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Die Handschrift muss sichtbar sein. Man muss die Handarbeit erkennen. Es ist nicht direkt ein Glaubensbekenntnis oder ein Unternehmensleitsatz, den Winfried Hollfel- der da ausspricht. Aber die Art, wie der Juwelier aus Oberstaufen es sagt, lässt erkennen, worauf es ihm bei seiner Antwort ankommt. Bei seiner Ant- wort auf die Frage: „Was ist Schmuck – Kunst oder Handwerk?“ Keine Frage: Wie alles, was Menschen sichtbar am Körper tragen, sind auch Ringe, Ketten, Broschen, Armbänder dem Diktat der Mode ausgesetzt. Wie alles, was mit persönlichem Geschmack zu tun hat, unterliegt die Akzeptanz eines Schmuckstücks ver- änderlichen Gefühlen. Und bei allem, dessen Ge- stalt auch Ausdruck von Gedanken und Fantasie ist, muss der Schöpfer des Werkes davon ausgehen, dass sein Design nicht in jedermanns Augen gefällig erscheint. So gesehen ist die Frage nach Kunst oder Handwerk schon beantwortet.
Vorliebe für Platin
Ganz so leicht lässt einen Winfried Hollfelder, der das Familienunternehmen in zweiter Generation führt, allerdings nicht davonkommen. Auf die Frage nach seinem Lieblingsmaterial fällt der Satz: „Steine fühlen sich in Platin am wohlsten.“ Dieses Material sei besonders „duktil“, also dehnbar und verformbar. Gleichzeitig aber, wenn es die vom Juwelier gewünschte Form angenommen hat, viel fester und stabiler als Gold oder Silber. „Das ist ein Material für einen, der sein Handwerk versteht“, meint Hollfelder und fügt an: „Da verändert sich nichts mehr am ursprünglichen Design.“
Das freut den Juwelier, denn letztendlich „arbeiten wir ja für Zeit und Ewigkeit“. Wie wenige andere Zünfte haben sich die Goldschmiede und Juweliere Traditionen bewahrt, EWIGKEIT haben auf technologische Exkursionen verzichtet und haben stets das individuelle Talent gefördert. Helmut Hollfelder, der inzwischen 84-jährige Gründer des Unternehmens, begann als Uhrmachermeister mit einem kleinen Geschäft in Immenstadt und hat seinen Söhnen Winfried und Alexander nicht nur das Präzisionsdenken mitgegeben, sondern auch das Bewusstsein für Fleiß und Unternehmergeist. Der Kunst, dass eine Uhr mit ein und denselben Werkteilen ein Leben lang läuft, wohnt ein Grundverständnis für Qualität inne, das Maß- stäbe setzt. Das kontinuierliche Wachstum der Firma, der bei Schmuck und Uhren keiner im Allgäu die Führung streitig machen kann, ist logische Folge und Belohnung zugleich.
Denn sie sind hier untrennbar miteinander verbunden, Kunst und Handwerk, Kreativität und Solidität, Idee und Form. Die gute Verarbeitung trägt ganz wesentlich zum Werterhalt jedes Stücks bei – und dem gilt seit jeher das Augenmerk jedes Schmuckkäufers.Im Augenblick sogar ein bisschen mehr, wie Hollfelder in Sachen „Schmuck als Wertanlage“ bemerkt: „Auch wir sind mit drin im Spiel.“ Das stelle er aber nicht nur aufseiten der Kunden fest.
Das erfährt er auch von seinen Lieferanten: „Wir sehen, dass be- stimmte Länder im nahen und fernen Osten gerade alles aufkaufen, was Diamant ist.“ Der Diamant – ein faszinieren- der Stein, unerreicht in seiner Wirkung. Natürlich biete ein Farbstein mehr Ausstrahlung, sagt der Juwelier, aber das klare, helle Licht, das Feuer eines Diamanten über- strahle doch alles. Vollkommen werde die Wirkung dann, wenn es der Trägerin gelinge, loszulassen von festen Vorstellungen über die Form des Schmuckstücks, lieber ihren Gefühlen zu folgen und dem Juwelier zu vertrauen. Den subjektiven Ausdruck des Steins zu erfassen, zu erkennen, was er bietet und ihn dann in Einklang zu bringen mit der Ausstrahlung der Trägerin – das ist in Hollfelders Augen die große Kunst. Es ist auch eine Frage des handwerklichen Könnens. Und es ist nicht zuletzt eine Frage der Fähigkeit, sich ein Bild vom Gegenüber zu machen, das den Schmuck künftig tragen will, von Menschen, deren Gesten, de- ren Sprache, deren Kleidung Ausdruck ihrer Persönlichkeit sind – und künftig sozusagen auch Szenerie für ein neues Schmuckstück. Seine Kunden zu kennen: Das bekommt da eine ganz neue Bedeutung. Wen wundert es, dass Hollfelder keine Serien fertigt, sondern nur Unikate? Darin spiegelt sich nicht zuletzt auch der Respekt vor den kostbaren Rohstoffen, die er verarbeitet, genauso wie der Wert des vollendeten Stücks, der bei einem Collier mit großen Diamanten schon mal siebenstellige Dimensionen erreicht.
Zeit für Schönheit ist immer da
Der andere Weg geht so: Der Juwelier kauft einen Stein, der ihm gefällt, erschließt sich dessen Potenzial – und räumt ihm einen Platz in seinen Gedanken ein. Oft folgt ein langes Überlegen und Nachdenken, was die rech- te, die beste Fassung sein mag. Fachwissen und Erfahrungen kommen da mit Fantasie und der Freude an der schönen Gestalt zusammen. Trotz der Zeit, die die Führung eines Unternehmens mit inzwischen 55 Mitarbeitern und das tägliche, „normale“ Arbeiten fordert: „Die Zeit für ein schönes Schmuckstück ist immer da“, sagt Hollfelder ohne Zögern.
Und mitunter auch die Zeit, direkt an der Quelle besonders edle Rohstoffe zu suchen. Etwa beim Perlentauchen auf den Fiji- Inseln. Das ist umso bemerkenswerter, als es in seinem Handwerk „nichts Schnelles, nichts von heute auf morgen gibt“. Ein anspruchsvolles Schmuckstück braucht seine Zeit – nicht nur zur Bearbeitung, sondern auch der Ruhe. Die Bodenständigkeit des Allgäuers, die Verwurzelung in der Heimat kommt diesem Anspruch entgegen. Kein Wunder, dass auch die Beziehungen zu den Kunden oder Liefe- ranten vielfach nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten gemessen werden. Die Inspiration holt Hollfelder sich gern in der Natur. Nicht nur, weil er der Jagd verbunden ist.
Nicht nur, weil er Land und Leute seiner Heimat ins Herz geschlossen hat. „Mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, lässt einen so viel Schönes und Anregendes entdecken …“, meint er. Aber nicht nur der schöpferische Zufall beeindruckt den Künstler, sondern auch der bewusste Erwerb von Professionalität den Handwerker in ihm. Die Technik, deren Beherrschung den Unterschied zwischen „geht so“ und „bewundernswert“ ausmacht, studiert der 50-Jährige am liebsten an Sportlern. Ein Beispiel? Wirklich gute Skiläufer, sagt er, „sind ein ästhetischer Genuss“. Wirklich gute Schmuckstücke auch.
KONTAKT
Uhren-Schmuck Hollfelder OHG
Hugo-von-Königsegg-Straße 5
87534 Oberstaufen
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