Nutzwert auf Rädern

Die Firma auf der Straße

Die Firma auf der Straße. Foto: vmm / Rohde Fotografie
Für viele Selbstständige in Bayerisch-Schwaben ist ihr rollender Untersatz mehr als nur ein "Nutz"-fahrzeug. Doch nach welchen Kriterien wählen Geschäftsführer in der Region ihre Fahrzeuge? Die B4B-Redaktion hat bei den Spezialisten in Bayerisch-Schwaben nachgefragt.

von Andreas Zilse

Günstiger Preis, Robustheit, lange Lebens- dauer, geeignete Aufbauten. Glaubt man der Marktforschung, sind das die ausschlaggebenden Argumente beim Kauf eines Nutzfahrzeugs. Doch worauf kommt es den Geschäftsführern in der Region Bayerisch-Schwaben an? B4B ist dieser Frage nachgegangen und hat bei Spezialisten in der Region gefragt, was Kunden wichtig ist.

Andreas Haller, Haller Nutzfahrzeuge: Effizienz für den Fuhrpark

Wenn es um Kompetenz beim gewerblichen Fuhrpark geht, dann gehört der Familienbetrieb Haller zu den ersten Adressen in Augsburg. „Aus unserem täglichen Kontakt mit Gewerbetreibenden wissen wir, dass es immer um die bestmögliche Effizienz im Fuhrpark geht. Die vorrangigsten Kriterien, nach denen unsere Kunden ihre Nutzfahrzeuge auswählen, sind neben dem Preis-Leistungs-Verhältnis vor allem branchenspezifische Anforderungen wie Nutzlast, Verbrauch, Aufbauvarianten sowie Einsatzmöglichkeiten und Einsatzqualität“, erklärt Andreas Haller, der inzwischen in der fünften Generation den Gersthofer Familienbetrieb führt. Bei der Ausstattung gehe es vornehmlich darum, das Innenleben zu 100 Prozent auf die spezifischen Branchenanforderungen des Gewerbes anzupassen. „Wir verstehen das Nutzfahrzeug als erweitertes Handwerkszeug unserer Kunden“, sagt Haller. In der Transporterklasse sei bei Handwerkern, Dienstleistern oder Transportlogistikern derzeit vor allem der Iveco Daily beliebt, weil neben Variantenvielfalt besonders die Nutzlast durch ein geringes Eigengewicht sehr hoch sei. Die Marke sieht Andreas Haller aber eher als zweitrangigen Kaufgrund. Ausschlaggebend sei vor allem, dass sich der Kunde gut aufgehoben fühle, eine persönliche Betreuung und einen allumfassenden Service erhalte – vom individuellen Aufbau bis zur kompetenten Unfallreparatur, alles aus einer Hand.

Thomas Schek, Mercedes-Benz: Der Sprinter hat eine ganze Fahrzeugklasse definiert

Wer hat die beste Beratungsleistung, das umfangreichste Dienstleistungsangebot und die höchste Wirtschaftlichkeit? – Das sind laut Thomas Schek, Bayerns Transporterexperte bei Mercedes-Benz, entscheidende Kriterien für den professionellen Einsatz von Nutzfahrzeugen. Für viele Unternehmer sei dabei wichtig, was am Ende der vier- bis fünfjährigen Nutzungsdauer das Auto unterm Strich gekostet habe. „Wer über die gesamte Laufzeit Beratungskompetenz, ein maßgeschneidertes Dienstleistungspaket und Transparenz bietet, ist bei gewerblichen Kunden die erste Wahl“, so Schek weiter. Hoch im Kurs sei wegen der Zuverlässigkeit, den Verbrauchsdaten und Werkstattintervallen bei Kunden vor allem der „Sprinter“. Das habe mitunter auch histo-rische Gründe. „Mercedes-Benz hat mit dem Sprinter in den 1960er-Jahren für die ganze Branche eine neue Fahrzeugklasse definiert“, erklärt Schek. „Mit den weiteren Modellen Titan und Vito biete man zudem das breiteste Angebot aller Hersteller. Modellübergreifend könne man mit allen Baureihen rund 25.000 verschiedene Fahrzeugkombinationen bauen – in unterschiedlichen Fahrzeuggrößen, mit branchenspezifischen Einbauten und individualisierten Ausstattungsmerkmalen. „Somit können wir jedes Segment bedienen und haben für jeden Transport ein passendes Modell verfügbar“, resümiert Schek.

Jürgen Schwarzhuber, Schwaba: Volkswagen punktet mit Modellvielfalt

Bei Volkswagen ist ebenfalls Modellvielfalt Trumpf. „Allein beim Crafter gibt es 287 verschiedene Modellvarianten, die auf branchenspezifische Anforderungen eingehen“, erklärt Jürgen Schwarzhuber vom Schwaba Nutzfahrzeug-Zentrum Augsburg-Süd. „Am beliebtesten sind der Caddy als Einstiegsmodell in 150 Varianten und das VW-Bus-T-Modell, das in bis zu 300 individuellen Modellversionen verfügbar ist“, so Schwarzhuber weiter. Unterscheidungsmerkmale seien neben den branchenspezifischen Optionen vor allem die variierende Tonnage, die Größe und das Gewicht.
Der typische VW-Kunde bevorzuge einen Crafter-Kastenwagen und individualisiere dann mit diversen Ausbaumöglichkeiten, vom Holzboden bis hin zum Sortimo-Spezialausbau. „Unsere Kunden schätzen vor allem Qualität, Flexibilität und Modellvielfalt, wie beispielsweise unterschiedliche Radstände oder Dachaufbau-Höhen.“ Aber auch bei der Wirtschaftlichkeit und den Unterhaltskosten sieht Schwarzhuber bei Volkswagen Vorteile. Zu Fixpreisen biete man spezielle Dienstleistungspakete an in Bezug auf Wartung und Verschleiß mit verlängerten Inspektionsintervallen oder auch erweiterten Garantieleistungen – das mache für vorausschauende Unternehmer den Unterschied.
Im markenübergreifenden Modellvergleich haben deutsche Marken bei den Aufbauspezialisten Attinger, Kögl und Co. klar die Nase vorn, weil dort die Nutzlast am höchsten sei. „Mit Sonderlösungen wie einem speziellen ALKO-Fahrgestell mit verlängertem Radstand und Zwillingsachse heben sich Premiumanbieter wie VW oder Mercedes-Benz von günstigeren Herstellern ab. Solche Speziallösungen können andere gar nicht“, meint Schwarzhuber.

André Horn, Autohaus Mayrhörmann: Der Fiat Ducato ist in vielen Gewerben daheim

Für einen Fiat entscheiden sich Gewerbekunden wegen dem Preis-Leistungs-Verhältnis: „Oft werden die Modelle einzelner Marken miteinander verglichen und am Ende ist das Hauptkriterium schlichtweg der Preis“, sagt André Horn, Nutzfahrzeugspezialist beim Autohaus Mayrhörmann in Biburg. Danach würden Laderaumgröße und Fahrzeuggewicht zu wichtigen Merkmalen beim Kauf eines Nutzfahrzeugs zählen, verrät Horn. „Unser gängigstes Modell ist der Ducato, der durch seine Funktionalität für verschiedenste Gewerbesparten einsetzbar ist.“ In der Basisvariante wird der Ducato mindestens mit einem Speditionspaket, also Boden- und Seitenverkleidung, geordert. Durch spezifische Ausstattungsmodule lässt sich der italienische Transporter ganz für den individuellen Verwendungszweck ausstatten – ob Schreiner, Installateur, Maler oder auch Kurierdienstleister. „So können bereits ab Werk Regale, Schraubstöcke, Flaschenhalterungen oder auch Kühlausbauten montiert werden“, erläutert Horn weiter. Bei Kunden hätten Fiat-Transporter einen guten Ruf und seien beliebt wegen langer Laufleistung: „Nicht selten kaufen wir Fahrzeuge nach Vertragsablauf mit 600.000 Kilometern Laufleistung zurück, die danach ins Ausland gehen und noch lange weiter auf den Straßen unterwegs sind.“

Peter Klöck, WWK Haustechnik: Sortimo überzeugt im täglichen Einsatz beim Kunden

Wenn es um maßgeschneiderte Fahrzeugeinrichtung geht, ist Sortimo seit über 40 Jahren für viele Unternehmer die erste Adresse. Ob Handel, Handwerk oder Industrie, der Spezialbetrieb aus Zusmarshausen bietet für jeden Einsatz branchengerechte Lösungen. Überzeugt von der flexiblen Anwendung und Wirtschaftlichkeit ist auch Peter Klöck von WWS Haustechnik aus Marktoberdorf. „Gerade im täglichen Kundendienst hat sich die Sortimo-Einrichtung bewährt. Eine enorme Erleichterung sind besonders die stapelbaren Spezialboxen. Durch eine maximale Platzausnutzung benötigen wir insgesamt weniger Koffer pro Kundendiensteinsatz. Das bedeutet reduzierte Laufwege und ein geringeres Grundgewicht.“ Deswegen hat der Allgäuer Installateurbetrieb jetzt auch das neueste Servicemobil komplett von Sortimo ausbauen lassen und zudem eine größere Menge an Boxen nachbestellt. „Durch die flexible Innenstruktur können wir jede Box individuell auf unsere Bedürfnisse anpassen, alles ist immer sortiert und sofort griffbereit“, resümiert Handwerker Klöck. 

Und was wird die Zukunft bringen? Experten gehen davon aus, dass sich in den nächsten zehn bis 15 Jahren die Nutzfahrzeugbranche komplett verändern wird: „Bei der Antriebstechnik ist der technologische Wandel mit dem steigenden Einsatz von Erdgas- und Elektromotoren bereits voll im Gange. Autonomes Fahren wird darüber hinaus für mehr Dynamik, Effizienz und Sicherheit auf den Straßen sorgen“, prophezeit Andreas Haller.

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