Allgäuer Landräte im Interview

Elmar Stegmann: So verändert die Digitalisierung die Bodenseeregion

Landrat Elmar Stegmann. Foto: Landkreis Lindau (Bodensee)
Die Digitalisierung stellt nicht nur Unternehmen vor Herausforderungen. Auch das Landratsamt Lindau wird gefordert. Was sich im Landkreis verändert, verrät Landrat Elmar Stegmann im Interview mit der Redaktion.

Alle Artikel zum Thema „Allgäu – Stärken, Strategien, Standorte“ finden Sie hier.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Stegmann, wo sehen Sie die größten Herausforderungen durch die Digitalisierung in Ihrem Landkreis?

Elmar Stegmann: Online-Dienste sind aus unserem Leben nicht mehr weg zu denken. Da sind alle Bereiche gefordert – auch wir als Behörde. Wir alle haben den Anspruch, dass möglichst vieles bequem und schnell von zu Hause aus erledigt werden kann. Diesem Anspruch müssen sich auch Behörden als Dienstleister der Bürgerinnen und Bürger stellen. Momentan ist das Angebot aus unterschiedlichen Gründen noch eingeschränkt. Schon heute ist es beispielsweise aber möglich, ein Fahrzeug online abzumelden oder sich ein Wunschkennzeichen zu reservieren. An der Bereitstellung weiterer Dienstleistungen wird bayernweit gearbeitet.  

Wie verändert die Digitalisierung den Tourismus?

Digitale Medien werden sowohl während der Planung eines Urlaubs, als auch im Urlaub selbst immer wichtiger. Die Möglichkeiten reichen von der Informationsbeschaffung über die Auswahl und Buchung bis hin zum Teilen der Erlebnisse vor Ort mit Freunden über Soziale Medien oder Empfehlungen und Bewertungen im Anschluss des Urlaubs. Imagefilme beispielsweise über das Westallgäu können ebenso abgerufen werden wie Wander- und Radtouren inklusive einem digitalen Routenplaner. Die Lindau Tourismus geht bei der Digitalisierung mit großen Schritten voran und ist „die erste deutsche Insel“ mit Physical Web. Die Entwicklung im Tourismus ist rasant. Auch bei den Gästekartensystemen werden so die Abläufe nicht nur für Gäste, sondern unter anderem auch für die Anbieter von Unterkünften erleichtert. Dazu zählen Möglichkeiten wie die Online-Anmeldung bereits vor der Anreise oder digitale Reiseführer, die individuell angepasst sind und ergänzt werden können.

In welchen Branchen spüren Sie den Fachkräftemangel am meisten?

Der Landkreis Lindau zeichnet sich durch eine sehr ausgewogene Wirtschaftsstruktur aus. Vom High-Tech-Unternehmen bis hin zum landwirtschaftlichen Betrieb – die Spannweite ist breit und somit auch der Bedarf an unterschiedlichen Fachkräften. Ein Schwerpunkt sind darüber hinaus Tourismusbetriebe, die in unserer Ferienregion mit den beiden starken Marken Bodensee und Allgäu insbesondere auch saisonale Spitzen abzufangen haben. 

Wie begegnet der Landkreis diesem Problem?

Im Landratsamt Lindau werden diese Aufgaben schon seit Jahren von der Wirtschaftsförderung übernommen. Ein Schwerpunkt ist dabei die Fachkräftesicherung gemeinsam mit den Unternehmen vor Ort und im Verbund mit den benachbarten Landkreisen. Zwei Beispiele greife ich heraus: So sind wir Partner bei der Initiative „Karriere im Süden“, die gezielt Studienabgängern den Wirtschaftsraum Bodensee vorstellt. Für den Landkreis Lindau wurde daneben ein Wirtschaftserlebnis-Event mit Namen w.isit ins Leben gerufen. Einmal im Jahr präsentieren sich hier Firmen aus einer Gemeinde interessierten Besuchern.

Welches Projekt im Öffentlichen Personennahverkehr bewegt die Menschen in der Bodenseeregion derzeit am meisten?

Der Landkreis Lindau wird zum 1. Januar 2018 dem Verkehrsverbund Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbund „bodo“ beitreten. Der Beitritt bringt viele Vorteile mit sich. Die Fahrgäste haben freie Verkehrsmittelwahl und können Bus und Bahn mit nur einem Fahrschein benutzen. Günstige Tarife sollen mehr Menschen dazu bewegen, auf den öffentlichen Personennahverkehr umzusteigen. Ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft ist die elektronische Fahrkarte, um das Fahren mit Bus und Bahn zu vereinfachen.

Welche Infrastrukturprojekte sind aktuell geplant?

Da gibt es gleich mehrere: So steht die Elektrifizierung der Südbahn (Ulm – Lindau) sowie der Allgäubahn (München – Lindau – Zürich) an. Außerdem wird der Bahnhof in Lindau-Reutin neu gebaut. Damit gehen weitere 15 Projekte im Stadtgebiet einher. Darüber hinaus hat die Bayerische Staatsregierung angekündigt, fünf Bahnhaltepunkte im Landkreis Lindau zu reaktivieren.

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