Gast der Redaktion

„Wie wichtig ist das Auto heute noch, Michael Agsteiner?“

Geschäftsführer Michael Agsteiner im Gespräch mit unserer Redakteurin Rebecca Weingarten. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Michael Agsteiner zum Gespräch in unserer Redaktion: Der Geschäftsführer der Schwaba GmbH verrät, wie sich die Autohäuser in der Region verändern, was beim Thema E-Mobilität verschlafen wurde und wie der Automobilmarkt der Zukunft aussehen wird.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Agsteiner, statt vieler kleiner Autohäuser geht die Tendenz immer mehr zu großen Gruppen. Woran liegt das? 

Michael Agsteiner: Der Grad der Spezialisierung steigt, ebenso wie die Anforderungen der Hersteller. Dies führt zu hohen finanziellen Belastungen. Zur Schwaba gehören die Betriebe Schwaba Augsburg Süd, Schweizer Lechhausen, Wagner Gersthofen, das Schwaba Autocenter und das Audi Zentrum Augsburg. Wir sind Teil der Volkswagen Group Deutschland mit rund 100 Autohäusern deutschlandweit. In einem Konzern solcher Größe können Synergien viel besser genutzt werden als in einem mittelständischen Unternehmen. Deshalb glaube ich, dass der Trend hin zu großen Gruppen zunehmen wird.

Gerade in Augsburg fällt auf, dass die Branche hochemotional auf Veränderungen reagiert. Woher kommt das?

Ich denke, das liegt an unserem Produkt, dem Automobil, und den damit verbundenen Emotionen. Mit Benzin- beziehungsweise Reifengeruch verbinden viele Menschen Erinnerungen. Diese Leidenschaft spüren wir nicht nur bei Kunden, sondern auch innerhalb der Branche.

Dennoch hat das Auto für viele nicht mehr den Stellenwert, den es früher hatte. Warum ist das so?

Der Grund dafür liegt in der zunehmenden Urbanisierung. Mobil zu sein, ist wichtiger denn je. Doch ein Auto zu besitzen, spielt gerade in Städten mit großer Verkehrsdichte eine immer geringere Rolle. Trotzdem glaube ich, dass das Automobil für viele nach wie vor wichtig ist und wichtig bleiben wird. Denken Sie an Menschen, die auf dem Land leben: Sie sind auf das Auto angewiesen. Vor allem jedoch erfüllen sich viele Menschen mit einem bestimmten Auto einen Traum. Hier trifft das Herz die Entscheidung.

Trotz dieser emotionalen Verbundenheit trifft der Fachkräftemangel auch die Autohäuser. Wie können Sie hier gegensteuern?

Klar ist: Wir müssen uns verändern, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Themen wie Gehalt, Urlaub, geregelte Arbeitszeiten, ein attraktives Arbeitsumfeld oder Aus- und Weiterbildung spielen heute eine viel größere Rolle als noch vor ein paar Jahren. Es kommt darauf an, die Balance zu finden zwischen betriebswirtschaftlichem Handel und dem, was man den Beschäftigten bieten kann. Übrigens zeigt sich auch hier häufig, dass größere Gruppen mehr Möglichkeiten haben – gerade auch, was die Perspektiven für die Mitarbeiter angeht.

Geschäftsführer Michael Agsteiner im Gespräch mit unserer Redakteurin Rebecca Weingarten. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN Geschäftsführer Michael Agsteiner im Gespräch mit unserer Redakteurin Rebecca Weingarten. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN 

 

Wie geht die Schwaba diese Herausforderung an?

Wir wollen unsere Mitarbeiter von morgen zunehmend im eigenen Unternehmen großwerden lassen. Im September dieses Jahres starten 18 Auszubildende in unseren fünf Betrieben. Mittelfristig wollen wir diese Zahl auf 30 erhöhen. Dabei sind unsere Auswahlverfahren sehr selektiv: Wir wollen frühzeitig gezielt herausfinden, welche beruflichen Perspektiven es für die jeweiligen Mitarbeiter in unserem Unternehmen gibt. Denn neben der fachlichen Komplexität, die der digitale Wandel mit sich bringt, ist das die größte Herausforderung: Wir müssen den digitalen Weg gemeinsam mit unseren Mitarbeitern gehen und sie für unsere Ziele begeistern.

Wie verändert der digitale Wandel die Branche?

Die Digitalisierung eröffnet uns zahlreiche Chancen – gerade, was die Begegnung mit den Kunden angeht. So können wir künftig beispielsweise über digitale Annahme-Schalter 24 Stunden am Tag Aufträge entgegennehmen. Für den Kunden bedeuten solche Lösungen maximale Flexibilität. Dies ist heutzutage sehr wichtig. Trotzdem werden wir den analogen Pfad nicht vollständig verlassen. Es gilt, auch hier die Balance zu finden.

Stichwort E-Mobilität: Warum geht es hier so langsam voran?

Es wurden einige Dinge verschlafen. Unterschiedliche Hersteller haben teure Lösungen auf den Weg gebracht. Doch darunter ist noch immer keine, die final überzeugt. Das liegt auch daran, dass die passende Infrastruktur fehlt. Mobil sein bedeutet, unabhängig zu sein. Gerade das kann durch die E-Mobilität bisher aber nicht gewährleistet werden. In den Städten wird es künftig aber sicherlich mehr E-Autos geben. Auf dem Land hingegen ist das autonome Fahren leichter umsetzbar. Es gibt so viele interessante Möglichkeiten, sich von A nach B zu bewegen. Künftig werden die Lösungen deutlich vielschichtiger werden. Es ist einiges im Wandel, was unsere Branche nachhaltig verändern wird. Was hier passiert, ist unglaublich spannend.

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