Dr. Brigitte Bösenkopf

So vermeiden Sie Stress im Job: Mit Resilienz zur Spitzenleistung

Dr. Brigitte Bösenkopf. Foto: privat
Unter Resilienz versteht man die psychische Widerstandskraft und die Fähigkeit eines Menschen mit Schwierigkeiten oder Rückschlägen gut umgehen zu können. Resiliente Menschen haben keine Angst vor Stress und sie vermeiden ihn auch nicht. Im Gegenteil: Stress wird für sie zur täglichen positiven Herausforderung. Auch durch die wachsende Zahl von Burnout-Fällen stellt sich die Frage, wie Menschen trotz Dauerbelastung im Job gesund bleiben können.

Was also ist das Erfolgsgeheimnis resilienter Persönlichkeiten und wie ist es ihnen gelungen, eine „Software“ im Gehirn zu entwickeln, die sie mental stark und widerstandsfähig macht? Diese fünf Prinzipien sollten Sie sich merken:

1. Konzentration der Energie auf das Wesentliche

Resiliente Menschen beschäftigen sich mehrheitlich mit den Dingen, die sie aktiv beeinflussen können und vermeiden es, sich über Themen oder Situationen zu ärgern, die nicht in ihrem Einflussbereich liegen. Auf diese Weise betreiben sie für sich richtiges Energiemanagement, denn der Resiliente widmet seine Aufmerksamkeit und Energie dem Handlungsspielraum, den er positiv verändern kann.

2. Probleme brauchen Lösungen

Widerstandsfähige Personen vermeiden in Stress-und Krisensituationen destruktive Verhaltensmuster wie jammern, nörgeln, sich selbst bedauern oder ärgern, weil der Chef die Ziele zu hoch angesetzt hat etc.

Diese Reaktionen entziehen nur noch mehr Energie, und daher investieren Resiliente lieber in die Lösungsfindung oder überlegen, wie sie sich motivieren könnten, um durch Handlungen ihre Ziele zu erreichen. Die Emotionssteuerung ist ein wichtiger Schlüssel, um bei Konflikten oder unter Stress die Nerven zu bewahren und sinnvolle Reaktionen zu setzen.

3. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

Menschen, die Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten oder Möglichkeiten haben, werden auch leichter mit neuen Herausforderungen fertig. Resiliente fühlen sich auch in schwierigen Situationen nicht hilflos ausgeliefert, sondern glauben daran, dass sie etwas ändern können. Das macht sie selbstbewusst und stark.

So wird die Resilienz zum wichtigen Schlüsselfaktor, der es Menschen ermöglicht, sich an die ständig ändernden beruflichen und privaten Entwicklungen gut anzupassen, aber auch Misserfolge als wichtigen persönlichen Lernprozess anzunehmen.

So sagte Thomas Edison zu einem Studenten, der wissen wollte, wie es einem Erfinder geht, der jahrelang experimentiert und Misserfolg hat: „Wieso Misserfolg? Ich habe 5000 Möglichkeiten entdeckt, wie man keine Glühbirne herstellen kann.“

4. Mit optimistischem Realismus in die Zukunft

Resiliente Menschen bleiben auch in Krisenzeiten werteorientiert, weil sie Vertrauen entwickelt haben, dass auch schwierige Arbeits-oder Lebensbedingungen ihren Sinn haben und es wichtig ist, sich für diese Herausforderungen zu engagieren. So  geben sie auch bei beruflichen Belastungen nicht leicht auf, sondern versuchen sich und ihre Umwelt weiter zu motivieren.

Mit dieser Lebenseinstellung ist Stress nicht länger angstbesetzt und muss vermieden werden, sondern wird zu einer täglichen Herausforderung, die es lösungsorientiert zu bewältigen gilt. Wenn mein ganzes Leben aus Arbeit besteht, wär ich ein Narr sie nicht lustvoll zu gestalten!

5. Techniken zur Resilienzsteigerung anwenden

Viele Menschen haben ihre Widerstandsfähigkeit erst nach Schicksalsschlägen, schwierigen Lebensgeschichten oder Krankheiten ausgeprägt. Gestärkt durch ihre persönliche Krise, empfinden viele eine Dankbarkeit an ihr Leben und haben gelernt, Gesundheit nicht als selbstverständlich zu nehmen, sondern etwas für sich zu tun.

Resiliente Personen haben Techniken oder Rituale entwickelt, wie sie nach akutem Stress rasch wieder regenerieren können. Sie warten damit nicht erst bis am Abend, sondern versuchen ihre Anspannung während des Arbeitstages  bereits zu reduzieren durch Atemübungen, Selbstsuggestion, Wasser trinken als Ritual oder kurze Entspannungsmethoden. Gerade bei Dauerbelastung ist ein gut funktionierendes Stressmanagement extrem wichtig.

Es gibt also eine gute Nachricht für alle Stressgeplagten: Resilienz ist erlernbar!

Die individuelle Lebensgeschichte bestimmt, welche Kompetenzen zur Förderung der Resilienz trainiert werden sollen. Hauptziel ist es, im Einzeltraining oder in der Gruppe die Selbstheilungskräfte im mentalen Bereich zu stärken und zu aktivieren, um die Menschen wieder „fit for stress“ zu machen.

Dazu gehört die Stärkung der Resilienz im Bereich Gedanken, Emotionen, Verhalten, Sozialkontakt und Spiritualität. Bereits vorhandene Ressourcen für eine mögliche Krisenbewältigung werden gefestigt und individuelle Maßnahmen entwickelt.

Auch die Analyse von Ängsten, der Aufbau eines positiven Selbstbildes, die Veränderung von negativen Persönlichkeitsmustern sowie das Erlernen von Regenerationstechniken nach Stress sind weitere Schritte auf dem Weg zu einer resilienten Persönlichkeit.

Resilienz ist nicht das Zeichen einer außergewöhnlichen Stärke eines Menschen, sondern nur das Ergebnis von täglichen Bewältigungsstrategien, die jeder erlernen kann. Damit der nächste Stress nicht zur Katastrophe wird sondern zur täglichen Herausforderung, die es zu meistern gilt!

Über die Autorin

5 Sterne Rednerin Dr. Brigitte Bösenkopf ist Expertin für Burnout und Stressmanagement Die Psychologin und Wirtschaftstrainerin zeigt in ihren gefragten Vorträgen und Workshops, wie Führungskräfte und Mitarbeiter die Freude an der Arbeit trotz Stress erhalten und ihre Gesundheit bewahren.

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