101 Köpfe | 30.07.2010

Alois Berger mit B4B SCHWABEN im Gespräch
Der Gründer und Inhaber der Berger Holding GmbH & Co. KG in Memmingen spricht über sein wichtigstes Hobby, seine Landsleute und wirft einen Blick in die Zukunft.
Name: Alois Berger
Alter: 77 Jahre
Position: geschäftsführender Gesellschafter
Unternehmen: Berger Holding GmbH & Co. KG
Herr Berger, welche Hobbies haben Sie?
Mein ältestes und damit wichtigstes Hobby ist arbeiten. Dieses Hobby pflege ich seit nunmehr 63 Jahren. Vielleicht klingt es eigenartig, Arbeiten als Hobby zu bezeichnen. Aber ich arbeite wirklich gerne. Und was man mit richtig viel Freude und Eifer tut ist doch ein Hobby, oder? Meine zwei anderen Hobbies, Fischen und Pilze sammeln, haben sehr viel mit meiner alten Heimat, dem Böhmerwald zu tun. Außerdem spiele ich seit vielen Jahren leidenschaftlich gerne Golf.
Herr Berger, Sie haben das Einzelunternehmen, aus dem die heutige Berger Holding hervorgegangen ist, im Jahr 1955 aus dem Nichts aufgebaut. Wie sah Ihr Leben, wie sah Ihr Tagesablauf im Jahr 1955 kurz nach der Gründung aus?
Angesteckt von der Aufbruchsstimmung nach der deutschen Währungsreform im Jahr 1948 hatte ich schon während meiner Lehrzeit den Wunsch mich selbstständig zu machen. Eigentlich verwunderlich, denn ich war damals gerade 15 Jahre alt. Mein wichtigster Vorsatz war: Ich mach es anders. Zusammen mit meinem Bruder habe ich dann vor 55 Jahren die erste 105 Quadratmeter Werkstatt gebaut.
Zum Vergleich: Heute gehören 73.200 Quadratmeter Hallenfläche zum Unternehmen. Die Zeit nach der Gründung des Unternehmens war hart und entbehrungsreich. Die ersten Kunden habe ich noch mit dem Fahrrad besucht und gehofft, dass niemand mein „Betriebsfahrzeug“ bemerken würde. Um den Durchbruch zu schaffen habe ich viele Jahre bis zu 15 Stunden am Tag gearbeitet und dabei meinen Beruf zum Hobby gemacht.
Sie sind einer der Gründungsväter der Allgäu Airpark GmbH und zählen zu den engagiertesten Gesellschaftern und Befürwortern des Memminger Flughafens. Wer die Entwicklungsgeschichte der Allgäu Airpark GmbH verfolgt hat weiß, dass nicht immer eitel Sonnenschein herrschte. Haben Sie manchmal an dem Gelingen des Projektes Allgäu Airpark GmbH gezweifelt? Welches waren aus Ihrer Sicht die schwärzesten Momente?
Nein, ich persönlich habe nie am Erfolg des Airports gezweifelt. Aber viele hatten große Bedenken. Und richtig schwarze Momente habe ich am Allgäu Airport bis heute zum Glück auch nicht erlebt. Der Flughafen ist für so wichtig für die Region. Er hat uns aufgewertet. Daher ist es aus meiner Sicht auch eine Katastrophe, dass die Flugverbindungen zwischen Memmingen und Hamburg weggefallen sind. Ich bin sicher, dass sich der Flughafen sehr stark entwickeln wird.
Die Berger Holding GmbH & Co. KG gehört zu den wenigen Unternehmen dieser Größe, die sich im Familienbesitz befindet und durch die Familie geführt wird. Herr Berger, welche Attribute verbinden Sie persönlich mit dem Begriff Familie?
Familie ist für mich eine starke Vertrauensgemeinschaft, in der sich jeder selbst entwickeln kann und soll. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch von Kindesbeinen an persönliche Stärken und besondere Fähigkeiten besitzt. Mein Anspruch ist, eine ungezwungene, vertrauensvolle Umgebung zu schaffen, in der sich diese Anlagen entfalten können.
Diesen Anspruch vertrete ich besonders in der Familie, er lässt sich aber auch auf das Miteinander in unserem Unternehmen übertragen. Freiheit zu geben bedeutet, viel Vertrauen zu schenken, jedem das Recht auf Fehler einzugestehen und die Lebenswege, die sich aus dieser Freiheit heraus entwickeln, anzunehmen. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass von meinen sieben Kindern sechs im Unternehmen Berger tätig werden. Es macht mich glücklich zu sehen, dass jeder seinen Platz gefunden hat.
