Schönwetter-Phase über der schwäbischen Konjunktur?

Tobias Keck, bendl, zum Bau-Boom: „Der Schein trügt“

Tobias Keck, Geschäftsführer bei bendl. Foto: Dipl.-Ing. H. Bendl GmbH & Co. KG
Kluge Köpfe aus der Welt des Bauens und der Architektur in Bayerisch-Schwaben stellen sich der Herausforderung unseres Fragebogens. In Folge 1: Tobias Keck, Geschäftsführer beim Dipl.-Ing. H. Bendl GmbH & Co. KG Bauunternehmen in Günzburg.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Keck, wenn Sie heute aus dem Fenster schauen: Welches „Wetter“ sehen Sie über der schwäbischen Bau-Konjunktur?

Tobias Keck: Friede, Freude, eitel Sonnenschein. Aber der Schein trügt. Die Problematik der fehlenden Grundstücke wird das Thema weiter aufheizen und auch die Preise weiter nach oben treiben.

Erwarten Sie in nächster Zeit größere Veränderungen?

Nein. Es besteht nach wie vor Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Eng verknüpft ist mit diesem Thema auch der soziale Wohnungsbau. Sollte die Konjunktur weiterhin so positiv weiterlaufen wie im Moment, wird auch im Industrie- und Gewerbebau weiter investiert werden.

Wenn Sie Auftraggeber von gewerblichen Bauprojekten heute mit denen von vor zehn oder 15 Jahren vergleichen: Was hat sich verändert?

Der architektonische Anspruch ist deutlich angestiegen. Mit quadratisch, praktisch, gut kann man sich heute nicht mehr vom Wettbewerb abheben. Die Menschen suchen das Besondere.

Wo ist für Sie in Sachen Gewerbebau der aktuelle „Hot Spot“ in Bayerisch-Schwaben?

Zwischen Ulm/Neu-Ulm und Augsburg.

Was ist Ihr persönliches Vorzeige-Objekt – und warum?

Das Verwaltungsgebäude der Firma KÖGL GmbH in Bubesheim. Wir konnten das bisherige Bestandsgebäude von 1989 und 2000 zu einer architektonisch sehr markanten Lebenswelt weiterentwickeln.

Welchen guten Rat haben Sie für gewerblichen Bauherrn?

Individueller Service, eine wirtschaftliche und energieeffiziente Bauweise, Nachhaltigkeit und Design lassen sich vereinen. Überzeugen Sie sich von Referenzprojekten und sprechen Sie am besten mit den Bauherren. Nur so bekommen Sie aus erster Hand glaubwürdige Erfahrungen und können für sich Vertrauen zum richtigen Partner schaffen.

Welche technische Entwicklung oder Innovation verändert gerade Ihre Branche?

Der Einsatz von Virtual Reality bei Entwurfsplänen. Was bis jetzt auf Bildschirmen in 3-D präsentiert wurde, wird durch Virtual Reality in Echtzeit erlebbar.

Von welchem Baustoff oder -material geht gerade die größte Anziehungskraft oder Begeisterung aus?

Von eingefärbten Beton-Fertigteilen in Kombination mit Glas für transparente Fassadenbereiche.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung für die Branche und für Ihr Unternehmen?

Die Digitalisierung spielt eine immer bedeutendere Rolle in der Baubranche, vor der wir uns nicht verschließen dürfen. Sie bietet Chancen, um noch effizienter, wirtschaftlicher und deutlich einfacher zu arbeiten.

In einzelnen Bereichen konnten wir die Digitalisierung schon erfolgreich umsetzen. Dazu gehört der Einsatz von Smartphones, Tablets und Notebooks. Dies erleichtert den Informationsaustausch deutlich. Außerdem nutzen wir Laser-Scanner, die in wenigen Minuten ein früher oft wochenlang dauerndes Bestandsaufmaß aufnimmt. Dies spart Zeit, die Realisierung von Projekten wird kostengünstiger und ist körperlich weniger anstrengend als früher.

Berührt Sie der Fachkräftemangel?

Auch wir sehen uns mit diesem Thema konfrontiert. Allerdings können wir uns im Moment nicht beklagen.

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