Gast der Redaktion

„Wie stark ist der IT-Standort Augsburg, Roger Heinz?“

Roger Heinz, Vorstand der CPU, hier zusammen mit unserer Redakteurin Rebecca Weingarten. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Gegründet während des New-Economy-Booms, behauptet sich die CPU Softwarehouse AG auch 35 Jahre später erfolgreich auf dem Markt. Wie hat das Unternehmen überlebt, während andere untergingen? Und welche Strategie führt CPU in die Zukunft? Das verriet Vorstand Roger Heinz im Gespräch mit unserer Redaktion.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Heinz, auf der Hauptversammlung nannten Sie den Kauf der CANCOM-Tochter NSG GIS einen „Game-Changer“ für die CPU. Warum war dieser Schritt so wichtig?

Roger Heinz: Das Spannende ist, dass GIS vor der Akquisition mit einem Umsatz von sieben Millionen Euro und rund 150 Mitarbeitern ein weit größerer Player war als die CPU: Unsere 50 Mitarbeiter haben im vergangenen Jahr einen Umsatz von 5,3 Millionen Euro erwirtschaftet. Das ist Herausforderung und Chance zugleich. Denn mit 150 weiteren Profis an Bord können wir nun wesentlich mehr sowie auch größere Projekte umsetzen. Der Kauf von GIS ist für die CPU ein Meilenstein auf unserem zukünftigen Weg.

Welche Auswirkungen auf den Aktienkurs erwarten Sie dadurch?

Der Zukauf von GIS wird sich sicherlich positiv auf den Aktienkurs auswirken – aber hierauf liegt nicht unser Fokus. Unsere Strategie ist langfristig angelegt und nicht vom Auf und Ab an der Börse abhängig. Letztendlich ist der Gewinn eines Unternehmens ausschlaggebend für den Aktienkurs, nicht umgekehrt und hier wollen wir uns nachhaltig weiter entwickeln.

Die CPU kann sich seit über 35 Jahren in einem schwierigen Marktumfeld behaupten. Was macht das Unternehmen anders als andere?

Das Unternehmen ist beständig am Markt, weil immer klar war: Qualität punktet. Unsere Produkte – und vor allem die Entwickler, die dahinter stehen – haben sich von Anfang an einen exzellenten Ruf erarbeitet. Außerdem hat die CPU es immer geschafft, sich an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen. So haben wir uns neben der eigenen Software-Entwicklung im Bereich der Dienstleistungen ein weiteres Standbein aufgebaut: Unsere Mitarbeiter entwickeln immer häufiger die Software-Lösungen der Banken in den Rechenzentren vor Ort weiter. Neben der Software-Schmiede, die nach wie vor sehr wichtig für uns ist, ist so ein neues Geschäftsfeld auf dem Gebiet der professionellen Services entstanden.

Wie verändert der digitale Wandel das Kerngeschäft der CPU?

Wir haben uns frühzeitig mit dem Thema Digitalisierung, vor allem im Bankenumfeld, auseinandergesetzt und die Kernthemen identifiziert, mit denen unsere Kunden hierbei konfrontiert werden. Die neue strategische Ausrichtung der CPU zielt hauptsächlich darauf ab, Unternehmen bei der Umsetzung des digitalen Transformationsprozess zu unterstützen. In Kooperation mit unseren Partnern arbeiten wir hier an einer Vielzahl spannender Projekte.

Wie schätzen Sie den Standort Augsburg für die IT-Branche ein?

Ich bin überzeugt, dass Augsburg ein sehr attraktiver Standort für Unternehmen ist. Nach wie vor ist es hier etwas leichter, Talente zu gewinnen, als beispielsweise in München. Die Universität und die Hochschule übernehmen dabei eine wichtige Rolle. Auch die Infrastruktur, die Internationale Schule Augsburg, die neue Uniklinik und der im Vergleich zu München günstigere Wohnraum sprechen für Augsburg und ziehen auch Top-Manager an. Doch noch ist nicht alles ideal: Ein heikles Thema unter anderem ist für viele Unternehmen die hohe Gewerbesteuer in Augsburg.

Der Fachkräftemangel wird in den kommenden Jahren zunehmen – auch bei der CPU. Wie halten Sie dagegen?

Bisher ist es der CPU immer gelungen, passende Mitarbeiter am schwäbischen Markt zu gewinnen. Künftig müssen wir uns aber differenzierter aufstellen, als das in den letzten Jahren der Fall war. Die CPU hat die letzten Jahre etwas wenig in den Nachwuchs und in Mitarbeiterqualifizierung investiert. Seit 2014 legen wir wieder verstärkt den Fokus darauf. Erstklassige Manager sind wichtig – wir brauchen aber auch qualifizierten Nachwuchs aus den eigenen Reihen. In diesem Zuge wollen wir die CPU auch als Arbeitgebermarke aufbauen: Wir wollen unseren Mitarbeiter viele gute Gründe an die Hand geben, um auf ihren Arbeitgeber, die CPU, stolz zu sein.

Sie engagieren sich im Verein „Talente für die Region“, der High Potentials in Augsburg halten will. Was versprechen Sie sich davon?

Ich glaube, dass eine Stadt wie Augsburg die Möglichkeiten, die dieses Netzwerk bietet, braucht. Der Wirtschaftsraum ist sehr attraktiv, es gibt hier zahlreiche Hidden Champions. Bayerisch-Schwaben hat unglaublich tolle Unternehmen. Bei „Talente für die Region“ setze ich mich dafür ein, dass wir unsere Außenwahrnehmung stärken. Denn ich glaube, dass sich der Standort in vielen Bereichen noch immer unter Wert verkauft. Es ist schade, dass Bayerisch-Schwaben noch nicht denselben Ruf genießt wie Oberbayern.

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