101 Köpfe | 13.12.2010

Dr. Kurt Gribl, Foto: B4B SCHWABEN
Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl spricht über persönliche Erlebnisse, seine Wünsche für die Fuggerstadt und darüber, wie Augsburg dem nationalen Wettbewerb standhalten wird.
Name: Dr. Kurt Gribl
Position: Oberbürgermeister der Stadt Augsburg
Was hat Sie dazu bewogen als Jurist in die Politik zu gehen und Bürgermeister zu werden?
Also vorab: Bürgermeister zu werden, kann man sich zwar vornehmen, aber die Entscheidung darüber treffen die Wähler. Um meine Motivation für dieses Amt zu beschreiben, muss ich ein wenig zurückgehen in die Zeit, als ich mich schon als Jugendlicher dazu entschlossen habe, meinen Zivildienst bei der Feuerwehr zu leisten. So kam ich 1980 zur Freiwilligen Feuerwehr Augsburg-Kriegshaber. Sechs Jahre später wurde ich 1. Kommandant und Zugführer und war mit 22 Jahren der jüngste Kommandant der Stadt.
Erfahrungen aus der Praxis
In dieser Aufgabe habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen und Führungsqualitäten einzusetzen, gerade wenn es brenzlig wird. Solche Qualitäten sind auch in der Kommunalpolitik gut einsetzbar, wo es einfach immer wieder mal hautnah „brennt“. Wenn danach Lösungen stehen, ist das auch persönlich eine sehr befriedigende Sache.
Stichwort Mobilitätsdrehscheibe: In Augsburg werden bald die Weichen für den zukünftigen Wirtschaftsraum gestellt. Was liegt Ihnen hier besonders am Herzen?
Nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid zum Umbau des Königsplatzes ohne Tunnel, beginnt voraussichtlich im Frühjahr 2012 der dringend erforderliche Umbau des Hauptbahnhofs. Ziel dieser umfassenden Baumaßnahme ist, ein vor allem leistungsfähiges Nahverkehrssystem zu schaffen. Es soll den Reisenden ebenso zu gute kommen, wie der Entwicklung des Wirtschaftsraums Augsburg.
Mobilität und nationaler Wettbewerb
Bis 2019 müssen wir die Mobilitätsdrehscheibe stemmen. Bis dahin gilt es, langen Atem zu bewahren und das Ziel im Auge zu behalten. Augsburg braucht im europäischen wie nationalen Wettbewerb der Großstädte eine moderne Verkehrsinfrastruktur für alle Verkehrsteilnehmer aus dem gesamten Wirtschaftsraum Augsburg, aber auch eine Aufenthaltsqualität, die wirklich Lust auf Handel und Wandel in der Innenstadt macht.
Der Innovationspark Augsburg verspricht ein einzigartiges Projekt zu werden. Ist Augsburg schon bereit für soviel Innovation?
Augsburg war von je her ein Zentrum für Innovationen. Denken Sie nur an Rudolf Diesel, Willy Messerschmitt oder Heinrich v. Buz, den Generaldirektor der MAN. Augsburg war Zentrum der Textilindustrie. Mehr als 150 Jahre war die Textilindustrie Augsburgs wirtschaftliches Rückgrat und strahlte auch ins schwäbische Umland aus. Die Textilfabriken waren für Tausende Menschen Lebensmittelpunkte. Auch heute geht es um Fasern. Nicht um textiles Gewebe, sondern um Fasern aus Kohlenstoff: Carbonfasern. Sie sind die Basis für superleichte Hochleistungsverbund-Werkstoffe, die vor allem in der Luftfahrt-Industrie aber auch in anderen Bereichen angewendet werden. Automatisierte Herstellungsverfahren für die Produkte aus diesem Zukunftsmaterial in der Luft- und Raumfahrt bergen auch im Fahrzeugbau absolutes Potenzial.
