Winfried Bürzle

Überlebensnotwendig: So gelingt zielgerichtete Kommunikation

Hörfunkjournalist Winfried Bürzle. Foto: Privat
Es ist nicht schlimm, wenn ein Unternehmer kein Kommunikationsgenie ist. Seine Kompetenzen hat er auf anderen Gebieten bewiesen. Schlimm ist, wenn trotzdem nichts geschieht, wenn alles so bleibt.

Mitarbeiter, die nach der Ansprache des Chefs bei der Betriebsversammlung tuscheln: „Wir haben nur Bahnhof verstanden“. Potenzielle Kunden, die nach einer Produktpräsentation überraschend doch nicht zugreifen. Im Vorfeld kontaktfreudige Medienvertreter, die nach einem Informationsgespräch plötzlich das Interesse wieder verlieren. Wenn all das geschieht, dann müssen die Alarmglocken schrillen. Dann stimmt etwas Grundsätzliches sowohl in der internen als auch externen Kommunikation eines Unternehmens nicht.

Die Mitarbeiter sind unmotiviert, der Umsatz ist nur ein Bruchteil dessen, was möglich wäre, kostenlose Medialeistungen durch redaktionelle Artikel und Beiträge entfallen und müssen durch sündteure Werbespotschaltungen ersetzt werden.

Erfolgreich kommunizieren ist erlernbar

Es ist das Nichterkennen der Notwendigkeit, dass neben dem ausgezeichneten Produkt eine ausgezeichnete Kommunikation nötig ist. Leider denken manche Firmenchefs, dass Kommunikation doch etwas Selbstverständliches ist. Etwas, was wir ja von alleine erlernen, so wie das Laufen. Wenn Sie mit Laufen aber Gewinne machen wollen, dann müssen Sie so gut sein wie Usain Bolt. Und wer mit Kommunikation gewinnen will, muss eben trainieren, um eine erfolgreiche und letztlich gewinnbringende Präsentation wie einst Steve Jobs hinzulegen.

Hier kommt die gute Nachricht: Brillante Kommunikation, zu der unter anderem die einfache Darstellung komplexer Sachverhalte gehört – sie ist erlernbar. Natürlich gibt es Naturtalente, denen das offensichtlich schon in die Wiege gelegt wurde. Das sind aber die wenigsten. Die meisten von uns müssen sich diese Soft Skills aneignen.

Kompliziert denken, einfach reden

Es gibt bei den elektronischen Medien einen Grundsatz, dem sich jedes gesprochene Wort unterwerfen muss: Eindeutigkeit, Verständlichkeit, Nachvollziehbarkeit. Dieser Dreisatz hat für alle öffentlichen Botschaften Gültigkeit, nicht nur für Radio, Fernsehen oder Internet. Der frühere bayerische Ministerpräsident und ausgesprochen brillante Redner Franz-Josef Strauß hat es so formuliert: Kompliziert denken, einfach reden. Das verstehen nicht alle. Viele schrauben in ihren Reden an diesem Satz herum oder stellen ihn gar auf den Kopf: Schlicht denken und geschwollen daherreden!

Einfach: alles andere als banal

Das Problem bei solchen Rednern ist die Angst vor der Einfachheit. Sie verwechseln Einfaches mit Banalem, Niveau mit unverständlichem Kauderwelsch und Technokratendeutsch! Dabei haben so exzellente Redner wie eben FJS, Barack Obama oder Richard von Weizsäcker aller Welt eindrucksvoll bewiesen, wie kraftvoll einfache Sprache ist: Mit Dingen, die verständliche Namen bekommen, mit kurzen, unverschachtelten Sätzen, unter Verzicht auf Fremdwörter, Fachausdrücke, Dachbegriffe, schwerfälligen Nominalstil und so weiter.

So halten Sie die Aufmerksamkeit des Publikums

Es ist ein Graus, wie sich die DAX-Chefs bei ihren jährlichen Jahreshauptversammlungen der Öffentlichkeit und ihren Aktionären präsentieren. Ein Rhetorikinstitut untersucht die Reden jedes Jahr. Und bringt von Fremdwörtern durchtränkte Ansprachen mit Satzungetümen von bis zu 47 Wörtern zum Vorschein. Und das Ganze mit einer Monotonie und Emotionslosigkeit vorgetragen, dass es mehr an Schlaflabor erinnert als an Jubelfeier. Von der häufig nicht vorhandenen Übereinstimmung von Gestik und Mimik mal ganz zu schweigen. Aber das ist ein eigenes Kapitel.

Kein Mensch ist in der Lage, solche Bandwurmsätze zu verstehen. Aus der Forschung wissen wir, dass wir einem Satzgefüge nur wenige Sekunden lang problemlos folgen können. Danach wird es schwierig bis unmöglich. Und das merken nicht nur die Zuhörer, das bekommen auch die Redner selbst zu spüren. Sie finden nämlich kein Satzende mehr. Ein Meister in dieser Disziplin der grammatisch unvollständigen Sätze war und ist Edmund Stoiber.

Kurze Botschaften bringen es auf den Punkt

Einfache, kurze Botschaften sind es, die uns Menschen fesseln. Botschaften mit starken, aber klaren und verständlichen Aussagen. Botschaften, in denen die Dinge beim Namen genannt werden. Um Ihnen ein Beispiel aus dem kulturellen Bereich zu geben: Fragen Sie einen Vertreter des Bildungsbürgertums mal nach einer Definition des Menschen. Dann wird er Ihnen vielleicht so antworten: „Der Mensch ist ein übergeordnetes Wesen mit der außerordentlichen Gabe, intellektuelle Leistungen zu vollbringen und emotionale Regungen zu spüren“. Der Musiker Herbert Grönemeyer bringt es mit unglaublich starker verbaler Kraft in seinem Lied „Mensch“ so auf den Punkt: „Und der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt….weil er schwärmt...weil er wärmt… weil er lacht, weil er lebt“.

In diesem Sinne hoffe ich, Ihre Firma stellt in der Zukunft kein „streichfähiges Produkt aus Zuckerarten, nicht konzentrierter Pülpe aus einer oder mehreren Fruchtarten und Wasser“ mehr her, sondern einfach nur Konfitüre…

Über den Autor

Hörfunkjournalist Winfried Bürzle ist Chef vom Dienst bei Bayern 1. In seinen amüsanten Rhetorikshows liefert er nachhaltige Impulse und praktische Tipps, wie jeder durch Mimik, Gestik, Atmung und viele weitere Aspekte seinen öffentlichen Auftritt verbessern kann – sei es vor der Belegschaft oder vor Kunden, vor Entscheidern oder Geschäftspartnern. Anhand witziger prominenter Beispiele lernen die Teilnehmer von dem 5 Sterne Redner, wie sie begeistern statt einschläfern.

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