Expertentipps | 06.12.2011

Kleinunternehmen in Deutschland: Innovativ, kreativ aber wenig IT-erfahren.
Neun von zehn KMUs in Europa – gut 19,2 Millionen Betriebe – sind kleine und Kleinstunternehmen. Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern erbringen den Löwenanteil der Wertschöpfung aller KMUs und beschäftigen ein Drittel aller Arbeitnehmer in der EU.
Und doch – kein anderes Wirtschaftssegment bleibt von der Öffentlichkeit so konsequent unbeachtet. Ein Grund dafür: Es handelt sich um eine sehr heterogene Gruppe kleinster Firmen mit einer Vielzahl von sehr branchenindividuellen Interessen. Was sie vereint, ist ihre hohe Innovationskraft, ihre Kreativität und besondere Fähigkeit zur Anpassung.
Einblicke
Als führender Anbieter von Druckern, Scannern und Projektoren auch speziell für dieses Segment hat Epson ein Projekt initiiert, das Themen rund um die Geschäftsprozesse und täglichen Herausforderungen kleinster Unternehmen beleuchtet. Unter dem Namen „Epson Business Council“ diskutieren Vertreter von Hochschulen, Unternehmern und Wirtschaftsverbänden Fragen der Betriebsführung und -finanzierung und geben Anregungen zum Einsatz von IT. Anfang November traf sich das Business-Council bereits zu seiner zweiten Gesprächsrunde. Anlass war die Vorstellung einer Europastudie unter 1.200 Geschäftsführern über die konkreten Herausforderungen von Kleinbetrieben in der aktuellen wirtschaftlichen Lage.
Kundenkontakt – Fehlanzeige?
Kernaussage der Studie: Bislang nutzen kleine Firmen Informationstechnologien wenig als Möglichkeit zur Entlastung von administrativen Aufgaben. Geschäftsführer, die auf ältere Systeme vertrauen, verbringen überdurchschnittlich viel Zeit mit Wartungs- und Administrationsaufgaben. Zugleich wenden Firmenleiter, beispielsweise in Großbritannien, nur rund ein Drittel ihrer Arbeitszeit für den direkten Kundenkontakt auf.
Die Studie berichtet von länderspezifischen Unterschieden, bei denen deutsche Kleinbetriebe positiv hervorstechen. Sie konzentrieren sich im Europavergleich besonders stark auf die Entwicklung neuer Produkte und die Neukundengewinnung. Parallel dazu aktualisieren heimische Kleinbetriebe ihre IT-Systeme regelmäßig rund alle fünf Jahre. Informationstechnik ist für sie ein Hebel zum geschäftlichen Erfolg – sie sind es auch, die derzeit am stärksten wachsen.
Messung der Produktivität von IT
„Was KMUs europaweit derzeit dringend benötigen, sind Methoden, um den Produktivitätsgewinn durch IT zu messen“, weiß Dr. Harald von Kortzfleisch, Professor für Informationsmanagement und Organisation an der Universität Koblenz-Landau und zugleich deutscher Vertreter des Business Council. „Es ist wichtig, dass gerade kleine Betriebe verstehen und dann berechnen können, dass Informationstechnologie eine geschäftliche Notwendigkeit ist.“
Er rät Kleinunternehmen dazu, den IT-Einsatz anhand der Gesamtheit aller Geschäftsprozesse im Betrieb zu planen. IT-Tools, die das Kundenmanagement erleichtern und Vertriebszyklen verkürzen, stellen einen Baustein dazu dar. Zunehmend muss das eigene Bauchgefühl vieler Firmenleiter einer Geschäftsplanung auf Basis rationaler Daten weichen. Allerdings, so merkt der KMU-Experte an, darf dies dem Entrepreneur-Gedanken nicht entgegen stehen, mit dem viele Kleinstunternehmen erfolgreich sind.
Unternehmen, die Technologieinvestitionen heute aufgrund der Wirtschaftssituation zurückstellen, rät von Kortzfleisch zumindest zur Schaffung eines Arbeitsklimas, das offen für Innovation ist. Die eigenen Mitarbeiter sind hier ein wichtiger Hebel für Prozessoptimierungen. Nach Ansicht des Epson Business Council bieten gerade jedoch Krisenzeiten Kleinbetrieben enorme Chancen, um mit innovativen und IT-basierten Produkten, beispielsweise im Bereich Social Media, erfolgreich zu sein.