101 Köpfe | 17.01.2011
Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Unternehmer Bernhard Rösch über Allgäuer Tugenden und Schraubstöcke mit Dinosaurier Namen.
Name: Bernhard Rösch
Alter: 46
Position: Geschäftsführer
Unternehmen: ALLMATIC-Jakob Spannsysteme GmbH
Hobbies: Mountainbike- und Rennradfahren, Skitouren, Skilanglauf
Ihr Unternehmen fertigt Maschinenschraubstöcke. Was kann man sich darunter vorstellen?
Schraubstöcke halten Teile fest. Maschinenschraubstöcke spannen Werkstücke für die Bearbeitung auf Fräsmaschinen und Bearbeitungszentren. Sie unterscheiden sich vom Werkbankschraubstock durch wesentlich höhere Spannkräfte und indem Sie die Teile sehr genau in der gleichen Position halten.
Sie sind mit ihren Produkten immer einen Schritt voraus. Was macht Sie so innovativ?
Bei ALLMATIC-Jakob in Unterthingau haben wir alle Bereiche (Forschung/Entwicklung, Produktion der Einzelteile, Montage, Marketing/Vertrieb, Service/Support und Verwaltung) unter einem Dach. Dadurch bündeln wir das Wissen und haben sehr kurze Wege. Durch ein ausgewogenes Generationenmix nutzen wir die Erfahrung der älteren Mitarbeiter und den Tatendrang der Jugend. Innovationen entstehen, indem wir unsere Maschinenschraubstöcke auch in unserer eigenen Produktion einsetzen, wir auf Kundenwünsche hören, kundenspezifische Lösungen entwickeln und aus Kooperationen mit Maschinenherstellern besonders aus der Region.
Das Allgäu ist ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsraum. Was macht den Standort Unterthingau so attraktiv?
Unterthingau verfügt über eine gute Straßenanbindung, günstige Grundstückspreise und unternehmerfreundliche Behörden. In der Region sind gute Fachkräfte und leistungsfähige Zulieferbetriebe vorhanden. Nach der Arbeit hat das Allgäu einen sehr hohen Freizeitwert (Wir leben und arbeiten, wo andere Urlaub machen).
Was zeichnet den Allgäuer Unternehmer aus? Unterscheidet er sich von anderen in der Region? Gibt es Besonderheiten?
Im Allgäu gibt es die Tradition der „Mächler“. Diese tüftelten solange an einer Aufgabenstellung herum bis Sie eine Lösung gefunden haben und verbesserten diese dann immer weiter. Diese Tradition setzt sich heute in vielen Allgäuer Unternehmen von klein bis groß fort.
Was war Ihre größte unternehmerische Herausforderung?
ALLMATIC-Jakob heil durch die Wirtschaftskrise 2009/10 zu bringen. Als Hersteller von Investitionsgütern traf es uns mit einem Rückgang um 65% besonders hart.
Sie haben den Maschinenschraubstock ständig weiterentwickelt. Welche Phase hat ihrem Unternehmen den stärksten Aufschwung gegeben?
1985 hat ALLMATIC den NC-Spanner entwickelt. Damals erhielten die Fräsmaschinen durch steigende Spindeldrehzahlen und Vorschubgeschwindigkeiten, den vermehrten Einsatz von Kühlschmierstoffen und die dadurch nötigen Sicherheitsvorkehrungen geschlossene Kabinen. Bisherige Maschinenschraubstöcke waren für die Verwendung in Kabinen zu lang. Unser kompakter NC-Spanner, der seine Länge auch bei verschieden großen Werkstücken nicht ändert, löste dieses Problem. Diese Bauweise hat sich am Markt durchgesetzt.
Wie sieht der Maschinenschraubstock der Zukunft aus? Wohin geht der Trend in der Branche?
Er wird noch mehr unterschiedliche Werkstückgeometrien (Guss-/Schmiedeteile) spannen können und um das Arbeiten bis 67 zu ermöglichen, wird er noch ergonomischer sein. Darüber hinaus wird ein steigender Anteil an Maschinenschraubstöcken automatisch beladen werden, da wir in Deutschland wegen des kommenden Fachkräftmangels zum einen und dem Kostendruck aus Billiglohnländern zum anderen, gezwungen sein werden, unsere Fachkräfte möglichst effektiv einzusetzen.
