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Morgens ein gesundes Käsebrot, ein Müsli mit reichlich Milch oder einen Joghurt mit Früchten. Dazu ein frisch gebrühter Hochlandkaffee und die Tageszeitung. Nach ausgiebigem Frühstück samt Lektüre kann es losgehen. So oder so ähnlich starten zahlreiche Menschen ihren Tag. Doch während sich viele von ihnen über die aktuellen Finanzmärkte informieren, die Außenpolitik im Blick haben oder aktuelle Nachrichten aus der Region, wissen nur wenige, woher die Köstlichkeiten auf dem Frühstückstisch kommen. Oder könnten Sie spontan zehn Firmen aus Allgäu und Bayerisch-Schwaben aufzählen, von denen Ihre Lebensmittel stammen?
Dabei sind es vor allem regionale Marken, die wir – wortwörtlich – jeden Tag in den Mund nehmen. Beispiele? Bei der Bäckerei Staib in Neu-Ulm, dem Augsburger Lechbäck oder der Bäckerei und Konditorei Schwarz im Allgäu gibt es leckere Semmeln, ofenwarmes Brot und süße Stückchen, bei deren Anblick einem das Wasser im Mund zusammenläuft – genauso wie bei den Erzeugnissen von Dutzenden anderen familiengeführten Backbetrieben in der Region auch. Auch Kaffee, Tee, Choco Drinks und passendes Beiwerk sind regional zu haben, zum Beispiel vom Neu-Ulmer Unternehmen Seeberger. Der Käse auf dem Frühstückstisch könnte aus den Karwendel- Werken in Buchloe oder der Kemptener Käserei Champignon kommen, die Milch und der Joghurt von der Molkerei Müller in Aretsried, von Zott in Mertingen oder von Weideglück aus Neu-Ulm.
Und Slogans wie „Ehrmann – keiner macht mich mehr an“ sind deutschlandweit in aller Munde. „Einfach gutes Marketing“, meinen die einen, „gute Qualität und regionale Nähe“, sagen die anderen. Und: „Die Lebensmittelindustrie ist immer auch abhängig von den Köpfen, die sie führt. Da haben wir in unserer Region echte Charaktere und so sind auch die Produkte“, meint Dr. Sebastian Priller, persönlich haftender Gesellschafter der Augsburger Brauerei S. Riegele. Was steckt nun also wirklich hinter dem Erfolg der hiesigen Produkte?
Wo die Heimat gut schmeckt
Vieles, was mit „Regional“ beginnt, klingt erst mal ein bisschen fad: Regionalfernsehen oder Regionalliga. Nur die Regionallebensmittel, die mögen neuerdings fast alle, weil es ja gut ist, wenn das Essen schnell vom Feld oder Stall auf den Tisch kommt. Das Kemptener Lebensmittelunternehmen Feneberg beispielsweise wirbt mit der Marke „Von hier“ – „Bes te Bioqualität aus der Region“ und setzt damit auf Frische, Gesundheit und Ökologie. Eier von freilebenden Hühnern oder Gemüse aus dem Ökoanbau: Bio ist für die Gesundheit einfach die bessere Wahl. Es wurde nachgewiesen, dass in Obst und Gemüse vom Biohof deutlich mehr gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzenstoffe wie Farb-, Geschmacks- und Duftstoffe enthalten sind, als in herkömmlich angebautem Grünzeug. Und in Biomilch fanden Wissenschaftler besonders viel konjugierte Linolsäure, die möglicherweise vor Krebs schützt.
So gibt es bei der Hochland SE in Heimenkirch im Allgäu nur Schnittkäse, der aus 100 Prozent Kuhmilch hergestellt wird. Käseanaloge werden nicht eingesetzt. Das Unternehmen bezieht einen Großteil seiner Käserohware aus der Region und die Produkte sind glutenfrei. Auch die Neu-Ulmer Settele AG bietet schwäbische Spätzle und Schupfnudeln an, die aus ökologischem Landbau hergestellt werden. Dadurch schmecken die Spätzle nicht nur lecker, sondern sind auch noch gesund. Handelsriesen wie Lidl oder Aldi haben erkannt, dass Verbraucher bevorzugt Produkte mit regionaler Herkunft und Herstellung kaufen.
Unter der Marke „Ein gutes Stück Heimat“ stellt die Molkerei Gropper aus Bissingen seit 2010 für Lidl Milcherzeugnisse her, deren Milch ausschließlich aus Bayern kommt und zudem gentechnikfrei ist. Mehr Geschäft durch Heimatverbundenheit also. Besonders Familienunternehmen sind fest in der Region verwurzelt. So verwundert es kaum, dass Heimatverbundenheit und Tradition wichtige Zutaten für das Erfolgsrezept regionaler Lebensmittelbetriebe sind.
„Dafür stehen wir mit unserem Namen“
Die Augsburger Landbäckerei Ihle zum Beispiel ist genau solch ein Traditionsunternehmen. Fast 120 Jahre nach den ersten Anfängen ist Ihle noch immer ein Familienbetrieb und das mit Stolz. Bis heute steht die Familie und der damit verbundene Name hinter dem Unternehmen, das über 2.000 Men - schen beschäftigt und sich unter die zehn größten deutschen Backbetriebe gearbeitet hat. An die Spitze gelangte Ihle durch Frische, Vielfalt und ein hervorragendes Qualitätsmanagement. Ebenfalls Abwechslung garantieren die saisonal wechselnden Spezialitäten des Augsburger Familienunternehmens Balletshofer.