Neue Technik und Forschung
Wir haben in unmittelbarer Nähe zur Universität das Gelände für den Innovationspark, wo Forschung und Industrie in den Bereichen Mechatronik und Faserverbundstoffe kooperieren. Im Technologiezentrum, das ab dem nächsten Jahr gebaut werden soll, können Firmen ihre Entwicklungs- und Forschungsabteilungen unterbringen und leichtgewichtige Carbonfaserprodukte zur Serienreife bringen. Augsburg und die gesamte Wirtschaftsregion sind in das Projekt eingebunden. Wir sind in starke Vorleistungen gegangen. Jetzt ist das Land Bayern am Zug, das auf Innovation setzt und von dem wir zurecht Zuschüsse zur Entwicklung dieser Zukunftstechnologie in Augsburg erwarten können.
Was hat in der Stadt Augsburg derzeit die höchste Priorität?
In baulicher Hinsicht die Mobilitätsdrehscheibe. Noch im Dezember wird der Stadtrat den Satzungsbeschluss für den Umbau des Königsplatzes fällen. Es ist davon auszugehen, dass sobald es die Witterung erlaubt, im Frühjahr dann auch die Bagger anrollen. Danach wird es wohl zweieinhalb Jahre dauern, bis das zentrale Verkehrsdrehkreuz in der Stadt sicher und barrierefrei ist und das gesamte Platzareal Gestalt angenommen hat.
Mobilität und Modernisierung
Voraussichtlich im Frühjahr 2012 startet dann der überfällige Umbau des Hauptbahnhofs. Das klare Votum des Bürgerentscheids bedeutet nichts anderes, als dass jetzt nicht mehr lange gefackelt werden darf. Der Umbau am Kö muss schleunigst in die Gänge kommen. Von der gesamten Maßnahme Mobilitätsdrehscheibe und der damit verbundenen Modernisierung der Verkehrswege profitieren die Bürger dieser Stadt aber auch die Wirtschaft und der Einzelhandel in hohem Maß.
Sie sind in Augsburg aufgewachsen und haben auch hier studiert. Haben Sie jemals überlegt, aus der Fuggerstadt wegzuziehen?
Nein, ich bin und bleibe Augsburger.
Was macht der Augsburger Oberbürgermeister in seiner Freizeit in Augsburg?
Ich gehe ganz gerne ins Kino und versuche ansonsten so oft es geht, in der Natur zu sein und ein gutes Stück zu gehen. Im Sommer laufe ich auch schon mal barfuss in den Schmutterwiesen herum. Herrlich finde ich es auch zu jeder Jahreszeit in unseren westlichen Wäldern oder im Wittelsbacher Land.
Ganz spontan in 15 Sekunden: 3 tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch – Schwaben/ der Region?
- Heinrich von Buz: genialer Generaldirektor von M.A.N.
- Mietek Pemper: Ehrenbürger der Stadt Augsburg und ungemein mutiger Mann, der geholfen hat, Schindlers Liste zu erstellen.
- Elisabeth Micheler-Jones: großartige Sportlerin und Olympiasiegerin im Kanuslalom/Kajak-Einer.
Blick in die Region: drei Vor- und drei Nachteile der Region Bayerisch-Schwaben?
Vorteile:
1. Bayerisch Schwaben hat eine großartige Landschaft,
2. wunderbare Gasthäuser und
3. umgängliche, fleißige Leute. Mehr geht nicht.
Nachteile:
Als Nachteil sehe ich nur den einen, dass es diese Region nur einmal gibt auf der Welt.
Ein Blick in die Glaskugel: Wo sehen Sie die Stadt Augsburg in fünf Jahren? Wo sehen Sie sich selbst in fünf Jahren?
Augsburg ist 2015/16 mitten in der Realisierung der Mobilitätsdrehscheibe und des Innovationsparks. Ich denke auch, dass die Stadt dann im Messewesen ihren Rang noch weiter ausgebaut hat. Mit der Uniklinik und der neuen Kinderklinik sind wir auf bestem Weg. Außerdem spielt der FCA schon seit vier Jahren in der ersten Bundesliga.
Was macht Sie eigentlich so sicher, dass der Verkehr nach dem Umbau des Königsplatzes auch wirklich fließt?
Was kaum jemand weiß ist, dass schon seit Längerem ein Verkehrsmonitoring durchgeführt wird. Es gibt Aufschluss über die tägliche Verkehrsdichte. Damit wird ein optimal angepasstes Verkehrsleitsystem möglich.

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