Logistik | 22.02.2010

Schwabens Transporteure in der Krise?
Befinden sich die Transporteure Schwabens in der Krise? Eine Studie zum Transportgewerbe der Region hat alarmierende Ergebnisse: Viele der Befragten fürchten um ihre Existenz.
Im Rahmen einer von der IHK Schwaben begleiteten Bachelorarbeit zur Krise wurden zwölf Frachtführer und Spediteure befragt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sie alle eins gemein hatten: Sie alle berichteten von teils drastischen Auftragsrückgängen von bis zu 50%. Da es sich um eine abgeleitete Nachfrage handelte, ist die Entwicklung des Transportgewerbes eng an die der gesamten Volkswirtschaft gebunden. Mit dem starken Rückgang der industriellen Produktion sank der Bedarf nach Güterverkehrsleistungen drastisch. Denn wenn in der Industrie weniger produziert und gehandelt wird, muss auch weniger transportiert, verpackt und gelagert werden. Die Mehrheit der befragten Unternehmer war von Frachtreduzierungen betroffen. Dies erfolgte teilweise auch rückwirkend.
Abhängigkeit von der Auftrag gebenden Industrie
Das Wegfallen ganzer Aufträge dagegen war eher die Ausnahme. Während einige Unternehmen diese Auswirkungen schon im Herbst 2008 feststellen mussten, hatten andere erst im April 2009 Rückgänge zu verzeichnen. Auch hier zeigt sich die Abhängigkeit von der Auftrag gebenden Industrie. Infolgedessen kam es zu einem Überhang an Laderaumkapazitäten. Das führte zu einer weiteren Intensivierung des Wettbewerbs. Bereits der Wegfall der Tarifbindung Anfang der 1990er-Jahre und die stetige Steigerung des Dieselpreises führten zu einer angespannten Lage im Transportgewerbe. Aber auch die Einführung und Erhöhung der Maut sowie die schrittweise Aufhebung des Kabotageverbotes erschwerten die Bedingungen für Transporteure. Durch die Wirtschaftskrise steht nun für vergleichsweise wenige Güter viel Laderaum zur Verfügung. Dies hat insbesondere auf dem Spotmarkt ein regelrechtes Unterbieten der Beförderungspreise zur Folge. Meist erfolgt dies mithilfe von Online-Frachtbörsen. Wie die Untersuchung ergab, hat sich der Kostendruck im Transportgewerbe seit Sommer 2008 für die schwäbischen Unternehmer noch einmal drastisch verschärft. Hierfür war zunächst der hohe Dieselpreis verantwortlich. Zu Beginn des Jahres 2009 kam noch die Erhöhung der Maut hinzu. Viele Unternehmer klagten, dass sie Letztere in diesen schwierigen Zeiten nur bedingt an ihre Kunden weitergeben könnten. Der vergleichsweise niedrige Dieselpreis zu Beginn des Jahres habe dies nur teilweise ausgeglichen.
Verschlechterung im zwischenmenschlichen Bereich
Alle Unternehmer waren sich einig, dass es schwierig sei, Deckungsbeiträge zu erzielen. Viele Unternehmen mussten feststellen, dass die Zahlungsmoral der Kunden infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise nachgelassen habe. Trotz längerer Zahlungsfristen forderten diese oftmals ihr Skonto. Auch mussten einige Unternehmen bereits von ihrem Pfandrecht Gebrauch machen. Trotz der überwiegend schlechten Erfahrungen bezüglich der Entwicklungen der Forderungseingänge prüfen nur wenige Unternehmen die Bonität von Neukunden. Zeitlich sei dies vor allem bei einmaligen Aufträgen nicht möglich. Durch die Krise habe sich oft auch das Verhältnis zu einigen Geschäftspartnern, insbesondere im zwischenmenschlichen Bereich, verschlechtert.
Umstrukturierungen als Maßnahme
Laut Studie bleibt den schwäbischen Unternehmern nur wenig Spielraum, um den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise entgegenzuwirken. Insgesamt setzten die Unternehmen auf die Abmeldung von Fahrzeugen bzw. auf eine Reduzierung des Fuhrparks. Dies gelingt jedoch nicht immer zufriedenstellend. Aufgrund der Krise sind die Verkaufspreise der Fahrzeuge vergleichsweise niedrig, insbesondere die der Euro- 3-Fahrzeuge. Auch Leasing- oder Mietverträge lassen sich nicht immer ohne Weiteres lösen. Hinzu kommt ein Verlust der Flexibilität. Das Wegfallen der Tarifbindung, die Steigerung des Dieselpreises, die Einführung und Erhöhung der Maut sowie die schrittweise Aufhebung des Kabotageverbotes haben zu einem steigenden Preis- und Kostendruck geführt, so das Fazit der Studie. Infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise ist es zu einem Nachfragerückgang nach Transportleistungen gekommen. Dies hat zu einer weiteren Intensivierung des Wettbewerbs geführt. Einige der befragten Unternehmer sehen in der Krise die Chance zu einer Bereinigung des Marktes. Andere hingegen sind der Meinung, dass dies aufgrund der vergleichsweise geringen Markteintrittsbarrieren nicht zu erwarten ist.
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