Logistik | 29.08.2010
IHK Nord und IHK Schwaben informieren über die maritime Wirtschaft.
Maritime Wirtschaft ist keine Exklusivangelegenheit der Küsten. 70 Prozent der Wertschöpfung findet in der Zulieferer-Industrie statt. Und diese sitzt zum großen Teil im Süden. Die Zusammenhänge verdeutlichte eine Roadshow der IHK Nord. Sie fand auf Einladung der IHK Schwaben unter dem Titel „Die nationale Bedeutung der Maritimen Wirtschaft“ statt.
Zugang zum Meer auch für Schwaben wichtig
"Für einen Produktionsstandort wie Bayerisch-Schwaben ist die Anbindung an den internationalen Verkehr und damit der Zugang zu den großen Seehäfen von elementarer Bedeutung“, eröffnete Andreas Kopton die Veranstaltung am 24. August im Jakob Fuggersaal der IHK Schwaben. "Manch einer wird sich gewundert haben, warum die Veranstaltung Maritime Wirtschaft den Hafen Augsburg ansteuert", griff Jochen Homann, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie den Aspekt auf und erklärte: "Weil Schifffahrt und Meerestechnik nicht nur in Küstennähe stattfindet." In diesem Bereich sind bundesweit rund 400.000 Mitarbeiter beschäftigt. Erwirtschaftet wird ein Umsatzvolumen von rund 64 Millionen Euro. Die Stärken liegen vor allem in der Innovationskraft, die denSchiffsbau aus der Krise bringen kann. Ansätze dafür sieht er im Spezial-Schiffbau. Denn im Massengeschäft haben Länder wie Korea den Markt besetzt. Aktuell sollen rund 180 Forschungsprojekte langfristig die Technologieführerschaft und einen Nischenplatz am Weltmarkt sicher stellen. Ziel ist es, den deutschen Marktanteil von weltweit derzeit drei Prozent zu verdoppeln.
Politik und Wirtschaft sind sich einig
Wie sich Bund und Länder für die Rolle der maritimen Wirtschaft einsetzen, diskutierte eine Runde auf dem Podium unter Leitung von Prof. Dr. Hans-Jörg Schmidt-Trenz. Er ist der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg. Mit von der Partie war auch Ulf Zumkley, Leiter des Referats Maritime Wirtschaft im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Außerdem Joost de Jager, Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein. Sokrates Tolgos war für MAN Diesel & Turbo SE vor Ort. Genauso der europäische Logistikleiter Bernd Schmidt als Vertreter des Papierherstellers UPM Kymmene. Der Seeweg sei ganz klar eine kosteneffiziente Art des Transports. Doch auf den Weltmeeren sind derzeit lediglich 3.500 Schiffe unter deutscher Flagge unterwegs. Sie übernehmen rund zehn Prozent der Welttonnage. Dafür ist bei der Hälfte der weltweiten Flotte einMAN Antrieb eingebaut.Deutschland ist Weltmarktführer und Innovationstreiber in der Zulieferer-Industrie. Kaum ein süddeutsches Unternehmen pflegt Beziehungen zu Werften und Reedereien.Doch nach Meinung von Zumkley ist die Wahrnehmung der maritimen Wirtschaft weiter als zu Kanzler Kohls Zeiten. Dieser konnte eine Werft angeblich nicht von einer Reederei unterscheiden. Trotzdem unterstreicht er, dass das Image noch zu sehr mit dem Untergangsszenario der Werften verknüpft wird. Zu diesem Punkt forderte de Jager eine verstärkte Lobbyarbeit auf Bundesebene. Die maritime Wirtschaft müsse in der Arbeit der Bundesregierung den gleichen Stellenwert wie Luft- und Raumfahrt bekommen.
Leistungsfähige Infrastruktur ausbauen
Vom logistischen Standpunkt aus betrachtet, verdeutlichte Schmidt die Bedeutung der Maritimen Wirtschaft. Bauen Logistikpartner wie DB Schenker oder Reedereien in Krisenzeiten Kapazitäten ab, lassen sich diese nicht so schnell wie notwendig wieder aufbauen. Zudem klagte er, dass Containerterminals vor allem das in Augsburg-Oberhausen überlastet seien. Er forderte die Prioritäten auf einen schnellen Ausbau der Infrastruktur zu legen. Diesen Punkt unterstützte im Publikumauch Landtagsmitglied Eberhard Rotter. Bei der exportorientierten Leistungskraft von Bayerisch-Schwaben betonte er die Notwendigkeit leistungsfähiger Schienenanbindung. Und das nicht nur zu den norddeutschen sondern auch zu den nur 570 Kilometer entfernten Südhäfen wie Triest. „Verkehrsadern sind die Lebensadern unserer Wirtschaft. Bei der Infrastruktur darf nicht gespart werden“, warnt er. Schmidt von UPM unterstrich, wie wichtig es ist, die Wahrnehmung in der Bevölkerung zu schärfen. Denn ein Exportweltmeister ist gleichzeitig auch ein Transportweltmeister.Hier wirke sich eine Streckensperrung wie in Dinkelsbühl seiner Ansicht nach negativ auf das Image des Logistikstandortes Schwaben aus.
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