Kragler Immobilien GmbH

Peter Kragler: "Soft Facts findet man nicht im Internet"

Dipl.-Ing. Peter Kragler. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN, Bernd Jaufmann
Peter Kragler erkennt eine neue Dimension am Markt für Büro- und Gewerbeimmobilien: Der Service für die Kunden wird umfassender und individueller, ihre Einflussmöglichkeiten steigen.

Wenn Privatpersonen und Firmen Immobilien suchen – welche Vorstellungen prägen da deren Verhalten?

Peter Kragler: Die meisten Suchenden stellen sich das nach gleichem Muster vor: Zunächst zähe Eigenrecherche im Netz, dann Umfragen im persönlichen Umfeld, noch die eine oder andere Anzeige in Printmedien oder auf Plattformen und dann der eher ungeliebte Kontakt zum Makler. Dann auch noch eigene Vorstellungen umsetzen zu können, scheint den Interessenten fast aussichtslos. In der vermeintlich aktuellen Knappheit an interessanten und preiswerten Immobilien muss der Käufer oder Mieter schon froh sein, wenn er überhaupt etwas findet. 

Was stimmt an dieser Annahme aus Ihrer Sicht so nicht?

Kragler: Insbesondere im gewerblichen Bereich findet ein starkes Umdenken statt. Ich verstehe meinen Beruf als Immobilienmakler im gewerblichen Bereich als „Problemlöser“ für den Kunden. Eine Firma kommt nicht mit der schlichten Anforderung „Wir möchten 400 m2 Bürofläche in Augsburg-Pfersee“.

Vielmehr lautet mein Auftrag oft „Wir brauchen mehr Platz und die Räumlichkeiten sollen uns widerspiegeln.“ Solch eine Aufgabenstellung ist wesentlich komplexer, doch bekommt der Kunde einen Service, der inzwischen in allen anderen Branchen selbstverständlich ist: Analyse seiner aktuellen Situation, Standortalternativen, Symbiosen in Mietergemeinschaften, weiterführende Kontaktvermittlung, Behördengespräche… All das ist nötig und sollte vom Makler erledigt werden. Der Kunde muss dafür meistens nicht einmal bezahlen. Die Vergütung meiner Tätigkeit findet in der Regel im Innenverhältnis zu meinen Auftraggebern statt. So hat es der Gesetzgeber für den privaten Bereich mit dem Bestellerprinzip auch jüngst geregelt.  

Welche Rolle spielt der Immobilienmarkt derzeit bei dieser Suche nach der für mich passenden Immobilie? Die Lage sei ja angespannt, liest man…

Kragler: Angespannt ist das falsche Wort. Der aktuell boomende Markt ermöglicht es mir gerade, dem Kunden genau eine für ihn passende Lösung zu bieten. Entgegen dem verbreiteten Schreckgespenst der „extremen Knappheit“ bietet insbesondere der gewerbliche Markt heute viele Möglichkeiten. Die Kommunen genehmigen derzeit eine Reihe toller Projekte, um die geforderte Bürokultur – welche derzeit im Umbruch steckt – zu fördern. Auch dies ist Teil meiner Tätigkeit. Ich zeige Unternehmen neue Konzepte wie „Open Space“ auf, stelle Verbundansätze wie beispielsweise den Innovationspark vor, der gezielt Kontakte zu Forschung und Universität fördert, und informiere Interessenten, wie sie das optimale Büroumfeld z.B. mit Kindertagesstätten, Gastronomie, Sport- und Freizeitangebot erhalten. Aus eigener Kraft ist ein Unternehmen dazu in der Regel nicht in der Lage, da Angebote zwar vorhanden, aber nicht offensichtlich sind. Solche „soft facts“ findet man eben nicht auf die Schnelle im Internet, sondern nur durch gut vernetzte Kenner der Branche und der Kommunen. 

Geben Sie uns einen konkreten Einblick.

Kragler: Wo soll ich da anfangen? Aus meinem Portfolio sind derzeitige Highlights sicher der Innovationspark mit dem privatwirtschaftlichen Objekt „Weitblick 1.7“, das die neue Landmarke im Süden der Stadt direkt neben der Universität wird, aber auch das Spitzenprojekt „Sheridan Tower“ im Sheridan Park. Beide Objekte verkörpern die Einleitung einer neuen Phase der Bürokultur. Der Arbeitsplatz wird zunehmend mehr zu einem Ort, an dem sich Mitarbeiter gerne aufhalten. Firmen wie Google oder Facebook leben uns diese zukünftige Kultur bereits vor, nun erreicht sie Augsburg. Auch im klassisch-modernen Segment ist übrigens gutes Angebot vorhanden. Der KUKA-Tower in Gersthofen beispielsweise weckt das Interesse bei potenziellen Mietern. Auch hier können individuelle Ansprüche an Größe und Ausstattung einfließen. 

Was erwarten Sie für die Zukunft?

Kragler: Die Anfragen werden deutlich zunehmen. Der gewerbliche Kunde erkennt mehr und mehr, dass er seinen Mitarbeitern mehr als ein gutes Gehalt und Urlaub bieten muss. Hochqualifizierten Arbeitskräften sind die Wohlfühlatmosphäre mit Chill-Out-Areas, Kicker und gemütlichen Gemeinschaftsküchen ebenso wichtig wie eine gute Verkehrsanbindung oder die Entfaltung am Arbeitsplatz. Somit steht der Kunde vor neuen Herausforderungen. Das Gewerbe ist damit auch der Motor für die Entwicklung der Kommunen, sodass es immer Wachstum und neue Objekte geben wird. Mit sind für die nächsten Jahre definitiv viele erstklassige Projekte bekannt, für die wir schon die ersten Weichen stellen. Das Schöne für den Kunden ist: Er kann jetzt aktiv seine Wünsche einfließen lassen und bekommt die für ihn passende Lösung. Die Ära des Suchens und Bettelns ist im gewerblichen Bereich beendet! 

Das heißt, das Aufgabegebiet der bisherigen Vermittlertätigkeit verändert sich?

Kragler: Ja, wenn der Makler seine Aufgabe darin sieht, dass er lediglich einen Kunden und ein Objekt zusammenführt, dann schütz ihn aktuell nur noch der § 34c der Gewerbeordnung davor, dass der er vollständig durch Plattformen im Netz ersetzt wird. Die Herausforderung liegt darin, dem Kunden – Käufer oder Mieter – das für ihn optimale Objekt anzubieten und dabei gleichzeitig für den Verkäufer oder Vermieter den optimalen Vertragspartner zu finden.

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