Gast der Redaktion

„Lässt sich das Verkehrs-Problem in Augsburg lösen, Marko Herkner?“

Geschäftsführer Marko Herkner im Gespräch mit unserer Redakteurin Rebecca Weingarten. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Marko Herkner ist Geschäftsführer der Logistic-Factory (LF). Im Interview verrät er, wie sich die Branche wandelt, welche Ideen dabei gerade in Innenstädten umsetzbar sind und warum sich die logistische Drehscheibe der Mediengruppe Pressedruck neu aufstellen will.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Herkner, was genau macht die Logistic-Factory?

Marko Herkner: Die Logistic-Factory ist meiner Argumentation nach die logistische Drehscheibe der Mediengruppe Pressedruck. Unsere Schwesterunternehmen im selben Bereich sind die Logistic-Mail-Factory (LMF), Direktwerbung Bayern, ZSP und MIMO. Mit allen Gesellschaften decken wir eine Vielzahl logistischer Dienstleistungen ab. Eine unserer Kernaufgaben ist die Auslieferung aller Zeitungsprodukte und Briefe des Verlages, unter anderem der Tageszeitung, der Augsburger Allgemeinen. Wir haben fünf eigene LKWs. Mit diesen sind wir nicht nur für den Mutterkonzern, sondern auch für externe Kunden unterwegs. Hier spielen vor allem die Kurier, Express- und Paketdienste eine immer größere Rolle. Dieses Geschäftsfeld wollen wir weiter ausbauen. Unser Ziel ist es, mehr externe Kunden zu gewinnen. Damit können wir uns zusätzlich zum Verlagsgeschäft stabiler aufstellen. Wir sehen in diesem Bereich sehr viel Potential. Denn in den nächsten fünf  zehn Jahren soll sich die Paketmenge deutschlandweit mehr als verdoppeln. Wir können flexibel auf den Markt reagieren und möchten diese Veränderungen gerne mitgestalten.

Wo sehen Sie die Zukunft der Logistik in Augsburg und in Schwaben?

Ich bin erst seit November in Augsburg – ein zu kurzer Zeitraum, um einen Ausblick für den gesamten Wirtschaftsstandort geben zu können. Zu Norddeutschland, wo ich ursprünglich herkomme, fällt auf: Die Logistik ist in der Region Augsburg sehr geballt und es herrscht wirklich viel Potential und Innovationskraft.

Was denken Sie: Wird die Zustellung per Drohne bald flächendeckende Wirklichkeit?

Es gibt Gegenden – wie einige norddeutsche Inseln oder höhergelegene Orte im tiefsten Allgäu – da ist dies sicherlich eine sinnvolle Lösung. Doch mit einer urbanen Infrastruktur lässt sich diese Idee aus meiner Sicht nicht verbinden. Allein schon aus datenschutzrechtlichen Gründen ist das fast unmöglich. Aber auch der relativ unkontrollierte Luftverkehr wäre schwer zu verantworten.

Wie stark beschäftigt das Thema Elektromobilität die LF?

Sehr. Derzeit planen wir ein Projekt, dessen Testlauf im September starten soll. Dabei werden im Innenstadt-Bereich sogenannte City Hubs installiert. Diese Distributions-Zentren müssen nicht besonders groß sein – mir schwebt da für den Start beispielsweise eine Paletten-Größe vor. Die City Hubs sollen zunächst stationär, später auch mobil errichtet werden. Das Projekt sieht vor, die Tageszeitung mit dem Elektro-Auto zu den City Hubs zu bringen. Im Anschluss werden die Zeitungen von dort aus mit dem E-Lastenbike ausgeliefert. Hier arbeiten wir eng mit der LEW und mit Sortimo zusammen.

Bisher gibt es solche Hubs in Augsburg nicht, jede Auslieferung startet direkt im Druckhaus oder im Briefzentrum. Durch das neue Konzept erwarten wir eine Effizienz-Steigerung. So wollen wir Wege einsparen und weitestgehend klimaneutral und nachhaltig agieren. Denn eines ist klar: Wir müssen das Verkehrsproblem in den Innenstädten lösen.

Aus aktuellem Anlass: Wie hart würde ein Dieselverbot in Innenstädten die Logistik treffen?

Aktuell wäre die Logistik zu 100 Prozent betroffen. Ich will hier gerne ein Beispiel nennen: Im Verbreitungsgebiet der Augsburger Allgemeinen sind wir jede Nacht mit 80 Transportern unterwegs. Das sind alles Dieselfahrzeuge. Wir sind hier aber entspannt, was das Verbot angeht, denn es wird nicht von heute auf morgen kommen. Vor allem für das Gewerbe wäre dies schlichtweg nicht umsetzbar. Trotzdem versuchen wir, uns auf die Zukunft einzustellen und die liegt aus meiner Sicht in der E-Mobilität. Projekte wie jenes, das wir im September starten, sind hier ein wichtiger Schritt.

Welche Themen beschäftigen die Logistic-Factory derzeit am meisten?

Die Digitalisierung in der Logistik ist für uns ein großes Thema. Alle Aufträge und Touren möglichst sinnvoll miteinander zu kombinieren, wird zunehmend wichtiger. Aktuell sind wir auf der Suche nach einer neuen Software für die dynamische Routen-Planung und -Optimierung. Ohne digitale Lösungen ist unsere Arbeit nicht mehr zu bewältigen. Auch hier habe ich ein Beispiel: Ab nächstem Jahr übernehmen wir von unserem Schwester-Unternehmen, der Logistic-Mail-Factory, die Postauslieferung. Das sind fast 800 zusätzliche Stopps, die wir täglich zum Teil kurzfristig einplanen müssen. Hier die Ressourcen effizient zu verteilen, schafft kein Disponent ohne digitale Unterstützung.

Wenn Sie sich eine Sache für die Logistic-Factory wünschen dürften, was wäre das?

Mein Ziel ist es, dass in fünf Jahren 50 Prozent unseres Umsatzes über externe Kunden generiert wird. Nächstes Jahr wird hoffentlich auch unsere Fahrzeug-Flotte wachsen, um einen kleinen LKW, einen Transporter und ein E-Auto. Beides wird dazu beitragen, uns langfristig sicher aufzustellen.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben