Mobilität unter Strom

Lautlos auf Dienstfahrt

Symbolbild.  Copyright: Mihajlo Maricic / iStock
Bei Unternehmen in Bayerisch-Schwaben, die viele Kurzstreckenfahrten zu absolvieren haben, steigt die Beliebtheit von Elektroautos – besonders wenn sich diese komfortabel mieten lassen.

von Dr. Hans-Dieter Radecke

Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet – So könnte man wohl etwas drastisch das Schicksal der Elektromobilitätsinitiative der Bundesregierung beschreiben, die (offiziell immer noch) vorsieht, dass im Jahr 2020 eine Million Elektroautos aller Art über Deutschlands Straßen rollen. In den verbleibenden vier Jahren müsste sich die Zahl der E-Fahrzeuge also gegenüber dem derzeitigen Stand vervierzigfachen …

Obwohl es also langsamer voran geht als geplant, wächst das Interesse bei einer kleinen Nutzerschicht seit Jahren an. Dazu gehören nicht zuletzt mittelständische Unternehmen, die entweder Elektro­autos in kleiner Zahl in ihre Dienstfahrzeugpools aufnehmen oder im Rahmen von Carsharing-Programmen mieten.

Autos mit reinem Elektroantrieb sind nichts wirklich Neues. Zwischen 1900 und 1910 gab es sogar einen regelrechten E-Mobilitätsboom. Dass dieser bald am Ende war, hatte denselben Hauptgrund, der heute noch die Entstehung eines Massenmarkts behindert: die verglichen mit den fossilen Antrieben geringe Reichweite von nur rund 100 Kilometern. Zwar verbessert sich dieser Wert mit der Einführung neuer Modelle langsam, aber – da sind sich die Experten einig – wirklich sinnvoll lassen sich E-Autos vor allem im Stadtverkehr nutzen.

In Sachen Reichweite hat schon so mancher Lehrgeld gezahlt

Dass die Reichweite ein stark einschränkender Faktor ist, zeigen vielfältige Erfahrungsberichte mit den E-Fahrzeugen. Stellvertretend für Zahllose andere steht ein Lehrgelderlebnis von Uwe Kunath, verantwortlich für das Fuhrparkmanagement bei den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm. Sein Unternehmen nutzt bereits seit über fünf Jahren zwei Mitsubishi-E-Autos als Teil des Betriebsfuhrparks. „Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Abenteuer in Sachen E-Mobilität: Als die neuen Fahrzeuge auf dem Hof standen, beschloss ich, nach Arbeitsschluss eine kurze Tour auf der Autobahn von Ulm nach Günzburg und zurück zu machen. Im Handbuch war die Reichweite mit 110 Kilometern ausgewiesen, mein Trip sollte nicht viel mehr als die Hälfte in Anspruch nehmen. Doch das Problem war: Die angegebene Reichweite bezieht sich auf optimale Bedingungen. Es herrschte aber winterliches Regenwetter und war stockfinster, sodass ich auf der Fahrt viele Stromverbraucher einschalten musste: Heizung, Sitzheizung, Licht und Scheibenwischer, was die Akkuladung rapide herunterschraubte. Auf der Rückfahrt von Günzburg nach Ulm blieb ich liegen, die Kollegen mussten ausrücken und mich abschleppen. Nachteilig ist natürlich auch die Aufladezeit von rund einem halben Tag. Da kann nicht schnell mal ein Freund mit einem Benzinkanister vorbeikommen.“

Wer allerdings die Fahrtbedingungen – zu denen neben Wetter und Entfernung auch die Zuladung gehört – gut überblicken kann, findet durchaus Situationen, die für den Einsatz der Elektroautos geeignet sind, erklärt Uwe Kunath von den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm: „Wenn man sich auf den Stadtverkehr beschränkt und sein Fahrzeug nach jeder Fahrt wieder an die Ladesäule hängt, sind die Autos eine gute Wahl. Unsere Fahrzeuge haben derzeit eine verlässliche Reichweite von 70 Kilometern, sind also für den Stadtbereich ausreichend. Die guten Fahreigenschaften und die Laufruhe sind beeindruckend. Für Unternehmen, die viele Servicefahrten mit nur einer Person und begrenzter Zuladung sowie in einer begrenzten Region durchführen, sind die Autos ideal.“

