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Interview zu „Farming 4.0“: „Allgäuer Schwaben sind bereit, auf neuen Wegen vorauszugehen“

Peter-Josef Paffen, Vorsitzender der Geschäftsführung von AGCO/Fendt. Foto: AGCO/Fendt

Elektronik, Software und Digitalisierung spielen eine immer größere Rolle in Landwirtschaft und Landtechnik. Im Interview verrät Peter-Josef Paffen, Vorstand der AGCO/Fendt-Geschäftsführung, wie gut die schwäbischen Landwirte auf diesen Trend vorbereitet sind.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Paffen, allein in diesem Jahr steckt Fendt 60 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung. Wie wichtig ist das Thema „Digitalisierung“ hier?

Peter-Josef Paffen: Sehr wichtig. Es geht um die Vernetzung aller Maschinen, von der Datensammlung und ihrer Auswertung bis hin zu Handlungsempfehlungen für den modernen Landwirt, wie er umweltschonender, effizienter, besser und günstiger Nahrungsmittel erzeugen kann. Insgesamt geht es dabei um die Zukunftstechnologie unter dem Begriff „Farming 4.0“. Rund 140 der insgesamt rund 400 Ingenieure im Bereich „Fendt Forschung und Entwicklung“ arbeiten inzwischen im Bereich Elektronik/Software Entwicklung. Das sagt eigentlich schon alles.

Die neuen Maschinen von Fendt sind tendenziell immer größer und leistungsstärker als vorhergehende Modelle. Werden die Kleinbauern durch das Wachsen der industriellen Landwirtschaft bald ganz verschwinden?

Nein, sicher nicht. Bei den Fendt Traktoren beginnt das Programm mit der Baureihe 200 Vario und einer Maximalleistung von 70 PS. Diese Kompakttraktoren sind auch für kleinere Vollerwerbsbetriebe oder erfolgreiche Nebenerwerbsbetriebe vielseitig einsetzbar. Unabhängig von den aktuell härteren Zeiten haben sie eine gute Zukunft.

Den Trend hin zu größeren und leistungsfähigeren Maschinen gab und gibt es nach wie vor. Unsere Kunden im In- und Ausland fordern diese hohen Leistungen. Als High-Tech-Anbieter für Groß-Traktoren und Ernte-Maschinen reagieren wir auf diese Nachfrage. In Zukunft könnte es aber auch einen neuen Trend hin zu kleineren Fahrzeugen geben – zum Beispiel, wenn autonome, kleinere Fahrzeuge die Aufgaben von größeren Traktor-Gespannen übernehmen. Unser Forschungsprojekt MARS mit der Hochschule Ulm zeigt hier ebenfalls neue Wege auf. Es bleibt also spannend.

Wissen die Landwirte diese Vielzahl neuer Techniken zu nutzen oder greifen sie am Ende doch lieber zu klassischen Modellen?

Moderne Landwirte und Lohnunternehmer sind sehr gut ausgebildet und offen für neue Technologien. Wir bieten gemeinsam mit den Fendt-Vertriebspartnern professionelle Fahrertrainings an, die international sehr gut angenommen werden. Übrigens hilft die Technik, Kosten zu sparen und bessere Produkte – vor allem Lebensmittel – in hoher Qualität sowie ökologisch und ökonomisch nachhaltig zu produzieren.

Die Landwirtschaft steckt weltweit in der Krise. Vor diesem Hintergrund sinkt auch die Investitionsbereitschaft der Landwirte. Wie hart trifft dies Fendt?

Ein Auf und Ab in den Märkten gab und gibt es immer wieder. Dennoch sehen wir in Landwirtschaft und Landtechnik die maßgebliche Zukunftsbranche. Die weiter wachsende Weltbevölkerung muss und wird ernährt werden. AGCO/Fendt ist gut vorbereitet und in der Lage, schnell den volatilen Märkten zu folgen. Wir sehen sowohl in den angestammten Märkten als auch den neuen Betätigungsfeldern ordentliche Wachstumschancen für uns.

Welche Rolle spielen Maschinenringe heutzutage?

Maschinenringe und Lohnunternehmer, die bestimmte Aufgaben für Landwirte mit neuester Technik übernehmen, werden immer wichtiger – auch für Fendt. Denn diese Maschinen fahren mit einer hohen Auslastung. Sie sind eine gute Ergänzung zu der klassischen Betriebsstruktur unserer Bauernbetriebe. Hier gibt es viele gute Beispiele, die einen Gewinn für alle Beteiligten generieren.

Wird zusammen mit den Maschinen auch Personal „vermietet“?

Ja, in der Regel werden die Profi-Maschinen mit erfahrenen Fahrern eingesetzt. Hier ist alles denkbar, was wirtschaftlich Sinn macht. Unsere Landwirte sind gute Unternehmer. Ein ständiges Suchen und Optimieren von Arbeitserledigungen ist bei unseren Bauern sehr ausgeprägt.

Was denken Sie, wie wird die Zukunft der Landwirtschaft in Schwaben aussehen?

Schwaben ist von jeher eine Erfinder- und Technologieregion mit tiefen landwirtschaftlich, ländlichen Wurzeln. Diese herausragende Eigenschaft ist integrierter Teil unserer schwäbischen Lebensweise. Wir lieben Herausforderungen, wir suchen nach Lösungen, wir sind bereit, neue Wege zu beschreiten oder noch besser gesagt: auf neuen Wegen vorauszugehen. Allgäuer Schwaben können das!

Das Interview führte Rebecca Weingarten

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