Allgäuer Landräte im Interview

So trotzt Landrat Weirather dem Fachkräftemangel im Unterallgäu

Landrat Hans-Joachim Weirather. Foto: Stefanie Vögele
Der Mangel an qualifizierten Fachkräften macht immer mehr Unternehmen zu schaffen, so auch im Unterallgäu. Wie der Landkreis diesen Herausforderungen begegnet, verrät Landrat Hans-Joachim Weirather im Interview mit unserer Redaktion.

Alle Artikel zum Thema „Allgäu – Stärken, Strategien, Standorte“ finden Sie hier.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Weirather, immer mehr Unternehmen klagen über den Fachkräftemangel. In welchen Branchen spüren Sie diesen am meisten?

Hans-Joachim Weirather: Der Fachkräftemangel ist im Handwerk allgemein, im Baugewerbe, in der Altenpflege, in der Hotellerie und in der Gastronomie ganz besonders zu spüren. Leider werden diese Berufe bei vielen Jugendlichen nicht so positiv bewertet, wie es diese verdient hätten und es fehlt an Nachwuchs. Auch im Maschinenbau und in der Elektrotechnik werden Fachkräfte immer gefragter. Die fehlenden Fachkräfte bremsen leider zunehmend die positive Entwicklung unserer Unternehmen.

Wie geht der Landkreis Unterallgäu damit um?

Ein erfolgreiches Berufsleben hängt nicht zwingend von Abitur und Hochschulstudium ab, genau das wollen wir zeigen. Wir zeigen außerdem die zahlreichen Ausbildungsmöglichkeiten mit all ihren Perspektiven auf. Zudem haben wir – mit Unterstützung der Firma Grob – in Mindelheim eine Technikerschule für Maschinenbau sowie eine betriebliche Kinderkrippe errichtet. Damit sorgen wir auch selbst für Fachkräfte-Nachwuchs und verbessern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Darüber hinaus ist der Landkreis Unterallgäu Mitglied im Fachkräftenetzwerk Allgäu, in dem alle Allgäuer Landkreise Strategien zur Bekämpfung des Fachkräftemangels entwickeln. Mit der Allgäu GmbH betreiben wir außerdem eine Fachkräfteoffensive, die auch junge Leute von außerhalb ins Allgäu locken soll.

Neben dem Mangel an Fachkräften beschäftigt die Unternehmer derzeit auch verstärkt die Digitalisierung. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen durch den digitalen Wandel in Ihrem Landkreis?

Der Landkreis Unterallgäu verfügt über einen hohen Anteil an produzierendem Gewerbe. Insbesondere hier kann der Einsatz digitaler Technologien zu einer höheren Effizienz und Produktivität führen. Die sogenannte Industrie 4.0 bietet viele Chancen. Gerade für die vielen kleineren und mittelständischen Unternehmen im Unterallgäu ist die Digitalisierung aber auch eine permanente Herausforderung. Sie müssen eine hohe Innovationskraft aufbringen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Um diese Hürde zu meistern, gibt es jedoch vielfältige Unterstützungs-Angebote. Beispielsweise kann hier das vom Freistaat Bayern initiierte Förderprogramm „Digitalbonus Bayern“ Abhilfe schaffen.

Ein weiterer wichtiger Faktor, um im digitalen Zeitalter mitzuhalten, sind leistungsfähige Internetverbindungen. In einem großen Landkreis mit vielen kleinen Ortschaften wie dem Unterallgäu ist eine flächendeckend gute Breitbandversorgung eine besondere Herausforderung. Wir haben in den vergangenen Jahren aber bereits viel erreicht.

Welche Chancen bietet die Digitalisierung gerade für den Tourismus?

Auch für den Tourismus ist die Digitalisierung Chance und Herausforderung zugleich. Die Kunden können die Angebote heutzutage im Internet schnell vergleichen und buchen kurzentschlossen. Die Chance besteht darin, die Vorzüge einer Region durch eine digitale Präsentation ins Rampenlicht zu rücken und sich so neue Tourismuspotenziale zu erschließen. Dafür müssen aber innovative Angebote entwickelt werden. Im Unterallgäu haben wir zum Beispiel das Wander- und Radwegenetz digitalisiert. Darüber hinaus arbeiten wir gerade an einer völlig neuen, topmodernen Präsentation des Unterallgäus im Internet. Der neue Auftritt wird auch smartphonegerecht sein.

Mobilität gewinnt nicht nur in der digitalen Welt an Bedeutung, auch die Infrastruktur befindet sich im Wandel. Welches Projekt im Öffentlichen Personennahverkehr bewegt die Menschen im Unterallgäu am meisten?

Zwei tolle Perspektiven bieten der Flexibus und die Regio-S-Bahn. Mit dem Flexibus könnte der Öffentliche Personennahverkehr im Unterallgäu signifikant verbessert werden. Die Unterallgäuer Bürgermeister haben sich in einer ersten Diskussionsrunde dafür ausgesprochen, dass der Flexibus sehr bald – wenn möglich 2018 – im Unterallgäu eingeführt wird. Das Thema muss allerdings noch in den Kreisgremien diskutiert und entschieden werden.

Zwischen Memmingen und Ulm ist außerdem eine Regio-S-Bahn geplant. Damit haben wir Aussicht auf einen leistungsfähigen Personennahverkehr auf Schienen. Im Zuge des Projekts sollen auf der Illertalbahn neue Bahnhalte in Pleß, Fellheim, Heimertingen, Buxheim und zwei in Memmingen entstehen. Das Vorhaben wurde zwischenzeitlich als zu teuer eingestuft. Nachdem sich Politiker aus der Region im Innenministerium dafür stark gemacht hatten, hat das Projekt nun wieder Fahrt aufgenommen. Verschiedene Faktoren wurden in der Planung inzwischen optimiert. So sollen Kosten eingespart und die Umsetzung ermöglicht werden.

Welche Infrastrukturprojekte sind derzeit geplant?

Hier haben in den vergangenen Jahren kräftig investiert und werden dies auch weiterhin tun. Dass wir vergleichsweise sehr viel in die öffentliche Infrastruktur gesteckt haben, zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vom Jahr 2013. Demnach erreichten der Landkreis Unterallgäu und seine Gemeinden mit jährlichen Pro-Kopf-Investitionen von 573 Euro den bundesweit fünften Platz.

Beispielsweise hat der Landkreis umfangreich investiert, um alle weiterführenden Schulen in der Obhut des Landkreises zu sanieren. Über 60 Millionen Euro sind in diese Projekte geflossen.

Darüber hinaus werden jedes Jahr mehrere Millionen Euro in das Unterallgäuer Straßennetz gesteckt. Mit dem Ausbau der Ortsdurchfahrten von Bedernau und Mindelau oder der Beseitigung des Bahnübergangs in Ungerhausen laufen auch heuer wieder große Projekte. Darüber hinaus werden auch die Kreiskliniken saniert. So sollen an der Klinik in Ottobeuren drei Operationssäle und eine neue Intensivstatio für 14 Millionen Euro neugebaut werden.

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