Kommentar

Feneberg und Amazon: Wie passt das zusammen?

Symbolbild: Feneberg ist neuer Lieferant von Lebensmitteln für den „Prime now“-Service in München. Foto: Amazon (Marcus Schlaf)
Als Lieferant von Lebensmitteln für den „Prime now“-Service in München trauen sich die Allgäuer auf neues Terrain – und sichern damit auch ihren Heimatmarkt.

Feneberg und Amazon? Viele mögen sich erstaunt die Augen gerieben haben, als vorige Woche die Nachricht bekannt wurde, dass sich das Familienunternehmen mit dem Online-Versandriesen verbündet. Als Dienstleister für den kostenpflichtigen Amazon-Service „Prime now“ in München sorgen die Allgäuer dafür, dass Lebensmittel aus ihrem Supermarkt-Angebot innerhalb einer Stunde oder in einem wählbaren Zwei-Stunden-Fenster bei Kunden in München angeliefert werden.

Damit nutzt Feneberg in mehrfacher Hinsicht die Gunst der Stunde. Andere Lebensmittelhändler haben sich den Kooperations-Wünschen von Amazon widersetzt. Sei es, weil sie einschlägige eigene Projekte gefährdet sahen, sei es, weil sie die Dominanz des globalen Online-Giganten fürchteten. Das mögen für die Rewes und Edekas in der Tat gute Argumente sein. Für Feneberg, das genau unter der rapiden Expansion dieser Marktführer leidet und Antworten auf eine anhaltende Konzentration am Einzelhandels-Markt braucht, sieht die Lage ganz anders aus.

Keine Frage: Auch die Allgäuer müssen sich Fragen stellen nach dem Erhalt ihrer Unabhängigkeit und unternehmerischen Freiheit. Wer im Kielwasser eines Flugzeugträgers segelt, mag den mächtigen Schutz genießen, darf sich aber auch nicht vor kräftigem Wellengang fürchten. Schon mancher, der den Verlockungen starker Absatzkanäle erlegen ist – siehe Massen-Vermarktung via Metro – war anschließend auf Gedeih und Verderb an dessen Entscheidungen und Zahlungsbereitschaft gebunden.

Wie sich die Allianz zwischen Feneberg und Amazon darstellt, scheinen die Argumente der Allgäuer schlüssig. „Wir haben langjährige Erfahrung als stationärer Lebensmittelhändler und im Online-Bereich, besonders auch in der Frische-Logistik. Diese können wir nun in Zusammenarbeit mit Amazon weiter ausbauen“, lässt sich Hannes Feneberg zitieren. Und weiter: „Zudem erhöhen wir die Verfügbarkeit unserer Produkte im Münchner Stadtgebiet und erreichen Kunden, die neben qualitativ hochwertigen Lebensmitteln ein digitales Einkaufserlebnis mit einfacher Bestellung und schneller Lieferung nach Hause oder ins Büro schätzen."

Das bedeutet sowohl für die diversen Hausmarken als auch für die mit Feneberg verbundenen Produzenten aus dem Allgäu den unmittelbaren Zugang zu neuen Kundengruppen. Diesen hätten sie sonst nur mit hohem Aufwand erschließen können. Derlei ist betriebswirtschaftlich sinnvoll und stärkt gleichzeitig den Heimatmarkt – auch in Zukunft. Denn machen wir uns nichts vor: Bei aller Liebe zum traditionellen, standortgebundenen Handel und bei aller Treue zu heimischen Marken wird die Bequemlichkeit der Konsumenten die Nachfrage nach Online-Convenience weiter anwachsen lassen. Da sind die Fenerbergs lieber von Anfang an mit dabei und bereiten sich mit eigenen Mitteln in ihrem Stammland auf diese Entwicklung vor, als dass sie in ein paar Jahren mit einer Konkurrenz kämpfen müssen, die als Amazon-Partner von weiß Gott woher kommt.     

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