Herr Berger, was zeichnet den Memminger aus? Gibt es Verhaltensweisen und Tugenden, die Sie persönlich häufig an dem Memminger beobachten? Welche sind das?
Ich denke dabei an die Zeit, als mit 13 Jahren als Heimatvertriebener aus dem Böhmerwald in ein kleines schwäbisches Dorf kam. Ein Jahr später bewarb ich mich um eine Lehrstelle als Industriekaufmann und bekam sie, obwohl mein damaliger Chef zwischen sehr vielen Bewerbern auswählen konnte. Die Menschen spüren, wenn man es ehrlich meint, fleißig ist und etwas schaffen will, was nicht nur den eigenen Interessen dient, sondern gleichzeitig die Bedürfnisse der anderen einschließt. Dann geben dir die Menschen hier fast immer eine faire Chance und halten zu Dir, auch wenn es mal schwierig wird.
Bitte vollenden Sie folgenden Satz: Chef sein ist für mich…
Mensch zu sein und für meine Mitarbeiter und Mitmenschen da zu sein. Auf diese Weise möchte ich ein Stück von dem zurückgeben, was mir meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Menschen aus meinem persönlichen Umfeld in den vergangenen Jahren gegeben haben. Als ich vor 55 Jahren begonnen habe, hatte ich kein Geld. Ich habe es erst durch den Einsatz aller Beteiligten verdient. Darum ist es mir so wichtig, dass es ihnen gut geht.
Lassen Sie uns bitte einen Blick in die Glaskugel werfen: Was macht Alois Berger in fünf Jahren?
Meine Frau und ich werden in Kürze ein 75.000 Quadratmeter großes Areal auf dem Memminger Flughafen kaufen. Auslöser für diese Entscheidung war ein parkähnlich gestaltetes Grundstück auf dem viele alte Bäume wachsen. Mit dem Erwerb dieses Areals möchten wir vor allem die alten Bäume erhalten. Wir beabsichtigen, den inzwischen etwas verwilderten Park neu zu gestalten und ihn als grünes Erholungsgebiet für die Bürgerinnen und Bürger zu öffnen.
Das alte Offizierscasino auf dem Grundstück werden wir zu einem schönen Café und Restaurant mit angrenzendem Biergarten umbauen. Auch ein Hotelbau, mit 52 Zimmern, wird noch begonnen. In fünf Jahren möchte ich zusammen mit meiner Frau durch diesen Park wandern, die Sonne genießen, dem Gesang der Vögel lauschen und auf der Terrasse des Cafés eine Tasse Kaffee trinken.
Was macht das Unternehmen Alois Berger in fünf Jahren?
Mir ist wichtig, dass wir gemeinsam den Wirtschaftsschock der letzten Monate überwinden und verloren gegangenes Vertrauen in die Wirtschaft selbst, in viele Geschäftspartner und in das Finanzwesen zurückgewinnen. Das Unternehmen Berger hat im vergangenen Jahr zu ersten Mal in seiner 55-jährigen Firmengeschichte Kurzarbeit anmelden müssen. Obwohl wir inzwischen wieder eine sehr gute und stabile Auftragslage haben, sitzt dieser Stachel noch tief. Ich denke, die Berger Gruppe wird in den kommenden fünf Jahren moderat und gesund weiter wachsen. Ganz große, ehrgeizige Wachstumsziele verfolgen wir nicht.
Was bringt Sie persönlich gehörig auf die Palme?
Ungerechtigkeit und politische Schwächen. In den vergangenen Monaten hat mich auch das Verhalten vieler Manager massiv geärgert. Durch ihre vielfach übertrieben vorsichtige Reaktion und die häufig überstürzten, extrem kurzfristigen Auftragsstornierungen haben sie die Wirtschaftskrise an vielen Stellen unnötig verstärkt, ja vielleicht sogar hervorgerufen, und sie zu einer echten Bedrohung für mittelständische Unternehmen gemacht.
Haben Sie ein persönliches Motto? Wenn ja, wie lautet es?
Auf die Menschen zugehen. Mit ihnen reden, ihnen nah sein und sich stets zu den Dingen, die einem persönlich wichtig sind, bekennen.
Wie wird es sein, einem Park mit vielen alten, ehrwürdigen Bäumen ein neues Gesicht zu geben ohne dabei zu stark gestalterisch einzugreifen?
Bald werde ich es wissen…

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