Der Backbetrieb versorgt seine Kunden bereits in der dritten Generation mit süßen, herzhaften oder weihnachtlichen Gebäcken. Darunter historische Rezepte, welche die Fuggerzeit wiederaufleben lassen. Auch eine ausgewogene und gesunde Ernährung liegt dem Unternehmen am Herzen. Wer täglich drei typische Frühstücksbrötchen von Balletshofer isst, deckt, so der Backbetrieb, den empfohlenen Tagesbedarf von 29 Prozent Folsäure (B9), 24 Prozent Niacin (B3), 24 Prozent Eisen, 27 Prozent Kalzium und 34 Prozent Magnesium.
Kupfer, Phosphorsäure oder Natrium dagegen finden sich in winzigen Spuren im Bier wieder. Das wissen die Experten des Brauhauses Riegele, eine der größten Privatbrauereien Augsburgs, die bereits in der fünften Generation noch immer vollständig in Familienbesitz ist. „Zukunft braucht Herkunft. Tradition spielt insoweit eine Rolle, als sie auch Beweis für Kontinuität und Glaubwürdigkeit ist, in unserem Fall sogar über 28 Generationen hinweg“, freut sich Priller. Ebenfalls ein Familienbetrieb mit langer Tradition ist die Brauerei Autenried in Ichenhausen.
Das Unternehmen wirbt mit dem Slogan „Autenrieder Bier – dem Guten verpflichtet seit 1650“. „Wir leben Tradition und Fortschritt“, betont Rudolf Feuchtmayr, Geschäftsführer der Schlossbrauerei Autenried GmbH. Daran möchte das Unternehmen auch in Zukunft festhalten. Die Bekennung zur Regionalität, Innovationen und das Bewahren von Traditionen mit bestmöglicher Qualität sind die Eckpfeiler der Firmenphilosophie. Dafür steht das Unternehmen mit seinem Namen ein.
Synergieeffekte und Rationalisierungspotenziale
Diese Rechnung geht auf. Die Lebensmittelunternehmen machen in Deutschland jährlich 150 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigen über 500.000 Menschen. Zu den Top 50 der größten deutschen Lieferanten des Lebensmitteleinzelhandels gehören auch Firmen aus dem Allgäu und Bayerisch-Schwaben. So etwa die Nestlé Gruppe Deutschland, die Südzucker- Gruppe, die Bayernland eG, die Hochland SE und die Ehrmann AG.
Die Familien-Molkerei mit Sitz in Oberschönegg begann als Ein-Mann-Unternehmen und ist heute eine der führenden Molkereien Deutschlands. Unter der Marke Ehrmann werden Produkte in mehr als 40 Länder weltweit verkauft, und mit über 1.500 Mitarbeitern hat die Ehrmann AG 2010 einen Umsatz von 685 Millionen Euro erwirtschaftet. Innovationen, ständige Prozessverbesserungen und das richtige Gespür für Kundenwünsche: Damit punktet Küchle. „Als kleiner Player in einem großen Markt lautet die oberste Devise, eigenständige Produkte anzubieten, die immer ein bisschen pfiffiger sind als die Wettbewerbsprodukte. Wir versuchen dabei die großen, sich teils widersprechenden Strömungen ,Convenience‘ und ,Clean Label‘ unter einen Hut zu bringen, wie bei unserer neuen Dessert-Linie.
Unser Haus macht über 30 Prozent seines Umsatzes mit Innovationen, also mit Produkten, die jünger als zwei Jahre sind“, berichtet Christof Küchle, Geschäftsführer der Günzburger W.u.H. Küchle GmbH & Co. KG. Die Beispiele zeigen, dass trotz der Präsenz großer internationaler Branchenunternehmen der Ernährungszweig durch einen starken Anteil an mittelständischen Firmen geprägt ist. „Mittelständische Unternehmen, häufig noch inhabergeführt, stehen für Kontinuität, langfristige Perspektiven und damit für ein hohes Verantwortungsbewusstsein gegenüber Qualität und Kunden. Auf diese Weise wird ein entscheidender Beitrag dazu geleistet, dass die Lebensmittel hierzulande so sicher sind, wie noch nie in der Menschheitsgeschichte“, meint Küchle weiter.
Dennoch zwingt der hohe Kostendruck immer mehr Lebensmittelbetriebe zu Fusionen, Akquisitionen und Firmenverkäufen, um Synergieeffekte und Rationalisierungspotenziale zu heben. „Die Spreu trennt sich so langsam vom Weizen. Entweder Sie sind Kostenführer oder Sie entwickeln sich wie das Brauhaus Riegele hin zu einem Spezialisten. In unserem Fall zu einer führenden Brauerei in Sachen Genusskultur“, sagt Priller. Insbesondere in den Bereichen Fleisch und Backwaren wird in den nächsten Jahren ein deutlicher Trend zu größeren Einheiten erwartet. Im Moment besteht der Erfolg vieler Lebensmittelbetriebe aus Allgäu und Bayerisch-Schwaben aber nach wie vor aus Ingredienzen wie Service, Qualität und einer gesunden Portion Frische sowie aus Zugaben von Vielfalt, Erfahrung, Kompetenz und Innovationen, vor allem aber aus einem Familienbetrieb mit Tradition. Na dann, an Guada!