Logistik | 25.11.2009

IHK-Ausschuss für Verkehr und Logistik: Alfred Kolb
Dem Verkehrsausschuss der IHK Schwaben gehören 45 Mitglieder an. Seit 2004 ist Alfred Kolb, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Andreas Schmid Logistik AG,
Ausschussvorsitzender.
Womit befasst sich der IHK-Verkehrsausschuss und wie oft trifft er sich?
Alfred Kolb: Der Verkehrsausschuss trifft sich dreimal, der Vorstand durchschnittlich sieben Mal im Jahr. In erster Linie stehen dabei alle relevanten Fragen aus Verkehr und Logistik an, die den Kammerbezirk der IHK Schwaben betreffen. Aber auch solche, die darüber hinausgehen. So legen wir verstärkt Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit angrenzenden Industrie- und Handelskammern. So beispielsweise bei den Themen A8, ICE-Nordanbindung und Fernpass-Sperrung.
Wie stellt sich die aktuelle Situation der Verkehrs- und Logistikbranche in Schwaben dar?
Kolb: Ich kann nicht für alle Unternehmen in der Verkehrs- und Logistikbranche in Bayerisch- Schwaben sprechen. Allerdings lässt sich aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung tendenziell in der Branche ein Mengen- und Umsatzrückgang verzeichnen. Die Ausprägungen auf die Unternehmen sind je nach Branchenzugehörigkeit und Unternehmensbereichen sehr unterschiedlich. So sind reine Automobilzulieferer stärker von der Konjunkturflaute betroffen, während andere Branchenbereiche bereits wieder Licht am Ende des Tunnels sehen. Zusätzlich erschwert wurden die Rahmenbedingungen speziell für das Transportgewerbe durch die Novellierung der Lkw-Maut zum 1.1.2009. Die emissionsbezogene Mauterhebung hat dazu geführt, dass die Gebühren für Fahrzeuge der Euro-3-Klasse gegenüber der Euro-5-Klasse drastisch erhöht wurden. Davon waren zum großen Teil Lkw betroffen, die erst rund zwei Jahre zuvor erworben wurden.
Gesetze, Vorschriften und verkehrspolitische Entwicklungen sollen nicht an den Unternehmen vorbeigehen. Wie können Sie die Stimme der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft sein und Einfluss auf die Politik nehmen?
Kolb: Indem wir verstärkt den persönlichen Dialog mit politischen Entscheidungsträgern aller Parteien suchen und auf die Probleme und Anforderungen der Verkehrs- und Logistikbranche hinweisen. Unsere Veranstaltungen und Fachvorträge tragen darüber hinaus dazu bei, ein zusätzliches Diskussions- und Austauschforum für Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu schaffen.
Welche Verkehrsthemen stehen im Mittelpunkt?
Kolb: Bei der ersten Sitzung haben die Ausschussmitglieder gemeinsam die Schwerpunkte des zukünftigen Arbeitsprogramms festgelegt. An oberster Stelle steht dabei der Kampf gegen die Sperrung der B25 in Dinkelsbühl. Weitere Top-Themen sind der viergleisige Ausbau der Bahnstrecke Augsburg- München, die ICE-Nordanbindung, die Verkehrsführung am Augsburger Königsplatz, die Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs sowie die Entwicklung des Güterverkehrskonzeptes für die Region Schwaben.
Was konnte der Ausschuss bisher erreichen?
Kolb: Der Ausschuss unterstützt und begleitet aktiv laufende und zukünftige Logistik- und Verkehrsprojekte in der Region. Unser Ziel ist es, durch die Kooperation mit den jeweiligen Ansprechpartnern in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Kommunen, Planungs- und Genehmigungsbehörden Projekte zu initiieren, zu planen und die termingerechte Realisierung zu begleiten. Darüber hinaus organisieren wir beispielsweise konzertierte Aktionen wie die A8-Initiative, die einen erfolgreichen Beitrag zum beschleunigten Ausbau der gesamten Strecke geleistet hat: 1.400 Unternehmerunterschriften wurden gesammelt und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee überreicht, eine Pressekampagne begleitete die Aktion. Parallel dazu wurden Gespräche auf politischer Ebene mit allen Parteien geführt, um das Projekt voranzutreiben.
Wie ist Ihre Stellungnahme zur Sperrung der B25 und was kann der Ausschuss hier noch erreichen?
Kolb: Die Sperrung der B25 ist ein politischer Skandal, der nicht toleriert werden darf. Die Maßnahme wird sich nicht nur negativ auf die Wirtschaftsregion Bayerisch-Schwaben auswirken. Es besteht auch die Gefahr der weiteren Ausbreitung von Sperrungen in anderen Bundesländern, die diesem Beispiel folgen. Im Fall der B25 werden aus unserer Sicht Steuergelder verschwendet. Der Bau der Straße wurde aus dem Steuerfinanztopf finanziert und nach den Anforderungen des Schwerlastverkehrs konzipiert. Die Sperrung dieser wichtigen Nord-/ Südverbindung ist eine verkehrspolitische Fehlentscheidung und muss sowohl durch Klage wie auch durch die Einflussnahme auf sämtliche politische Mandatsträger korrigiert werden.
Wie können Sie die Erfahrungen aus Ihrem Unternehmen, das international tätig ist, einbringen?
Kolb: Aufgrund der internationalen Aktivitäten der Andreas Schmid Logistik AG zeigt uns die Erfahrung, dass eine funktionierende Logistik- und Verkehrswirtschaft die Voraussetzung für eine erfolgreiche Volkswirtschaft ist. Unser praktisches Know-how bei Projektplanungen, Prozesssteuerung bzw. Projektoptimierung sowie im sicheren Umgang mit aktuellen Vorschriften, Verträgen etc. fließt selbstverständlich laufend in die ehrenamtliche Tätigkeit mit ein.
Wie schätzen Sie die Bedeutung des Verkehrsgewerbes auf die Wirtschaft ein?
Kolb: Die Bedeutung des Verkehrsgewerbes auf die Wirtschaft ist enorm: Nach Umsätzen gerechnet ist die Logistikwirtschaft die drittgrößte deutsche Wirtschaftsbranche nach der Automobilwirtschaft und dem Maschinenbau. Auch international gesehen steht die Logistikwirtschaft an dritter Stelle der großen europäischen Wirtschaftsbranchen. Allein in Deutschland sind 2,7 Mio. Menschen in 60.000 Unternehmen beschäftigt, die einen geschätzten Umsatz von 205 Mrd. Euro (2007) erwirtschaftet haben. Innerhalb der europäischen Union ist Deutschland damit der bedeutendste und größte Logistikmarkt.
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