Mieten statt kaufen: Immer mehr Unternehmer entdecken das E-Carsharing

Elektroautos im eigenen Fuhrpark wollen und können sich nur die wenigsten Mittelständler leisten. Der Elektrokollege des VW Golfs beispielsweise startet brutto bei 36.730 Euro – der Benziner bei 17.850 Euro. Das kann abschrecken. Daher erfreut sich die Buchung innerhalb von Carsharing-Angeboten bei den Firmen stetig wachsender Beliebtheit, wie Benedikt Schneider, verantwortlich für das ­Geschäftskundenmanagement der Stadtwerke Augsburg Carsharing-GmbH, gegenüber unserer Redaktion bestätigt: „Unter den 48 Fahrzeugen unseres Angebots sind je zwei e-Golf und BMW i3, die für kurze Fahrten gerne gebucht werden. Die Vorteile für Firmenkunden sind vor allem die Kostenersparnis gegenüber dem Kauf, die große Flexibilität und Verfügbarkeit sowie kurzfristige, unproblematische Zugriffsmöglichkeiten an den derzeit drei zentralen E-Fahrzeug-Standorten.“

Zu den Nutzern von E-Autos aus dem Car­sharing-Angebot der Stadtwerke Augsburg gehört auch das Unternehmen BoConcept. Die Augsburger Filiale des dänischen Anbieters von Designmöbeln liegt direkt im Stadtzentrum, in unmittelbarer Nähe des Rathauses, und damit auch nur wenige Geh­minuten von den swa-Carsharing-Parkplätzen entfernt.

Flexibel und Nachhaltig: wie das Unternehmen, so das Auto

Die Gründe, die Kosta Markov, Einrichtungs­berater bei BoConcept, für die fast tägliche Buchung eines BMW i3 angibt, machen deutlich, wo die bevorzugten Nutzungsnischen für Elektrofahrzeuge heute liegen: „Zur BoConcept-Strategie gehört die Vor-Ort-Beratung: Da es stets um individuelle Kundenbedürfnisse geht, besprechen und planen wir das Design ganz häufig direkt vor Ort mit den Kunden, wo wir anhand von Mustern und 3D-Planungssoftware das Einrichtungskonzept visualisieren“, erklärt der Einrichtungsberater. „Daher sind wir sehr oft auf relativ kurzen Strecken in der Region unterwegs, bei denen meistens weniger als 50 Kilometer zusammenkommen. Hier können wir die Vorteile der Elektroautos nutzen – hervorragendes Fahrverhalten im Stadtverkehr, umweltfreundlicher Antrieb –, ohne dass der Nachteil der geringen Reichweite eine Rolle spielt.“

Neben den praktischen Vorteilen der E-Autos seien es auch ökologische Gründe, aus denen die Designmöbelspezialisten von BoConcept den Einsatz der Stromer bevorzugen: „Wer wie ­BoConcept großen Wert auf Nachhaltigkeit der eigenen Produkte legt, sollte das auch im Geschäftsalltag demonstrieren und überall, wo das möglich ist, nachhaltige Lösungen den traditionellen vorziehen.“

Auf die Frage, für welches Fahrzeug, Elektro-BMW oder die Benzinvariante, er sich bei freier Auswahl entscheiden würde, zögert BoConcept-Einrichtungsberater Kosta Markov keine Sekunde: „Die Elektroversion. Sie zu fahren, macht einfach Freude. Lautloses Gleiten, hervorragende Beschleunigung – das verschafft Fahrspaß, sogar im hektischen Stadtverkehr.“

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