Betriebsausflug

Betriebsausflug: Große Fahrt und kleine Ziele

Damals: Kegeln als Firmenevent. Foto: AKG-images
Mit ein paar kreativen Ansätzen ist ein gelungener Betriebsausflug kein Hexenwerk. Vorsicht ist geboten, wenn die Veranstaltung zu erzieherisch ausfallen will.

von Bert Röge

Hinaus in die Ferne mit Butterbrot und Speck…“ Stimmung im Bus und Kalorien im Bauch, das war dereinst die Maxime für einen gelungenen deutschen Betriebsausflug. Heutzutage steht der Erlebnischarakter des gemeinsam verbrachten Tags im Vordergrund – das Miteinander, ohne die gemütlicheren Gemüter im Betrieb
durch zwanghaften Aktionismus auszubremsen. Nicht jeder ist ein Sportler, nicht jede möchte auch noch bei diesem Anlass teambildende Maßnahmen über sich ergehen lassen. Gerät die freundliche Geste für Einzelne zur Belastung, verkehrt sich die Wirkung ins Gegenteil.

Wohin führt der Mittelweg? Von jedem ein bisschen und für jeden ein bisschen. Der Rest ist Mitnahmeeffekt mit positiver Grundstimmung. Den Anfang macht dabei die Sitzordnung auf der Anreise, wobei öffentliche Verkehrsmittel (auch wegen der ökologischen Kopfnote) einen gewissen Charme verbreiten. Achtet die Organisation darauf, dass nicht die üblichen Grüppchen zusammenglucken, können sich in Bahn oder Bus entspannte Gespräche mit jenen ergeben, die einem in der Firma eher weniger begegnen. Setzt sich der Ausflug auf einem Boot, Schiff, Floß oder in einer Sessel- und Gondelbahn fort, kann weitergeplauscht werden.

Steuern und Kosten unter Kontrolle

Was die kulinarischen und unterhaltenden Komponenten des Betriebsausflugs angeht, setzt der Fiskus zwar bestimmte Limits. Doch lässt sich mit dem Kreativpotenzial eines Betriebs auch hier Kapital schlagen: zum Beispiel nur die Zutaten veranschlagen und die Produktion in Eigenregie übernehmen: überm Grill, am Suppenkessel oder wo auch immer sich gemeinsam kochen lässt. Oder Kosten nur für das Material ausgeben, aus dem dann die schönsten Papierflieger, Kastendrachen oder Rindenboote für den abschließenden Wettbewerb gebastelt werden.

Wichtig für das Betriebsklima ist es auch, an die Einbeziehung von Teilzeitkräften und „Stallwache“ zu denken. Oder einen Rahmen zu finden, der auch jenen die Teilnahme erlaubt, die sich um schulpflichtige Kinder kümmern müssen. Hier ist zum Beispiel ein abendlicher Ausklang am Betriebsort denkbar, zu dem dazustoßen kann, wer nicht mit auf Tour war. Andererseits sollten Vorgesetzte darauf achten, dass sich auch wirklich nur jene vom Ausflug „ausklinken“, deren anderweitige Anwesenheit unverzichtbar ist. Sonst bekommt der Betriebsausflug den Beigeschmack der Beliebigkeit.

Besuch bei Freunden

Wenn die Chemie stimmt, lassen sich Betriebsausflüge durchaus mit Besuchen bei befreundeten Unternehmen verbinden. Dort könnte man sich die Heimatregion zeigen lassen, einen gemeinsamen Bolz oder einen Produkttest veranstalten – Weinkeller oder Schokoladenfabrik wären hier prädestinierter als ein Recyclingbetrieb. Dennoch: Erst neue Wege und neue Ziele machen aus einer Routineveranstaltung ein Erlebnis, das im Gedächtnis bleibt.

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