Digitalisierung verändert alles

Erntedankempfang der Allgäuer Wirtschaft: So geht Allgäu 4.0

Martin Osterberger-Seitz, Wolfgang Sommer und Moderator Ulrich Hagemeier. Foto: Iris Zeilnhofer/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Wie sich die Unternehmer im Allgäu auf die vierte industrielle Revolution vorbereiten, wie die Welt in zehn Jahren aussehen wird und wo es im Bereich der Digitalisierung noch Nachholbedarf gibt: Darum ging es beim Erntedankempfang der Allgäuer Wirtschaft am 5. Oktober in Marktoberdorf.

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Mobilität, Tourismus, Geschäftsmodelle, Sicherheit – die Digitalisierung macht vor keinem Bereich und keiner Branche halt. Das wissen die Unternehmer aus dem Allgäu nur zu gut. „Was hat sich in den letzten fünf Jahren geändert? Alles!“, brachte es Gerhard Schlichtherle, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Kaufbeuren und Ostallgäu, in seiner Begrüßung auf den Punkt. Die Veränderungen seinen noch nicht abgeschlossen, neue Projekte stünden bevor – und das sei auch gut so.

B12-Ausbau „exorbitant wichtig für das Allgäu“

Ein Beispiel ist der Ausbau der B12. Dieser wurde in den Bundesverkehrswegeplan mit „vordringlichem Bedarf“ aufgenommen. „Der vierspurige Ausbau der Ost-West-Verbindung ist exorbitant wichtig für das Allgäu“, betonte Schlichtherle. Ohne eine angemessene Infrastruktur könne die Wirtschaft nicht funktionieren. „Ein Problem ist im Allgäu aber auch die Schiene und das nicht nur bei der Elektrifizierung.“

Autos am Esstisch verkaufen

Elektrisch, das sei auch die Zukunft der Automobil-Branche. Davon ist Martin Osterberger-Seitz, Geschäftsführer vom Autohaus Walter Seitz aus Kempten, überzeugt. In zehn Jahren würden es 35 Prozent elektrifizierte Fahrzeuge und Hybride auf den Straßen geben plus die ersten autonomen Fahrzeuge. Aber auch die Art, wie Autos ver- und gekauft werden, ändere sich. Schon jetzt, so Osterberger-Seitz, würden 40 Prozent davon übers Netz veräußert. Das soll sich mit der fortschreitenden Digitalisierung sogar noch erhöhen. „Wir werden irgendwann aus dem Kofferraum heraus verkaufen bis zur Unterschrift bei Ihnen zuhause. Der Verkäufer bringt eine VR-Brille und einen Koffer mit den neusten Lederproben mit und alles findet in Ihrem Esszimmer statt.“

Erntedankempfang der Allgäuer Wirtschaft in Marktoberdorf 2017

„Es wird einen Rückgang in den einfachen Tätigkeiten geben“

Dass die Digitalisierung Geschäftsmodelle verändert, bestätigte Wolfgang Sochor, Vorstandsmitglied der HAWE Hydraulik SE, ebenfalls. Auch in seinem Unternehmen gebe es Umstellungen. „Wir haben heute einen deutlich höheren Anteil an indirekten Mitarbeitern“, gab Sochor an. Er prognostizierte weiter: „Es wird einen Rückgang in den einfachen Tätigkeiten geben.“ Der Mensch sei und bleibe aber weiterhin der Hauptcharakter im Werk. Christian Skala, Vorstandsvorsitzender der SCALTEL AG, ist dabei jedoch sicher, dass eine Abteilung die Digitalisierung nicht überstehen wird.

„Man möchte nicht mehr verstehen, sondern nutzen und anwenden“

„In zehn Jahren werden die Unternehmen keine eigene IT-Abteilung mehr haben“, erklärte Skala. Die Produkte und Anlagen würden wichtige Informationen eigenständig und vorausschauend übermitteln. Ein Dienstleister erledige dann den Rest. „Durch diesen Digitalisierungs-Hyp suchen Kunden nun Systeme, die intelligent sind und das Leben leichter machen, nicht mehr nur verfügbar. Verfügbarkeit wird vorausgesetzt“, so die Erfahrung der Spezialisten. „Man möchte nicht mehr verstehen, sondern nutzen und anwenden.“

„Ohne WLAN geht nichts mehr“

Das gilt auch für Zeiten, die zur Entspannung dienen. Wolfgang Sommer vom Hotel Sommer in Füssen weiß, wie wichtig die Digitalisierung auch für den Tourismus ist. „Ohne WLAN geht nichts mehr“, erzählt Sommer. Wichtig sei auch Schnelligkeit, wenn es um digitale Anfragen geht. Der Markt sei stark umkämpft, umso entscheidender würden geschärfte Profile werden und ein entsprechender Auftritt im Netz. „Social Media kann man nicht nebenbei machen“, warnt der Hotelier.

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