungs reagieren würden. Verheerend wäre ein Arbeitsplatzabbau gewesen. Der Jahresverlauf war deshalb von großer Unsicherheit geprägt.
Das weltweit nahezu einmalige Instrument der Kurzarbeit und deren Nutzung trugen zur Beruhigung bei und wurde von den Firmen sehr gut angenommen. Im Zuge des sich anbahnenden Fachkräftemangels bei einem Wirtschaftsaufschwung haben die Unternehmer dieses Mal vorausschauend agiert. Während noch in früheren Krisen die Arbeitnehmer entlassen wurden, haben die Arbeitgeber nun erkannt, dass sie durch die Kurzarbeit die Fachkräfte halten können. Zwar kostet die Kurzarbeit die Unternehmen Geld, aber das Entlassen und Wiedereinstellen ist ebenfalls teuer. Im Laufe des Jahres wurde auch deutlich, dass die Betriebe in der Region Kurzarbeit einerseits und Qualifizierung andererseits als gutes und interessantes Angebot der Agentur für Arbeit angenommen haben. Es ist uns zusammen mit den Arbeitsmarktpartnern gelungen, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit moderat
ausfiel und der große Einbruch ausblieb. Rückblickend betrachtet, ist das Jahr 2009 mehr als zufriedenstellend verlaufen. Im Frühjahr war ich noch skeptisch“, kommentiert Reinhold Demel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Augsburg, die Jahresbilanz 2009. „Das wird das Jahr der Wahrheit. Es ist davon auszugehen, dass mancher Betrieb die Geschäftspolitik des vergangenen Jahres so nicht weiterführen kann und es zu vermehrten Entlassungen kommt. Aber trotzdem dürfte dieses Jahr nicht so schlecht werden. Zwar wird die Arbeitslosigkeit nochmals ansteigen, aber nicht dramatisch. Wirtschaftlich entscheidend wird sein, wie sich der Export in Deutschland und der Region entwickelt. Das Exportniveau des Jahres 2008 wird meiner Ansicht nach erst in zwei bis drei Jahren wieder erreicht werden“, blickt Demel nach vorne.
Arbeitslosigkeit
Im Jahresdurchschnitt zählte die Agentur für Arbeit Augsburg 18.918 Arbeitslose, das sind 2.307 oder 13,9 Prozent mehr als im Erfolgsjahr 2008. Im Jahresverlauf meldeten sich 61.534 Personen arbeitslos, 9.432 oder 18,1 Prozent mehr als im
Vorjahr. Knapp die Hälfte dieser Arbeitslosen war vorher erwerbstätig (45 Prozent). Der Rest stellte zum Beispiel ein Arbeitsgesuch nach einer schulischen bzw. betrieblichen Ausbildung oder im Anschluss an eine Arbeitsunfähigkeit. 59.006 Menschen konnten die Arbeitslosigkeit beenden, 7,1 Prozent oder 3.908 Personen mehr als im sehr guten Jahr 2008. Die Arbeitslosenquote, ein Indikator dafür, wie viele von 100 aller zivilen Erwerbspersonen als Arbeitslose registriert sind, erreichte im Jahresdurchschnitt 5,6 Prozent und liegt damit um 0,7 Prozentpunkte über dem Wert des Jahres 2008
(4,9 Prozent).
Die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Jahr 2009
Kurzarbeit
Im abgelaufenen Jahr haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 85 Informationsveranstaltungen bei Arbeitgebern zum Thema Kurzarbeit gehalten.Ca. 860 Betriebe haben Kurzarbeit gemeldet. Betroffen hat die Kurzarbeit damit knapp 22.000 Arbeitnehmer. Die Agentur hat für Kurzarbeitergeld über 41 Mio. Euro ausgegeben.
Im Rahmen der Qualifizierung während des Bezugs von Kurzarbeitergeld wurden aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds 883 Teilnehmer gefördert und dafür bislang 334.586 Euro ausgegeben. Über die Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) konnten 206 Teilnehmer geschult werden. Dafür entstanden Kosten in Höhe von 371.163 Euro.
Beschäftigtenentwicklung
Beschäftigtenentwicklung Parallel zum Anstieg der Arbeitslosigkeit ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Jahresverlauf nahezu gleich geblieben. Am Stichtag 31. März 2009 waren 208.523 Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 91 weniger als am Vorjahresstichtag.
Rückgänge gab es z.B. in der Arbeitnehmerüberlassung (minus 2.384), dem Verarbeitenden Gewerbe (minus 216, Maschinenbau plus 430) sowie dem Baugewerbe (minus 113). Ein Plus verzeichneten der Handel (plus 548) sowie Verkehr und Lagerei (plus 215). Interessant ist, dass 1.802 weniger Männer, dafür aber 1.711 mehr Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Auch die Zahl der 55-Jährigen und älter stieg um 2.331 Personen oder 4,8 Prozent an. Des Weiteren sank die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um 1.727 Personen oder 1 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 1.637 oder 4 Prozent an.
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