Wie kommt man auf den Namen T-Rex für einen Maschinenschraubstock? Gibt es da noch eine Steigerung für das nächste Produkt?
Der Tyrannosaurus war der kräftigste Beisser im Tierreich, was er zwischen den Zähnen hatte, lies er nicht mehr los. Das passte genau zu unser 2005 entwickelten „Gripptechnologie“. Mit unserem Maschinenschraubstock T-REX drücken wir Zähne auch in hochfeste Stähle. Dadurch erreichen wir einen „Gripp“ ähnlich wie Spikes auf Eis, ein Quantensprung zu bisherigen Schraubstöcken mit glatten Backen. Vom Biss her lässt sich der Name T-Rex kaum noch steigern, allerdings soll Tyrannosaurus nicht der Intelligenteste gewesen sein.
Ihr Unternehmen ist als Familienbetrieb gewachsen. Welche Rolle spielt der Zusammenhalt der Mitarbeiter im Unternehmen für Sie?
Bis vor 10 Jahren gehörte ALLMATIC zum Saurer-Konzern. Seit dem Kauf 2001 durch Ludwig Jakob führe ich das Familienunternehmen ALLMATIC-Jakob Spannsysteme GmbH. In der Anfangszeit hatten wir große „innere Reibungsverluste“. Den Zusammenhalt der Mitarbeiter im Unternehmen herzustellen war für mich die größere Herausforderung, als die Wirtschaftskrise 2009/10, die wir hauptsächlich durch den inzwischen gewonnenen Zusammenhalt so gut überstanden haben. Diesen noch weiter zu verbessern, sehe ich als eine der Hauptaufgaben der nächsten Jahre.
Verbringen Sie auch Ihre Freizeit im Allgäu?
Den größten Teil meiner Freizeit verbringe ich im Allgäu und angrenzenden Regionen. Wenn ich Neues sehen und noch mehr Abenteuer erleben will, radle ich auch mal über die Anden oder durchquere Lappland mit Skiern.
Ganz spontan in 15 Sekunden: 3 tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch – Schwaben / der Region?
Die Skilangläuferin Katrin Zeller, Mona und Debo von Sternblut
Blick in die Region: drei Vor- und drei Nachteile der Region Bayerisch Schwaben?
Vorteile: Hohe Wohnqualität durch großen Freizeitwert und gesunde Umwelt, starker Wirtschaftsstandort mit geringer Arbeitslosigkeit, sympathische Bevölkerung
Nachteile: Öffentliche Verkehrsmittel und das Strassennetz sind im ländlichen Raum nicht so leistungsfähig, ab und zu könnte das Wetter besser sein
Ein Blick in die Glaskugel: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in 5 Jahren? Wo sehen Sie sich selbst in 5 Jahren?
ALLMATIC-Jakob wird Technologieführer im Bereich Maschinenschraubstöcke weltsein sein und ich an der Spitze eines führenden Unternehmens
Was möchten sie noch erreichen?
Ich würde noch gern den höchsten Vulkan der Erde, den knapp 7000 m hohen Ojos del Salado in den Anden besteigen und so gesund und fit bleiben, dass ich im Ruhestand mit meiner Frau von Alaska nach Feuerland radeln kann.

Lesen, fragen und mitreden: die aktuellsten Interviews pünktlich zur Erscheinung in Ihrem Postfach, mit dem B4B SCHWABEN Newsletter.

Sie kennen einen interessanten "Kopf" aus Bayerisch-Schwaben, den es sich zu fragen lohnt?
Dann schicken Sie uns eine E-Mail!
Lernen Sie Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben kennen!
B4B SCHWABEN stellt Ihnen in erfrischend kurzen, jedoch umso unterhaltsameren Interviews die interessantesten Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Sport und Gesellschaft in Bayerisch-Schwaben vor. Lernen Sie die Region und Ihre Persönlichkeiten von einer anderen Seite kennen.

Lesen, fragen und mitreden: die aktuellsten Interviews pünktlich zur Erscheinung in Ihrem Postfach, mit dem B4B SCHWABEN Newsletter.

Sie kennen einen interessanten "Kopf" aus Bayerisch-Schwaben, den es sich zu fragen lohnt?
Dann schicken Sie uns eine E-Mail!