Holztag Allgäu 2017

Allgäuer Festwoche: Das Allgäu baut auf den Markenartikel Holz

Auf dem Holztag Allgäu 2017. Foto: Ulrich Pfaffenberger / B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Die Experten beim Allgäuer Holztag waren sich einig: Regionale Herkunft und Verarbeitung halten Wertschöpfung in der Region. Qualität und emotionale Faktoren stärken den Standort.

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Wie tragfähig ist Holz für die Marke Allgäu? Wie viel taugt es zur Profilierung des Standorts? Welche Rolle spielt die damit verbundene Wirtschaft für die Zukunftsfähigkeit der Region? Fragen, denen sich der Allgäuer Holztag während der Festwoche in Kempten stellte – und für die er mitunter überraschende, vor allem aber schlüssige Antworten fand. Insbesondere das „Holz der kurzen Wege“, wie Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle das einheimische Produkt apostrophierte, verspricht mit den Qualitäten „regionale Herkunft“ und „Umweltfreundlichkeit“ genau jene Zukunftsperspektiven, aus der das Allgäu nachhaltig Ernte einfahren kann. Daran waren sich die Experten auf dem Podium mit den Fachleuten im Publikum einig.

Alle Bilder von der Allgäuer Festwoche 2017

Allgäuer Holzwirtschaft im Wandel

In welchem Umfang sich die Holzwirtschaft in jüngster Zeit verändert hat und welche integrierende Rolle sie im Allgäu innehat, das machte zu Beginn des Allgäuer Holztags Hugo Wirthensohn deutlich, 1. Vorsitzender des Holzforums Allgäu. „Wir beginnen, uns zu vernetzen“, sagte er und meinte damit nicht nur die verschiedenen Waldbesitzervereinigungen und Sägereien, Schreiner und Zimmerer, Architekten und Baufirmen, sondern auch die Verbindungen zu IHK und Handwerkskammer oder über die Landesgrenze zu ProHolz Tirol.

„Der Klimawandel und seine Folgen beschäftigt nicht nur uns allein, sondern die ganze Wirtschaft“, sagte Wirthensohn und betonte die traditionell starke Rolle der Holzwirtschaft im Wirtschaftsraum Allgäu. Die, so Thomas Kiechle, noch ausbaufähig ist: „Die Vermarktung des heimischen Holzes bietet Chancen, die noch nicht von allen soweit erkannt sind, wie es gerechtfertigt ist.“

Prinzip „Kooperation statt Fusion“

Dass das Allgäu alles andere als auf dem Holzweg ist, wenn es dem nachwachsenden Rohstoff Holz eine gewisse Vorrangstellung einräumt, machte Andreas Träger deutlich, Geschäftsführer beim AllgäuHolz Markenverband. Er rückte seine Organisation in die Funktion eines Gegengewichts zur anhaltenden Konzentration in der Holzbranche: „Damit erhalten wir dem kleinstrukturierten Besitz den Marktzugang – nach dem Prinzip Kooperation statt Fusion.“

Die gemeinschaftliche Vermarktung mag, wie der sprichwörtliche Holzweg zu Beginn mühsam sein, erweise sich aber nicht als Sackgasse, sondern als Pfad zum nachhaltigen Erfolg: „Wird AllgäuHolz nachgefragt, gewinnt das ganze Allgäu, gewinnt der ländliche Raum“, ist Träger überzeugt. Mit einem solch positiv besetzen Produkt, das auch den Erholungsraum und das Lebensumfeld präge, wachse die Attraktivität und Qualität des Standorts und bleibe die Wertschöpfung komplett der Region erhalten. Dazu komme die Wirkung zugunsten „der vielen anderen Betriebe, die am Holz hängen, vom Maschinenbauer über den Steuerberater bis zum Tourismus“. Unter diesem Aspekt sei Holz ideal geeignet für die „In-Wert-Setzung des Allgäus“.

„Regionales Ummünzen schafft Glaubwürdigkeit“

Zuspruch erhielten die heimischen Branchenvertreter durch Markus Brunner, Direktor der Organisation WaldSchweiz – gegründet zur breit angelegten Verwendung eines einheitlichen Herkunftszeichens für Holz und Holzprodukte aus der Eidgenossenschaft. Mit einem pragmatischen „die Argumente sind überall gleich, aber regionales Ummünzen schafft Glaubwürdigkeit“ ermunterte er die Allgäuer, ihren Kurs zur Vermarktung von AllgäuHolz fortzusetzen.

Selbst ein höherer Preis lasse sich Bauherrn vermitteln, wenn man einerseits dessen prozentual geringen Anteil an der Gesamtbausumme und andererseits die Werbewirkung der Investition sichtbar mache: „Wir bringen Plaketten mit unserem Logo an den Gebäuden an, das sehen zehntausende von Menschen.“ Überhaupt werde, so seine Überzeugung, die nachgewiesene Herkunft von Holz bald ähnliches Gewicht haben wie heute schon diverse Zertifizierungen. Das Regionalbewusstsein und die Überprüfbarkeit machten Herkunftsmarken wettbewerbsfähig.

Marktpräsenz ausbauen

In einer Expertenrunde waren sich Peter Fickler (Allgäuer Sägerrunde), Stefan Holzer (Obermeister Schreinerinnung Allgäu), Richard Forster (Zimmermeister) und Martin Bentele (proHolz Bayern) einig, dass „wenn es jemand schafft, eine regionale Holzmarke zu etablieren, dann ist es das Allgäu“. Dabei spielten den Protagonisten einer expandierenden Holzwirtschaft sowohl fachlich-qualitative wie emotionale Faktoren auf Kundenseite in die Hände: „Wer mit Funkeln in den Augen verkauft, gewinnt“, so Forster. Gleichwohl sei aktive Marktbearbeitung angesagt, so Holzer: „Wir dürfen nicht warten, bis einer fragt. Wir müssen den Kunden sagen, dass sie das wollen.“

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