Herbstthema Allgäu

Digitalisierung: Darum setzt das Allgäu auf „Faktor D“

Chefredakteur Ulrich Pfaffenberger. Foto: Bernd Jaufmann
Indem er gezielt Projekte, Ideen und Experten vernetzt, stärkt der Wirtschaftsraum Allgäu das Zukunftspotenzial der Region. Gleichzeitig erhalten Unternehmer und Arbeitsmarkt umfassende Impulse für ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Wanderer, die sich den Weg zur nächsten Alpe per GPS anzeigen lassen. Stadtbesichtiger, die sich Informationen zu den Objekten ihres Bestaunens aus dem Smartphone saugen. Dazu jede Menge Fotos und Selfies, die sich in Echtzeit über Instagram und Co. vom Ferienort in alle Welt verbreiten. Urlaubszeit ist Digitalzeit im Allgäu.

Wer das Phänomen „Digitalisierung“ allerdings auf ein attraktives Gimmick zur modernen Freizeitgestaltung reduziert, springt zu kurz. Gerade für einen aufstrebenden Wirtschaftsraum wie das Allgäu gehört der „Faktor D“ zu den elementaren Bausteinen in der Entwicklung einzelner Unternehmen, Branchen und der ganzen Region.

Allgäuer Überlandwerke (AÜW) geht vernetzte Wege

Beispielhaft zeigt sich das am Wandel, dem sich klassische Versorgungsunternehmen wie die Allgäuer Überlandwerke (AÜW) unterziehen. Zukunftsweisende Vorhaben hängen dort davon ab, dass digitale Wege und Verbindungen zur Verfügung stehen. Etwa beim Projekt AlpStore, wo es darum geht, wie sich PV-Stromspeicher in der Praxis bewähren. Dazu fördert AllgäuStrom zusammen mit Projektpartner eza! die Ausstattung von Pilothaushalten mit den entsprechenden Systemen.

Allgäu Digital: ein neues Netzwerk entsteht

Die Stärke des Wirtschaftsraums Allgäu bei der Digitalisierung ist die bereits bestehende enge Vernetzung in der analogen Welt. Das Allgäu hat erkannt, dass sich aus dem Miteinander von Aktivitäten Nutzen ziehen lässt. Insellösungen bringen nichts wirklich voran. Die Tatsache, dass mit Allgäu Digital aktuell ein neues Netzwerk für digitale Transformation und Gründung entsteht, ist die logische Weiterentwicklung dieses Gedankens. Gilt es doch nicht nur das Bestehende zu verändern und anzupassen, sondern auch Raum zu schaffen für erweiternde und ergänzende Innovationen.

Potenzial im Gründerzentrum in Kempten

Als Grundlage für ein regionales Kooperationsnetzwerk von Existenzgründern und etablierten Unternehmen versteht Allgäu Digital dabei das neue Gründerzentrum in Kempten. Es ist – Symbol der rapiden Transformation – in einem historischen Industriebau untergebracht ist, der alten Spinnerei. „Das digitale Gründerzentrum schafft die Voraussetzung für eine weitere Stärkung des Gründergedankens in der Region. Es bietet Potenzial für viele neue digitale Gründer im Allgäu in den nächsten Jahren und somit auch für die Schaffung neuer und attraktiver Arbeitsplätze, daher ist dies heute ein bedeutender Tag für uns in Kempten, im Allgäu“, kommentierte Thomas Kiechle, Oberbürgermeister der Stadt Kempten, zur Eröffnung.

Digitalisierung hat schon heute enorme Zugkraft

Wer sich bei den Marktführern und Hidden Champions im Allgäu umsieht, erkennt schnell, welche enorme Zugkraft die Digitalisierung schon heute entwickelt. Kolb lässt seine Verpackungen in den globalen Wettbewerb schicken. Liebherr lässt mit moderner Avionik bestückte Airbusse abheben. Hightech von Pfeifer, Goldhofer, Multivac und Magnet Schultz ist rund um die Welt verfügbar und die Logistik von Dachser bewegt Warenströme quer durch die Kontinente. Diese effiziente Teilhabe am Weltmarkt wäre ohne digitale Werkzeuge nicht möglich. Auch die Rolle des Flughafens Memmingen ist entscheidend dadurch geprägt, dass digitale Vertriebssysteme das Flugreisen revolutioniert haben.

Digital hochgerüstete Landmaschinen von Fendt

Nicht zu schweigen von den digital hochgerüsteten Landmaschinen aus dem Fendt-Werk, deren Cockpits einer Pilotenkanzel kaum noch nachstehen. Wobei nicht nur die Bauern in den Genuss des technischen Fortschritts kommen. Erst dieser Tage konnte das Traditionsunternehmen beim 28. Deutschen Montagekongress sich gegenüber den Mitbewerbern behaupten. Dank eines digital gesteuerten und voll flexiblen Montagekonzepts für Traktoren, dem sogenannten Fendt VarioTakt, belegte Fendt mit weitem Vorsprung den ersten Platz. Er ermöglicht es, alle Traktorbaureihen im One-Piece-Flow kundenauftragsbezogen auf einer Montagelinie zu bauen. Einerseits kann dadurch schnell und flexibel auf die aktuellen Marktanforderungen reagiert werden. Andererseits sorgt das Konzept dafür, dass die Arbeitslast der Mitarbeiter konstant bleibt. „d‘ Effizienz“ hat man im Allgäu eben immer schon mit „d“ gesprochen und geschrieben.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben