
Holen Sie sich B4BSCHWABEN.de auf Ihr Smartphone.
Klicken Sie auf das Symbol zum „Teilen” in der Toolbar von Safari. Finden Sie die Option „Zum Home-Bildschirm”. Mit einem Klick auf „Hinzufügen” ist die Installation abgeschlossen! Schon ist die Website als App auf Ihrem iOS-Gerät installiert.
Durch lichte Wälder und blühende Bergwiesen hinauf zu stolzen Gip- feln: Was Wanderer am Allgäu lieben, ist nicht nur der pure Segen der Natur. Das idyllische Landschaftsmosaik ist das Werk jahrhunder- telanger harter Arbeit. Generationen von Bergbauern haben die alpinen Wei- deflächen an einst bis ins Tal bewaldeten Berghängen gescha$en und erhal- ten sie bis heute. Eine Geschichte von Höhen und Tiefen – hautnah erlebbar im Bergbauernmuseum von Immenstadt-Diepolz, auf dem spannenden Carl- Hirnbein-Wanderweg, im geschichtsträchtigen Grüntenhaus sowie auf mehr als 600 Allgäuer „Alpen“, wie die Almen hier genannt werden. Die genauen Anfänge der Allgäuer Alpwirtschaft liegen im Dunkeln, und das ist kein Wunder – Jahrtausende sind seitdem vergangen. Vermutlich nutz- ten nomadisierende Hirten die Bergweiden oberhalb der Baumgrenze bereits am Beginn des 2. Jahrtausends vor Christus. Belegt ist, dass die Alpwirtschaft schon bei den Kelten eine echte Blütezeit erlebte: Sie verkauften den Alpkäse bis an den Kaiserhof in Rom. Und auch der römische Schriftsteller Strabo er- zählt davon, dass Käse der wichtigste Tauschartikel der Alpenbewohner war.
Naturland wird Kulturland
Urkundlich nachgewiesen sind viele Almen ab dem frühen Mittelalter, als der Alpkäse bereits zu den Naturalsteuern zählte. Die Landesherren förderten die Rodung („Reuten“) genauso wie das „Schwenden“ – die noch heute praktizier- te Entfernung des nachwachsenden Waldes. Von diesen Tätigkeiten stammen die vielen Alp- und Ortsnamen ab, die Worte wie „Reute“, „Schwende“ oder „Schwand“ enthalten. Durch diese Pflege und Bewirtschaftung entstand die ty- pische Kulturlandschaft, die das Bild des Allgäus bis heute prägt.
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts brachten Alphirten vor allem Jungvieh, Ochsen und Pferde den Sommer über zum Weiden auf die Bergwiesen. Nach dem „Viehscheid“, so heißt der Almabtrieb im Allgäu, wurden mehrere tausend Tiere in andere Regionen verkauft – das brachte Geld ins Land. Milchwirt- schaft und Käseproduktion spielten zu dieser Zeit noch eine eher untergeord- nete Rolle. Das änderte sich mit dem Niedergang des Flachsanbaus und dem Triumphzug von Emmentaler, Romadur und Limburger. Zwei Namen spielen hier eine herausragende Rolle: Johann Althaus und Carl Hirnbein.
Vom Blauen zum Grünen Allgäu
Sein guter Geschmack sowie die Haltbarkeit und Transportfähigkeit der großen Zentnerlaibe machten den Schweizer Emmentaler zum Exportschlager und zur Konkurrenz für Käse aus dem Allgäu. Aus diesem Grund holte man junge Käser aus der Schweiz, um den Hartkäse auch hierzulande herzustellen.
Einer von ihnen war Johann Althaus aus dem Emmental, der 1827 die ersten Zent- nerlaibe des beliebten Käses produzierte. Der aus Missen gebürtige Carl Hirn- bein wiederum führte Weichkäse wie Romadur und Limburger ein und ermutigte die verarmten Bauern zum Umstieg auf die Milchwirtschaft. Mit der Industrialisierung und der Erfindung des mechanischen Webstuhls waren Anbau und Weiterverarbeitung des blaublühenden Flachses immer weiter zurückgegangen: Baumwolle verdrängte das feine Leinentuch.
Nachdem für die Käseproduktion erhebliche Mengen Milch gebraucht wurden – circa 1.000 Liter für einen Zentnerlaib – brachte der neue Erwerbszweig einen heiß ersehnten Aufschwung ins Land. Viele Sennalpen wurden neu errichtet, der Wandel vom „blauen“ zum „grünen“ Allgäu begann. Carl Hirnbein wurde im Allgäu als „Alpkönig“ verehrt, doch sein Wirkungsfeld ging weit über die Käserei hinaus. Mit dem Grüntenhaus baute er 1852 das ers- te Hotel in den Allgäuer Alpen und legte damit den Grundstein für einen wei- teren wichtigen Wirtschaftsfaktor, den Tourismus.
Schon damals bot er hier eine Molkekur an – mit Karl Brater, dem Herausgeber der ersten Süddeutschen Zeitung, als prominentestem Anwender. Die Gemeinde Missen widmet ihrem Sohn heute nicht nur ein Museum. An 68 Wegstationen auf dem Carl-Hirn- beinweg lässt sich in Form von Sinnespfaden, Ruheplätzen, Spielbereichen und Infotafeln jede Menge über die Allgäuer Alpkultur erfahren.
Alpkultur live und authentisch
Auch wenn Käse aus dem Allgäu als reines Naturprodukt in den vergangenen Jahren eine wahre Renaissance erlebt: Die Alpwirtschaft und das Leben der Bergbauern ist bis heute von stetigem Wandel geprägt und immer den ver- schiedensten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unterworfen. Dennoch: Im Allgäu hat sich die Alpkultur trotz aller Widrigkeiten gut er- halten. In keiner anderen Region gibt es so viele Bergbauernhöfe wie hier. 80 Tonnen Bergkäse werden jedes Jahr auf den Sennalpen von Hand produziert – jeder ganz individuell im Geschmack. Die Authentizität dieser Kultur trägt erheblich zur Beliebtheit des Allgäus als Wanderdestination bei. Panorama-Pfade zu Hütten und Alpen durch eine über Jahrhunderte gepflegte Natur- und Kulturlandschaft – das ist das Markenzeichen dieses einzigartigen Idylls.