101 Köpfe, Folge 102: Franz Josef Pschierer

Zwischen Verantwortung und Macht

Franz Josef Pschierer, Bayerischer Staatssekretär. Foto: Kilian Blees / Stmwi
Franz Josef Pschierer im 101 Köpfe-Interview: Der Staatssekretär verrät, warum er sich doch gegen die Priesterkarriere entschieden hat, welches Erlebnis aus seiner politischen Laufbahn er nie vergessen wird und mit wem er sich gerne einmal zum Abendessen treffen würde.

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Name: Franz Josef Pschierer

Alter: 60

Position: Staatssekretär und Landtagsabgeordneter für den Stimmkreis Kaufbeuren

Ministerium: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie

Hobbies: Lesen, Schafkopf, Tennis und vor allem auch Musik 

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie haben Sie entschieden, was Sie beruflich machen möchten?

Franz Josef Pschierer: Katholischer Priester stand für mich ebenfalls als Berufswunsch einmal im Raum sowie Berufsoffizier, aber bei letzterem war ich zu heimatverbunden und bei ersterem stand im Weg, dass ich doch Familie wollte. So führte mich mein Weg erst einmal ins Verlagswesen.

Gibt es etwas, das Sie aus Ihrem früheren Berufsleben als Redakteur vermissen?

Vermissen direkt wohl nicht. Ich freue mich jedoch, dass im Bayerischen Staatsministerium auch die Medien angesiedelt und damit wieder Berührungspunkte entstanden sind. 

Warum haben Sie sich dafür entschieden, in die Politik zu gehen?

Dass Politik einen besonderen Reiz hat, erkannte ich vor meiner Laufbahn als Politiker in einer Veranstaltung, die ich in Mindelheim besuchte. Damals sprach Franz Josef Strauß dort auf dem Marktplatz. Das hat mich sehr begeistert. Dennoch dauerte es dann noch einige Jahre, bis ich selbst den Schritt unternahm, um zu kandidieren.

Welches Erlebnis aus Ihrer politischen Laufbahn werden Sie nie vergessen?

Der Besuch beim bayerischen Papst Benedikt XVI ist mir sehr in Erinnerung geblieben.

Was ist die wichtigste Charaktereigenschaft eines Politikers?

Ein Politiker sollte meines Erachtens durch Respekt und Empathie für die Mitmenschen sowie Wertebewusstsein, Standhaftigkeit, Ehrlichkeit und Geradlinigkeit ausgezeichnet sein. Und gute Ideen sollte ein Politiker auch haben.

Was möchten Sie in Ihrer politischen Laufbahn unbedingt noch erreichen?

Einen aktiven Beitrag zum Gelingen der Energiewende möchte ich auf jeden Fall leisten. Außerdem halte ich die Entwicklung und Förderung der Digitalisierung in allen Regionen für bedeutsam. Wichtig ist für mich auch, die bayerische Wirtschaft weiter nach vorne zu bringen, um den Menschen sichere und gute Arbeitsplätze zu bieten. Dazu unternehme ich viele Delegations- und Gesprächsreisen ins Ausland, damit der Exportstaat Bayern hier weiter führend bleibt.

Was – außer Stimmen für die eigene Partei – wünschen Sie sich von den Wählern?

Einen ehrlichen und unverfälschten Blick auf die Politik.

Gibt es etwas, das Sie an Ihrer eigenen Partei stört?

Ich bin ja Teil dieser Partei und auch im Parteivorstand. Das heißt, ich kann mich direkt selbst einbringen, wenn ich der Meinung bin, es müsste anders laufen.

Sie haben zwei Kinder. Was halten Sie von Demokratie in der eigenen Familie?

Nicht immer fällt es mir hier leicht, aber wir leben danach.

Haben Sie die Versuchung der Macht am Beginn Ihrer Karriere für sich selber richtig eingeschätzt, unterschätzt oder überschätzt und wie gehen Sie damit um?

Macht ist das Eine, Verantwortung das Andere. Für mich ist das Verantwortungsbewusstsein immer schon wichtiger gewesen als das Machtbewusstsein. Außerdem schätze ich die Möglichkeit des politischen Gestaltens.

Mit welchem Klischee über Politiker wollten Sie schon immer einmal aufräumen?

Damit, dass Politiker Marionetten ihrer Partei oder Lobbyisten sind. Politiker sind Menschen wie andere auch.

Stellen Sie sich vor, es würde ein Film über Ihr Leben gedreht werden. Welcher Schauspieler würde Sie spielen?

Matthias Brandt oder Elmar Wepper würden mir da gut gefallen.

Was ist für Sie der schönste Fleck Bayerns?

Natürlich das Allgäu.

Sie laden fünf berühmte Menschen zum Abendessen ein. Wer wäre dabei?

Papst Franziskus, Norbert Lammert, Steffi Graf, Sebastian Kurz und Angela Merkel.

Was würden die wenigsten Menschen von Ihnen erwarten?

Vielleicht, dass ich Präsident des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes und selbst ein aktiver Posaunist bin.

Ganz spontan in 30 Sekunden: Drei tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben?

Sebastian Kneipp, Theo Waigel und Ludwig Ganghofer.

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