Blickpunkt Mittelstandsrechenzentrum

Rechenzentren im Mittelstand: Durchmogeln geht nicht mehr

Thomas Schmidt, Geschäftsführer der Rosenberger OSI GmbH & Co. OHG

Für Mittelstands-Rechenzentren hat die Stunde der Wahrheit geschlagen.

von Thomas Schmidt, Geschäftsführer der Rosenberger OSI GmbH & Co. OHG

Sie müssen Geschwindigkeiten verarbeiten, die ihnen heiß machen. Sie müssen Datenmengen durchschleusen, die sie zum Platzen bringen. Und sie müssen bis morgen halten, obwohl sie oft von gestern sind. Passt, wackelt und hat Luft – die alte Handwerkerregel, nach der eine gute Improvisation noch immer ihren Zweck erfüllt hat: Sie ist von gestern. Zumindest was IT und Telekommunikation angeht.
Viele mittelständische Rechenzentren werden in Kürze in kritische Situationen geraten, weil nach vielen Jahren eines vermeintlich organischen Wachstums nicht mehr zusammenpasst, was zusammengehört.

Weil Unternehmen jeder Branche und jeder Größe heute in jedem Aspekt ihres Seins und Handelns davon abhängig sind, dass ihr Rechenzentrum störungsfrei arbeitet und jede geforderte Leistung erbringt, stellt sich angesichts der vorhandenen Defizite sehr konkret und bedrohlich die Verfügbarkeitsfrage. „Underperformance“ würde man an der Börse das Potenzial zahlreicher Rechenzentren nennen, wenn man sie an den Herausforderungen von heute und morgen misst.

Was ist passiert?

Mit einer Geschwindigkeit, die um ein vielfaches schneller ist als der klassische ITInvestitionszyklus im Mittelstand, haben sich Datenvolumina und Sicherheitsansprüche bei der Datenübertragung erhöht. Sie sind so stark gewachsen, dass die weit verbreitete Einstellung „Computer? Das erledigen wir nebenher und mit links!“ zur Bedrohung geworden ist. Selbst Unternehmen, die eigene IT-Mitarbeiter beschäftigen, müssen erkennen, dass die Komplexität von Systemen, Prozessen und nicht zuletzt rechtlichen Vorschriften nicht mehr durch interne Kräfte allein zu bewältigen ist.

Oder einen zeitlichen und personellen Aufwand nach sich zieht, der sich wirtschaftlich nicht mehr rechtfertigen lässt. Betrachten wir die Anwendungen. Mittelständische Rechenzentren müssen heute die gleichen Applikationen „stemmen“ wie Großrechenzentren. Mit der Technik von gestern sind sie dazu nicht in der Lage.

Schlimmer noch: Sie können Weiterentwicklungen und Veränderungen nicht mehr mitgehen. Betrachten wir die Energiekosten. Unternehmen brauchen gar kein „grünes Gewissen“ vorzuschieben, um alte Stromfresser auf moderne ressourcenschonende Technik umzustellen.

Die Stromrechnung spricht eine deutliche Sprache

Betrachten wir die Ausfallsicherheit. Überall dort, wo Komponenten miteinander verbunden sind, die ursprünglich nicht auf dieses Miteinander ausgerichtet wurden, bestehen Bruchstellen. Altersschwäche und unzureichende Kompatibilität schwächen die Immunkraft der Gesamtanlage und gefährden den kontinuierlich stabilen Ablauf aller Prozesse. Insbesondere in Kraut&Rüben-Rechenzentren – und davon gibt es nicht wenige – gärt unter der glatten grauen Oberfläche der „Kisten“ eine gefährliche Mischung. Gerade wegen der Beliebigkeit in der Zusammenstellung ist hier im Notfall schnelle Rettung unmöglich.

Betrachten wir Datensicherheit und Compliance. Hier haben sich die Vorgaben, die über Sein oder Nichtsein am Markt entscheiden, in jüngster Zeit derart verändert und verschärft, dass alte Rechenzentren nicht nur bei scharfem Hinsehen, sondern meistens schon auf den ersten Blick durchs Raster fallen.

Was ist zu tun?

Zunächst heißt es Abschied zu nehmen vom bequemen Durchmogeln vergangener Zeiten. Ein zukunftsfähiges, leistungssicheres Rechenzentrum ist eine Managementaufgabe auf gleicher Ebene wie Produktion und Personal. Das wird schon daran deutlich, dass der dort betriebene Aufwand ins Leere läuft, sobald die IT versagt. Hier die Weichen zu stellen und den Betrieb abzusichern, dass lässt sich nicht mehr beim Kaffeetrinken erledigen. Dafür braucht es ein Budget.

Dafür braucht es Kapazitäten. Dafür braucht es Zeit. Dafür braucht es Verantwortung.
Und dafür braucht es Erfahrung. Da diese in der Regel in mittelständischen Unternehmen nicht vorhanden ist und angesichts der zuvor genannten Komplexität auch nicht vorhanden sein kann, bedarf es auf jeden Fall externen Beistands.

Aufräumen, Ordnung schaffen, Strukturen bereinigen

Gerade wenn es darum geht, den Wildwuchs vergangener Jahre radikal zu beseitigen und bestehendes Flickwerk durch tragfähige Substanz zu ersetzen, sind der analytische Blick und die intensive Prüfung seitens des kompetenten, aber bisher unbeteiligten Dritten von besonderem Wert. Wenn es aber auch noch darum geht, eine zuverlässige Antwort zu finden auf die Herausforderungen der neuen Zeit und sich das frischeste Anwendungswissen und Technologieverständnis zu sichern, das auf dem Markt verfügbar ist: Dann sind Profis, deren täglich Brot der Aufbau und Betrieb eines Rechenzentrums ist, genau jene Zutat, die die Investition ins Rechenzentrum dauerhaft haltbar macht. Die klassischen Stärken des Mittelstands, seine Schnelligkeit und Flexibilität, sind bedroht, wenn das Rechenzentrum den Anforderungen nicht mehr gewachsen ist oder unter mangelnder Qualität leidet. Darum heißt es, sich schnell der Angelegenheit anzunehmen. Es muss ja nicht gleich zu einer kompletten Neubeschaffung kommen.

Die Erfahrung lehrt, dass eine gründliche und umfassende Ertüchtigung des Rechenzentrums dem Unternehmen genau jenen Spielraum – zeitlich wie technisch – verschafft, den es braucht, um wieder unabhängig zu entscheiden und zu agieren. Es geht hier um nicht weniger als die Sicherung der Existenz. Und gerade in diesem Fall ist das Wort „nachhaltig“ wirklich einmal gerechtfertigt.

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