Gast der Redaktion

„Kostet die KJF als Sozial-Unternehmen nur, Herr Mayer?“

Markus Mayer, Vorstandsvorsitzender der KJF. Foto: Rebecca Weingarten / B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg beschäftigt rund 4.000 Mitarbeiter in 80 Einrichtungen. Wie die KJF den Wirtschaftsstandort Schwaben prägt, verrät der Vorstandsvorsitzende Markus Mayer im Gespräch mit unserer Redaktion.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Mayer, welche Wirtschaftskraft hat die KJF als Unternehmen?

 

Markus Mayer: Dieser Frage haben wir uns auch schon gestellt: Kosten wir als Sozial-Unternehmen nur, oder geben wir auch etwas zurück? Tatsächlich fließen für jeden Euro, den wir für unsere Arbeit von den Sozialkassen erhalten, zwischen 60 und 80 Cent wieder in die Gesellschaft zurück, wie Studien zeigen. Hinzu kommt, dass wir allein in Augsburg circa 2.000 Mitarbeiter beschäftigen. Insgesamt sind es rund 4.000. Beides ist ein wichtiger Beitrag zum Wirtschaftsstandort.

 

Das steht übrigens mitnichten im Widerspruch zum christlichen Gedanken, auf dem die KJF basiert. Für unsere Leistungen gibt es ein Entgelt beziehungsweise ein Budget. Die Struktur unterscheidet sich nicht von einem Unternehmen in der freien Wirtschaft. Wir sind verantwortlich für rund 80 Einrichtungen und Dienste an 150 Standorten, 80.000 Klienten und Patienten pro Jahr sowie unsere Mitarbeiter.

 

Die KJF ist in unserer Region sehr präsent. Was genau gehört zu ihrem Haus alles dazu?

 

Wir sind in der gesamten Diözese Augsburg vertreten. Unsere Einrichtungen befinden sich im Regierungsbezirk Schwaben und in Teilen Oberbayerns. Aus der Geschichte heraus teilt sich die Tätigkeit unseres Verbandes heute in drei große Bereiche auf. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Kinder- und Jugendhilfe. In der beruflichen Bildung und Integration sind wir unter anderem mit unseren Berufsbildungswerken ebenfalls sehr engagiert. Auch im medizinischen Bereich sind wir tätig. Sehr bekannt ist hier das Josefinum in Augsburg. Zudem sind wir der größte private Anbieter von Rehakliniken für Kinder und Jugendliche deutschlandweit. Hier setzen wir auf unsere Einrichtungen in Bad Hindelang-Oberjoch, Scheidegg und Murnau.

 

Als wichtiger Arbeitgeber in der Region: Spürt Ihr Haus den Fachkräftemangel?

 

Ja, das spüren wir ebenfalls. Vor allem Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen und Erzieher werden verstärkt gesucht. Letzteres hängt natürlich auch mit dem massiven Ausbau der Kindertagesstätten zusammen. Wir merken, dass es schwieriger wird, Mitarbeiter für den Schicht- und Gruppendienst zu gewinnen.

 

Wie reagieren Sie darauf?

 

Eins ist klar: Geld allein ist nicht alles. Wir zahlen zwar mindestens die Löhne, die Mitarbeiter auch im öffentlichen Dienst bekommen würden. Zudem werden aber auch Angebote zur Altersvorsorge immer wichtiger. Dies gilt inzwischen auch für jüngere Menschen. Wir bieten unseren Beschäftigten Modelle an, nach denen sie früher in Rente gehen oder sich eine Auszeit nehmen können.

 

Es gibt aber noch andere Maßnahmen im Sinne unseres nachhaltigen Personalmanagements. So halten wir beispielsweise den Kontakt zu Mitarbeiterinnen, die im Mutterschutz sind. Zudem bieten wir intern in einer eigenen Akademie zahlreiche Fortbildungen an. So ein großes Sozialunternehmen funktioniert immer nur mit sehr gut qualifizierten Mitarbeitern. Es braucht Strategien und Konzepte, um junge Menschen an Verantwortung heranzuführen und sie als Führungskräfte auszubilden. Zusätzlich bieten wir spirituell-religiöse Angebote und Begleitung an.

 

Ein Ziel der KJF ist es, Menschen die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt häufig keine Chance hätten. Worauf kommt es hier an?

 

Unsere Arbeit ist dann erfolgreich, wenn sie gut gelingt. Wir haben viele gut ausgebildete, hoch qualifizierte Mitarbeiter, die eine bestimmte Haltung vertreten: Dass es sich lohnt, für die Menschen, für die wir Sorge tragen, da zu sein. Erfolg stellt sich dann ein, wenn jemand gerne zu uns kommt, weil er sich gut aufgehoben fühlt.

 

In unseren Einrichtungen haben wir übrigens eine sehr hohe Vermittlungs-Quote. Gerade die Berufsbildungswerke in Augsburg und in Dürrlauingen stechen da hervor, sehr viele der Absolventen finden nach ihrer Zeit bei uns einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft.

 

Ein wichtiges Ziel der KJF ist es, den sozialen Zusammenhalt zu fördern – gerade in der heutigen Zeit keine leichte Aufgabe. Was denken Sie: Wo geht die Reise hin?

 

Meiner Meinung nach wird uns dies vor allem in Verbindung mit der Flüchtlingsfrage noch lange beschäftigen. Die Botschaft, die Papst Franziskus vermittelt, wirft immer wieder die Frage auf: Wie sollen die Menschen in der ganzen Welt miteinander umgehen? Und wie gehen wir mit den Menschen um, die zu uns kommen? Es gibt sicher viele Möglichkeiten, darauf zu antworten. Jeder kann hier seinen Beitrag leisten.

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