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Stephan Deurer: Das prägt die Baubranche 4.0

Der Augsburger Bauunternehmer Stephan Deurer. Foto: asset bauen wohnen gmbh
Kluge Köpfe aus der Welt des Bauens und der Architektur in Bayerisch-Schwaben stellen sich der Herausforderung unseres Fragebogens, der Ein- und Ausblicke in eine ebenso bodenständige wie kreative Branche liefert. Folge 3: der Augsburger Bauunternehmer Stephan Deurer.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Deurer, wenn Sie heute aus dem Fenster schauen: Welches „Wetter“ sehen Sie über der schwäbischen Baukonjunktur?

Heiter mit einem wunderbaren Sommer, wenn Augsburg seine Hausaufgaben macht. Mit dem Universitätsklinikum werden ab 2019 rund 100 neue Professoren und um die 1.500 Studenten nach Augsburg kommen. Die Weiterentwicklung des Innovationsparks und der hohe Kostendruck in München werden weitere Unternehmen in die Fuggerstadt ziehen. Alle brauchen ein Dach über dem Kopf und moderne Büros, um qualifizierte Mitarbeiter zu binden.

Erwarten Sie in nächster Zeit größere Veränderungen?

Um die beschriebenen Entwicklungen zu stemmen, wird in den nächsten Jahren ein Investitions-Volumen von vier bis fünf Milliarden Euro nötig sein. Dieses Geld können die Augsburger Projektentwickler und Investoren, die bisher den Markt mehr oder weniger alleine bestimmen, nicht aufbringen. Wir müssen den Immobilienmarkt daher über die Region hinaus vermarkten und proaktiv die nötigen Rahmen-Bedingungen für die bevorstehenden Prozesse schaffen.

Wenn Sie Auftraggeber von gewerblichen Bauprojekten heute mit denen von vor 10 oder 15 Jahren vergleichen: Was hat sich verändert?

Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung und beobachten, dass überall schneller und effizienter gehandelt wird. Trotzdem benötigen wir mehr Zeit, um ein Projekt von der Planung bis zum Einzug  zu realisieren. Wir warten teilweise über sechs Monate auf eine Baugenehmigung. Hohe Auflagen und gerichtliche Auseinandersetzungen verzögern die Realisierung von Bauprojekten. Sie haben den Kostendruck und das unternehmerische Risiko drastisch erhöht.

Wo ist für Sie in Sachen Gewerbebau der aktuelle „Hot Spot“ in Bayerisch-Schwaben?

Im Augsburg Innovationspark, im Sheridan Park, aber sicherlich auch in ländlicheren Regionen so wie beispielsweise in Nördlingen. Dort entstehen in der Altstadt moderne, nachhaltige Arbeitswelten, die den Standort stärken.

Was ist Ihr persönliches Vorzeige-Objekt – und warum?

Der Sheridan Tower in Augsburg. Mit ihm kommt eine neue Generation von Bürowelten nach Augsburg. Die moderne und hochwertige Grundausstattung der Mietflächen und das technische Gebäude-Konzept schaffen die Basis für motiviertes und effizientes Arbeiten, fördern Teamwork und erhöhen den Wohlfühlfaktor am Arbeitsplatz. Dies ist ein wichtiger Aspekt, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten und so als innovativer Wirtschaftsstandort attraktiv zu bleiben.

Welchen guten Rat haben Sie für gewerbliche Bauherrn?

Neben modernen Kommunikations-Strukturen gehört die Nachhaltigkeit mit zu den Erfolgs-Faktoren einer zukunftsorientierten Büro-Immobilie. Nachhaltigkeit bedeutet, dass die Räume in Immobilien in Zukunft ohne große Zusatzkosten auf sich ändernde Anforderungen angepasst werden können. Sie schafft Aufenthalts-Qualität und Identifizierung. Sie bringt zudem Bewertungs- und Finanzierung-Vorteile, langfristige Werte-Beständigkeit und garantiert geringere Betriebs- und Lebenszyklus-Kosten.

Welche technische Entwicklung oder Innovation verändert gerade Ihre Branche?

Die jungen Generationen ‚Millennium’, ‚Y’ und zukünftig  auch schon ‚Z’ messen ihrem Arbeitsumfeld mindestens genauso viel Bedeutung bei wie der Entlohnung. Sie wollen sich wohlfühlen sowie Arbeit, Familie und Freizeit optimal und mit wenig Zeitverlust miteinander verbinden können.

Von welchem Baustoff oder -material geht gerade die größte Anziehungskraft oder Begeisterung aus?

Die Mischung macht‘s. Besonders faszinierend finde ich persönlich Kombinationen, in denen Lichteffekte dem Gebäude immer wieder neue Akzente bescheren.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung für die Branche und für Ihr Unternehmen?

Mit der Digitalisierung verändert sich vieles, wenn nicht sogar alles. Visualisierung und neue Kommunikationswege werden die Baubranche 4.0. prägen. Als Arbeitgeber steht nicht mehr das „wo?“, sondern das „was habe ich zu tun?“ und „wie kann ich es umsetzen?“ unserer Mitarbeiter im Vordergrund. Hierfür schaffen wir ein Arbeitsumfeld, in dem eine fruchtbare, effiziente interne aber auch externe Kommunikation mit unseren Partnern und Kunden möglich ist.

Berührt Sie der Fachkräftemangel oder die Zurückhaltung bei den Azubis?

Bisher hat asset noch immer die Mitarbeiter bekommen, die wir wollten. Aber: Nur wenn es uns gelingt, Fachkräfte und Azubis nach Augsburg zu locken und an die Stadt zu binden, wird auch der Immobilienmarkt weiterhin prosperieren. Daher ist es so wichtig, dass die Branche und die Stadt jetzt diese einmalige Chance nutzen und die Standort-Attraktivität von Augsburg stärken und bekannt machen!

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