Allgäuer Landräte im Interview

Maria Rita Zinnecker: Das bewegt die Menschen im Ostallgäu

Landrätin Maria Rita Zinnecker. Foto: Landratsamt Ostallgäu
Umbruch im Ostallgäu: Als größtes Verkehrsprojekt im Landkreis gilt der vierspurige Ausbau der B 12 von Buchloe bis Kempten. Doch die Region bewegt noch viel mehr. Worum es sich dabei genau handelt, verrät Landrätin Maria Rita Zinnecker im Interview.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Stichwort Infrastruktur: Frau Zinnecker, was tut sich im Ostallgäu?

Maria Rita Zinnecker: Das größte und bedeutendste Projekt der kommenden Jahre ist der vierspurige Ausbau der Bundesstraße 12 von Buchloe bis Kempten. Es ist das umfangreichste Verkehrsprojekt in der Geschichte des Landkreises Ostallgäu und ein epochaler Meilenstein für die gesamte Region. Wir erhoffen uns davon mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer einerseits und mehr Entwicklungsmöglichkeiten für Unternehmer und Kommunen andererseits. Kommunalpolitiker und Wirtschaftsvertreter haben lange für den Ausbau der wichtigsten Verkehrsachse der Region gekämpft. Im vergangenen Jahr wurde der Traum durch die Festschreibung im „vordringlichen Bedarf“ des neuen Bundesverkehrswegeplans schließlich Wirklichkeit.

Auch im Öffentlichen Personennahverkehr gibt es immer wieder Neuerungen: Welches Projekt bewegt die Menschen im Ostallgäu am meisten?

Sehr erfolgreich ist der im Dezember 2015 eingeführte Seniorentarif. Fahrgäste ab 63 Jahren zahlen nur 50 Prozent des Regeltarifes – das hat die Zahl der Fahrgäste deutlich erhöht. Im Jahr 2016 wurde dieser Tarif 56.802 Mal genutzt und im ersten Halbjahr 2017 liegen die Verkaufszahlen bereits bei mehr als 31.000 Stück. Noch zieht diese Veränderung allerdings weniger Einnahmen für die Verkehrsunternehmer nach sich. Doch die Busunternehmer gehen davon aus, dass die Verluste noch in diesem Jahr durch die Mehrverkäufe ausgeglichen werden. Derzeit werden die Mindereinnahmen noch anteilig durch den Landkreis übernommen, das heißt dieses Projekt ist ein Gemeinschaftsangebot im ÖPNV. Der Tarif ist ein großer Schritt für die Mobilität der Senioren im Landkreis.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen durch den digitalen Wandel in Ihrem Landkreis?

Wir sind recht weit, aber es gibt auch Baustellen, die wir bearbeiten müssen. Das beginnt beim Ausbau des Breitbandnetzes im Landkreis. Trotz der Herausforderungen eines großen Flächenlandkreises befinden wir uns auf einem sehr guten Weg. Alle Kommunen sind im Förderverfahren oder bereits auf der schnellen Datenautobahn unterwegs. Bis 2019 rechnen wir damit, dass das Netz geschlossen ist. Veränderungen bringt auch die mögliche Umstellung auf eine Industrie 4.0. Das Ostallgäu will hier eng mit seinen Unternehmen zusammenarbeiten und die optimalen Rahmenbedingungen schaffen. Auch am Landratsamt in Marktoberdorf macht die Digitalisierung nicht Halt: Wir werden in den kommenden Jahren komplett auf die E-Akte umstellen und so ein digitales Amt schaffen.

Gerade für den Tourismus kann die Digitalisierung von großem Nutzen sein. Wo sehen Sie die Chancen für diesen wichtigen Wirtschaftszweig?

Nachdem der Gast die digitalen Medien auch im Urlaub immer mehr nutzt, wird das bisherige Unterkunftsverzeichnis um digitale Zusatzinfos vor Ort erweitert werden. Tourist-Infos und Vermieter können so individualisierte Informationen rund um den Aufenthaltsort tagesaktuell zur Verfügung stellen. Regionale Angebote, beispielsweise für Radler oder Wanderer, können durch Apps oder aktuelle „Vor-Ort-Informationen“ aufgepeppt werden. Umgekehrt können auch Nutzerdaten ausgewertet werden und zur Verbesserung der Angebote beitragen – selbstverständlich unter genauer Berücksichtigung des Datenschutzes.

Trotz der vielen neuen Möglichkeiten klagen viele Unternehmen über fehlende Fachkräfte. In welchen Branchen spüren Sie diesen Mangel am meisten?

Der Fachkräftemangel ist breit gefächert. Besonders ist er im Bereich Tourismus und in den Pflegeberufen zu spüren. Hier besteht großer Bedarf. Allgemein ist der Arbeitsmarkt im Ostallgäu nach wie vor hervorragend aufgestellt, wir haben fast Vollbeschäftigung. Dennoch sind wir uns der großen Herausforderung Fachkräftemangel bewusst und treten dem aktiv entgegen. Im Rahmen unserer „Bildungsregion“ gehen wir das Problem ebenso aktiv an wie mit unserer „Koordination Berufsorientierung“ im Landratsamt. Zudem sind wir hier in enger Abstimmung mit der Allgäu GmbH, die verschiedene Initiativen ins Leben gerufen hat. Auch mit den Kammern tauschen wir uns intensiv aus. Nicht jeder Schüler muss studieren, Erfolge kann man auch in und mit einer Ausbildung feiern.

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